Leadership Coaching

Mitarbeiter der Generationen Y und Z richtig führen

12.08.2016 von Sabine Machwürth
Nicht nur die Marktanforderungen am und die Strukturen in den Unternehmen sind einem starken Wandel unterworfen. Auch die Mitarbeiter ändern sich. Hierauf muss die Unternehmensführung reagieren. Doch welche Einstellungen und Verhaltensmuster zeichnen die erfolgreiche Führungskraft von morgen aus?

Wie ticken junge Mitarbeiter und die Mitarbeiter von morgen? Mit dieser Frage muss sich jedes Unternehmen befassen, das eine vorausschauende Personalarbeit betreibt. Doch diese Frage ist schwierig zu beantworten. Denn sowohl für die Mitarbeiter von heute als auch morgen gilt: Sie sind eigenständige Persönlichkeiten; ihre Einstellungen und Verhaltungsmuster unterscheiden sich stark von den herkömmlichen.

Wie ticken die jungen Mitarbeiter und die Mitarbeiter von morgen?
Foto: AstroStar-shutterstock.com

Trotzdem lassen sich, betrachtetet man die Belegschaften insgesamt, zwischen den Einstellungen und Wertehaltungen, die das Verhalten der Mitarbeitergenerationen prägen, Unterschiede konstatieren. So ticken zum Beispiel die zwischen 1980 und 1999 geborenen jungen Frauen und Männer, die zur Generation Y zählen und heute bereits das Gros der Mitarbeiter vieler Unternehmen bilden, tendenziell anders als ihre älteren Kollegen. Sie nutzen zum Beispiel die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie ganz selbstverständlich, weil sie mit ihr aufgewachsen sind - beruflich und privat. Zudem sind sie sehr leistungsorientiert, selbstbewusst und es gewohnt, selbst zu entscheiden.

Deshalb sind sie auch risikofreudiger als ihre älteren Kollegen und gehen neue Aufgaben gemäß der Maxime "Irgendwie wird es schon klappen" gerne experimentell an. Im Gegenzug erwarten sie von ihren Führungskräften, dass diese mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren und für ihr Feedback offen sind.

Flexibler und anspruchsvoller - in vielerlei Hinsicht

Die Angehörigen der Generation Y trennen auch weniger scharf als ihre älteren Kollegen zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Außerdem haben sie weniger stark das Denken "Acht Stunden sind ein Arbeitstag" verinnerlicht. Sie passen ihre Arbeitszeit bereitwillig dem Bedarf an und sind, sofern nötig, auch zuhause ansprechbar und einsatzbereit. Zugleich ist ihnen jedoch die Work-Life-Balance wichtig.

Noch stärker ausgeprägt sind diese (Einstellungs- und Verhaltens-)Tendenzen bei der Generation Z - also bei den nach 1995 geborenen Frauen und Männern, die mit den Social Media aufgewachsen sind und in den kommenden Jahren verstärkt in die Unternehmen drängen. Sie legen noch mehr Wert auf eine individuelle Wertschätzung und hohe Flexibilität auf allen Ebenen. Haltungen, die die Wissenschaft der Generation Z zuschreibt, sind:

Führung muss sich ändern

Welche Anforderungen erwachsen hieraus an Führung? Führung wird zunehmend zur Kunst der beratenden Strukturierung gepaart mit einer hohen Trouble Shooting-Kompetenz. Strukturen geben, kommunizieren, informieren und coachen - so lauten künftig die Schlüsselbegriffe für erfolgreiche Führung. "Leading people", Menschen führen, heißt immer mehr,

Das erfordert ein verändertes Führungsverhalten. Ein regelmäßiges beratendes Monitoring von Arbeitsständen und -ergebnissen im Dialog mit den Mitarbeitern und Teams wird zur Grundlage für deren zielgerichtete Motivation. Denn die Angehörigen der Generation Z (und teilweise Y) betrachten Führung immer weniger als Instanz, die entscheidet, sondern als Instanz, die dafür sorgt, dass sie selbst (und ihre Kollegen) handlungsfähig sind. Führung wird zunehmend zum Gestalter des Workflows und des psychosozialen Flows, was auch ein aktives Networking erfordert.

Wichtige Maximen für das Führen von Angehörigen der Generation Z und Y sind:

Die Führungskraft als coachender Leader

Die Führungskraft entwickelt sich zum coachenden Leader, der

Nachfolgend einige Hinweise, wie Sie als Führungskraft Ihre Führungsarbeit organisieren und gestalten sollten, um ihre jungen Mitarbeiter, die der Generation Y oder Z angehören, erfolgreich zu führen.

1. Richten Sie Ihr Handeln nach folgenden Prinzipien aus:

a) Vermittlung von Sinn

b) Beteiligung

c) Gestaltungsfreiraum

d) Leistungsorientierung

e) Information

2. Konzentrieren Sie sich darauf, am System zu arbeiten (Überblick statt Detailarbeit).

Delegation und beratende Begleitung lauten hier die Schlüsselbegriffe. Als Führungskraft sollten Sie das Erledigen der Fachaufgaben, nebst der Kompetenz, selbst zu entschieden, wie die Aufgabe zu erfüllen ist, soweit möglich an ihre Mitarbeiter delegieren, denn diese erfahren ein zu starkes "Sich einmischen" in ihre Aufgaben als entmündigend und frustrierend. Klären Sie mit Ihren Mitarbeitern jedoch die zu erreichenden Ziele und die Kriterien, an denen Sie die Qualität der Arbeit messen.

3. Achten Sie auf Strukturelemente, die die gewünschten Ergebnisse sicherstellen.

Meeting-Arten, die ein fester Bestandteil des Führungsalltags sein sollten, sind:

So wenig Protokollführung wie möglich

Entscheidend sind nicht die (Meeting-)Protokolle, sondern dass Sie die Menschen so zusammenbringen, dass sie die gewünschten Ergebnisse erzielen. Betreiben Sie so wenig formale Protokollführung wie möglich. Zuweilen genügt es, schnell die Notizen am Flipchart mit dem Smartphone zu fotografieren und ans Team zu senden.

Die wichtigsten Führungsinstrumente sind:

4. Führen Sie nach den Prinzipien des Leadership-Coaching.

Wenn Ihre Mitarbeiter ihre Aufgaben weitgehend eingeständig und -verantworlich erfüllen sollen, unter Ihrer beobachtenden und unterstützenden Begleitung, dann erfordert dies gewisse Voraussetzungen und Rahmenbedingungen.

5. Organisieren Sie die (wechselseitige) Information.

Klären Sie: Über was wird auf welchem Wege an wen informiert und wie wird rückgekoppelt? Eine zentrale Erwartung an Sie als Führungskraft ist, die Kommunikation zu strukturieren und als guter Networker auch selbst gut informiert zu sein. Ein Informationssystem umfasst folgende drei Elemente:

Strukturieren Sie auch die Informationswege: Was wird

kommuniziert? Denken Sie auch an einen "Mickey Mouse Kanal" - also einen Kanal für den Small Talk und für das Chatten miteinander.

Es scheint, als verlange die Generation Z (und Y) Führungskräften viel ab. Faktisch sind die meisten geschilderten Prinzipien jedoch nicht neu. "Neu" ist, dass die Generation Z deren Beachtung selbstbewusst erwartet und aktiv einfordert; außerdem, dass sie aufgrund ihrer eher geringen Bindung an ein Unternehmen recht wechselfreudig ist und sich rasch nach Job-Alternativen umschaut. Als gilt es, sich auf die Erwartungen der jungen und nicht selten heiß umworbenen Mitarbeiter einzustellen - jedoch ohne die eigenen Erwartungen, die zur Zielerreichung nötig sind, aufzugeben. (OE)