Standort Bayern gefährdet

Windcloud - Windkraft für die Cloud statt #10H-Gesetz

10.05.2016 von Peter Müller
Kommt der Strom aus regenerativen Quellen nicht zum Verbraucher im Süden, entsteht eben in der Nähe des Windparks neues Business.

Die Regelung mag unsinnig sein, sie ist aber verfassungskonform: Der Freistaat Bayern darf den Bau von Windrädern verbieten, die näher an der nächsten Besiedlung als ihre 10-fache Höhe stehen. Da sich die Regierung in München auch heftig gegen Leitungen wehrt, die vor allem in elektrischen Strom gewandelte Windenergie von der Küste in die Industrieregionen im Süden transportiert ("2 minus x"), findet die Energiewende eben wo anders statt. Dem Industriestandort Bayern ginge dann aber der Saft aus: Mag sein, dass die in der Zukunft erfolgreichen Industrien sich dort ansiedeln, wo die Energie von der Natur mehr oder minder gratis angeliefert wird und sie nur kurze Wege nehmen muss, um dort anzukommen, wo sie gebraucht wird.

Windkraft

Grünes Rechenzentrum an der Küste

In diese Richtung geht das Konzept des Startups Windcloud aus Braderup in Schleswig-Holstein. Das Rechenzentrum ist direkt neben einem Windpark an der Nordseeküste platziert und erhält so seine Stromversorgung. Auch für den Vertrieb gehen die Anbieter neue Wege und haben eine Crowdselling-Kampagne bei Startnext aufgesetzt, mit der sie innerhalb von 40 Tagen 100.000 Euro Umsatz erlösen wollen. An Leistungen bietet Windcloud unterschiedliche Pakete, wie verschlüsselte Cloud-Speicher oder virtuelle Maschinen. Vorwiegend richtet sich der Anbieter an kleine und mittlere Unternehmen, aber auch an IT-Systemhäuser, die ihren Kunden Cloud-Lösungen verkaufen wollen. Da die Server in Deutschland stehen, gilt auch ein strengeres Datenschutzrecht als etwa in den USA, auch das mag ein Argument für skeptische Kunden sein. Für die Anbindung an das Internet versprechen die Betreiber dank Glasfasertechnologie hohe Geschwindigkeiten. Anscheinend ist Schleswig-Holstein auch beim Thema Breitbandausbau besser aufgestellt als Bayern... Die von Windcloud eingesetzten Server setzen auf ARM-basierte CPUs und OmniCloud. VPN und HTTPS sind selbstverständlich Standard, der Betreiber verspricht sichere Verschlüsselung der Daten.

Das Rechenzentrum im Entwurf.
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Günstiger Preis, großzügiger Puffer

Das Rechenzentrum von Windcloud bezieht zwar vorwiegend aus den an der Nordseeküste häufig wehenden Winden seine Energie, aber auch von einer benachbarten Biogasanlage - eine ebenfalls regenerative Quelle. Ein Pufferspeicher mit einer Ladekapazität von 3,4 MWh soll mögliche Flauten überbrücken helfen – bei Windstille fällt also nicht gleich der Server aus. Die Anlage geht zunächst mit einer Leistungsaufnahme von 100 kW in Betrieb, eine Ausbaustufe auf 1 MW ist bis September geplant. Für den Strom errechnet Windcloud einen Preis von 9 Cent pro Kilowattstunde, vergleichbare Anlagen mit herkömmlicher Energieversorgung würden 22 Cent für eine Kilowattstunde aufwenden müssen.

Der Pufferspeicher sollte auch drei Tage komplette Flaute überbrücken helfen.
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Apples grüne iCloud

Wie der Windcloud-CEO Karl Rabe vorrechnet, würden "schon heute drei Prozent des weltweiten Energieverbrauchs von Rechenzentren genutzt und der Bedarf nimmt weiter zu". Umso wichtiger also, dass Clouddienste keinen große CO 2-Fußabdruck hinterlassen. Hier geht Apple bereits mit gutem Beispiel voran. So bezieht der Mac-Hersteller etwa die Energie seiner Anlagen in North Carolina oder Arizona aus eigenen Kraftwerken – mangels zuverlässiger Winde vor Ort speisen sich diese aus Solarenergie. In Europa hat Apple Rechenzentren an der irischen Westküste (auch sehr windig dort) und in Dänemark geplant. Längst lobt auch Greenpeace Apple für seine Energiepolitik und kritisiert andere Anbieter, die noch auf Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken setzen.