Hausmesse in München

"Die Fujitsu-Cloud ist NSA-free"

16.11.2016 von Heinrich Vaske
Zum Start des „Fujitsu Forum 2016“ hat der IT-Konzern einen strategischen Ausblick gegeben. Fujitsu wolle sich auf die "Fast IT" konzentrieren, sagte Zentraleuropa-Chef Rolf Werner. Vorsichtig äußerte er sich zu den derzeit geführten Verhandlungen mit Lenovo, in denen es um die Zukunft der PC-Sparte geht.

Nachdem Anfang Oktober 2016 Medien berichtet hatten, ein Verkauf von Fujitsus PC-Sparte an Lenovo stehe bevor, sahen sich die Geschäftsführungen beider Konzerne gemüßigt, die Dinge etwas klarer zu stellen. Am 27. Oktober schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung, derzeit werde untersucht, inwieweit eine strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Design sowie Herstellung von PCs für den Weltmarkt sinnvoll sei (siehe auch: Lenovo und Fujitsu planen Joint Venture). "Details der Zusammenarbeit sind gegenwärtig noch in der Diskussion", so die Verhandlungspartner.

Fujitsu-Managerin Schneevoigt: Noch keine Details

Daran hat sich bis heute offenbar nichts geändert. Vera Schneevoigt, verantwortlich für das Produktgeschäft und Leiterin des Augsburger Werks, sagte vor der Presse: "Details gibt es noch nicht". Unstrittig sei aber, dass die Kunden weiter ihre Fujitsu-PCs in der gewohnten Qualität erhalten würden, der After-Sales-Support unverändert bleibe und auch am Channel-Netzwerk nicht gerüttelt werde. Schneevoigt machte aber auch kein Hehl daraus, dass der Wettbewerbsdruck im Geschäft mit Desktops, Notebooks und Peripheriegeräten unverändert hoch sei und es Sinn geben könne, die Kräfte mit einem starken Partner zu bündeln.

Vera Schneevoigt, Leiterin der Augsburger PC-Produktion bei Fujitsu, sagte zu einer potenziellen Zusammenarbeit mit Lenovo: "Hier wird noch sondiert".

Fujitsu fertigt derzeit seine Desktops, Thin Clients und Workstations in Augsburg. Soll die Effizienz weiter erhöht werden, gilt es vor allem, den Einkauf von Komponenten wirtschaftlicher zu gestalten. "Im Bereich der Endgeräte liegt das Wohl und Wehe für den Geschäftsverlauf im Einkauf", sagte Schneevoigt. Rund 80 Prozent des Preises eines Endgeräts hänge an den Einkaufskonditionen, die restlichen 20 Prozent an anderen Faktoren, allen voran der Produktion. Hier sei man heute in Augsburg konkurrenzfähig aufgestellt, es gebe zudem "vernünftige Vereinbarungen" mit den Gewerkschaften und Betriebsräten. Fujitsu habe von seiner Produktion in Deutschland auch den Vorteil, dass ein Gutteil des Enterprise-Geschäfts mit der Öffentlichen Hand erfolge, wo das Unternehmen schon aus Siemens-Zeiten einen guten Stand habe. In Deutschland zu produzieren schade sicher nicht, wenn man hier weiter Erfolg haben wolle.

Kabelloser Arbeitsplatz vorgestellt

Wie Fujitsu im Desktop-Bereich auch künftig innovativ sein möchte, demonstriert das Unternehmen auf der gegenwärtig stattfindenden Hausmesse in München. Dort ist das Ergebnis eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie weiteren Partnern zu sehen: der komplett kabellose Arbeitsplatz. Fujitsu zeigt einen Schreibtisch, in dem über integrierte Induktionsfelder Rechner und Display, aber auch beispielsweise die Tischleuchte oder das Smartphone mit Strom versorgt werden. Anwender können ihre Arbeitsgeräte beliebig hin- und herräumen. Über im Tisch verbaute Spulenverbände und eine intelligente induktive Strombereitstellung werden die Geräte versorgt.

Clean-Desk-Konzept

Während dieses Projekt noch im Versuchsstadium ist, können Kunden schon heute auf ein "kabelarmes" Modell setzen, das "Clean-Desk-Konzept". Laut Hersteller ist es für die Einrichtung von "Shared-Desk-Umgebungen" ausgerichtet, bei dem Mitarbeiter in einem Bürogebäude immer wieder andere Arbeitsplätze zugewiesen bekommen. Fujitsu ermöglicht eine "gruppenindividuelle" Gestaltung der Arbeitsplätze und hilft sparen, indem hochstandardisierte Komponenten verwendet und die Arbeitsplätz für Shared-Desk-Szenarien optimiert werden. So gibt es mit "Workplace Connect" ein modulares Docking-System, das Stromversorgung sowie Netzwerkanschlüsse integriert. Und ein Arbeitsplatz lässt sich nach getaner Tat mit einem einzigen Knopfdruck stromlos schalten.

Fast IT vs. Robust IT

Zur Strategie des Fujitsu-Konzerns insgesamt äußerte sich Zentraleuropa-Chef Rolf Werner, der erst seit zehn Monaten im Amt ist und zuvor diverse Führungspositionen, unter anderem bei T-Systems innehatte. Fujitsu werde auch künftig Services und Infrastruktur verkaufen, wobei Zweiteres nur dann gut funktioniere, wenn das Geschäft mit den Dienstleistungen rund laufe. Deshalb werde sich Fujitsu hier verstärkt den Themen der "Fast IT" widmen: Es geht also um aktuelle Trends wie Cloud Computing, Analytics, Artificial Intelligence, Internet of Things (IoT) etc. Die Kunden wollten weg von ihren teils lähmenden Legacy-Welten ("Robust IT") und hin zu einer dynamischen IT, die kundennahe Projekte schnell umsetzen könne.

Wachstum wird im Bereich der "Fast IT" erzielt, sagte Rolf Werner, Geschäftsführer Fujitsu Zentraleuropa. Sein Unternehmen forciere hier seine Anstrengungen.
Foto: Fujitsu

Chancen gebe es für Fujitsu diesbezüglich in Deutschland genug, da das Interesse an Hybrid-Cloud-Szenarien groß sei. "Kritische Daten möchten die meisten Kunden im Unternehmen halten", so Werner, gleichzeitig wollten sie aber flexibel in eine Fast-IT-Landschaft übergehen. Dabei spiele IT-Sicherheit eine Schlüsselrolle.

Cyber-Sicherheit wird zu einem Schlüsselthema

Fujitsu kündigte deshalb einen neuen Cybersecurity-Geschäftsbereich für Europa, den Nahen Osten, Indien und Afrika (EMEIA) an und bietet nun unter der Marke "SURIENT" ein Portfolio an Sicherheitsprodukten an. Ein erstes Modul ist "SURIENT MRS", das Racks vor unbefugtem physischen Zugriff schützen soll. Fujitsu spricht von einer "Managed-Rack-Lösung", die biometrische Authentifizierung bietet, um den Zugang zu geschäftskritischen Systemen zu schützen.

Spätstart in die Cloud

Im Cloud-Markt, so räumte Werner ein, sei man spät dran. Doch mit dem quelloffenen, OpenStack-basierenden "K5"-Angebot sehe man sich in der Lage, den "Vorsprung der anderen wieder aufzuholen". Fujitsu will hier mit Public- und Virtual-Private-Cloud-Angeboten den Marktführern Amazon und Microsoft den Kampf ansagen - auch bei den Preisen. Zudem könne K5 auch als Private-Cloud-Lösung genutzt werden, entweder im Rechenzentrum von Fujitsu oder on Premise beim Kunden. In Deutschland soll das Angebot im März 2017 ausgerollt werden, in Japan und Großbritannien ist es schon verfügbar.

Wie Werner ausführte, gibt es schon heute ein Cloud-Rechenzentrum am alten TDS-Standort in Neckarsulm, ein zweites solle in Frankfurt am Main folgen. Der große Vorteil, den Fujitsu gegenüber dem Wettbewerb habe, sei der hohe Sicherheitslevel: "Wir werden von unseren Kunden NSA-free gesehen", so Werner. Zudem könne man nicht nur die Cloud-Lösung, sondern über das große Partnernetz auch den reibungslosen Umzug in die Cloud garantieren. Das könne AWS nicht.

Ran an die vertikalen Märkte

Der Fujitsu-Chef stellte generell in Aussicht, dass mit dem Fokus auf Fast-IT eine viel intensivere Annäherung an vertikale Märkte einhergehen werde. "Wir müssen uns viel mehr mit den Geschäftsmodellen und Anforderungen der Kunden beschäftigen", so Werner, es reiche künftig nicht mehr aus, Technologien zu entwickeln und zu "pushen". Entsprechend wolle man mehr Kooperationen mit Partnern eingehen, die nahe an den Geschäftsmodellen der Kunden seien. Nicht nur die Kundenanforderungen änderten sich, auch die Ansprechpartner in den Unternehmen, die heute vielfach aus den Fachbereichen kämen und zunehmend über IT-Budgets verfügten.

Deutchlands beste Systemhäuser von Fujitsu

Zu feierlichen Abschlus des ersten Tages des Fujitsu Forums hat der Hersteller seine besten Partner in Deutschland ausgezeichnet: Bechtle, SVA Systemvertrieb Alexander und das Systemhaus Cramer.