Notebooksbilliger.de-Chef Arnd von Wedemeyer

Die Umsatz-Milliarde im Visier

15.03.2017 von Matthias Hell
Um 20 Prozent konnte Notebooksbilliger.de seinen Umsatz 2016 auf 885 Millionen Euro steigern. Nun lockt die Umsatz-Milliarde. Im Gespräch sinniert Firmenchef Arnd von Wedemeyer über das Drehen an den richtigen Stellschrauben - und über mögliche Übernahmen.
Notebooksbilliger.de-Chef Arnd von Wedemeyer blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück
Foto: notebooksbilliger.de

Das Klischee vom Online-Disruptor, der ständig auf der Suche nach neuen Handelsinnovationen ist, unterläuft Notebooksbilliger.de eigentlich seit der Gründung. Revolutionär waren zwar die Wachstumszahlen, mit denen sich der Online-Händler innerhalb nur eines Jahrzehnts unter die größten IT-Händler Deutschland vorarbeitete. Doch die unternehmerischen Mittel, mit denen dies erreicht wurde, waren erstaunlich bodenständig: das Wachstum wurde lange aus eigener Kraft bewerkstelligt, stets waren Margen wichtiger als der Zugewinn von Marktanteilen um jeden Preis und neue Investitionen, wie die mittlerweile vier stationären Stores des Elektronikversenders, wurden nur in Angriff genommen, wenn sich diese auch betriebswirtschaftlich rechneten.

Diese Solidität strahlt auch Firmenchef Arnd von Wedemeyer aus beim Interview in einem Café im Münchner Süden, wo der Unternehmer seit einigen Jahren zuhause ist. "Es gibt wenig Neues", erklärt der Notebooksbilliger-Gründer, "wir sind noch immer der Richtung treu, die wir uns vor einigen Jahren vorgegeben haben: Wir wollen für unsere Kunden der beste Fachhändler sein, der eben ‚zufällig’ online ist. Damit fahren wir sehr gut." Wie gut, das zeigt die Umsatzentwicklung des Online-Händlers. Während Wedemeyer vor zehn Jahren noch Quartalsumsätze herausposaunte und sich damit ein sportliches Schaulaufen mit Konkurrenten wie Home of Hardware lieferte, braucht es inzwischen mehrere Nachfragen, bis der Notebooksbilliger-Chef mit den Umsatzzahlen für das zurückliegende Jahr herausrückt. 885 Millionen Euro seien es gewesen, die man 2016 brutto umgesetzt habe, erklärt Wedemeyer schließlich - rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Notebooksbilliger.de nähert sich der Umsatzmilliarde
Foto: Notebooksbilliger

Wann wird die Milliarde geknackt?

Der vierte Platz als umsatzstärkster Online-Händler hinter Amazon.de, Otto und Zalando dürfte Notebooksbilliger.de damit auch weiter sicher sein. Doch lockt nun die Magie der großen Zahl - der Umsatzmilliarde. Sein Pokerface lässt sich Arnd von Wedemeyer dabei allerdings zunächst nicht nehmen: "Es ist nicht so, dass wir nun um jeden Preis die Ware raushauen werden." Derzeit beobachte man in vielen Segmenten Preiserhöhungen u.a. bei RAM, SSD und Panels sowie Währungseffekte. Das könne dazu führen, dass sich die Käufer erst einmal zurückhielten und dass Notebooksbilliger.de deshalb auch im laufenden Jahr noch unter der Marke von einer Milliarde Euro bleibe. Doch dann gibt der Firmenchef doch zu: "Natürlich reizt die Milliarde. Und ja, es kann durchaus sein, dass wir diese Schwelle in diesem Jahr knacken."

Strategisch spannender ist die Frage, mit welchen Mitteln Notebooksbilliger.de das Wachstum weiter vorantreiben will, um das Ziel der Umsatzmilliarde zu erreichen. Wer dabei auf große Neuerungen oder auf aufwändige Werbekampagnen tippt, liegt falsch. Vielmehr will Arnd von Wedemeyer den in den letzten Jahren eingeschlagenen Kurs der Detail-Optimierungen fortführen. "Es mag vielleicht sein, dass das von außen so aussieht, als würden wir nur an einzelnen Stellschrauben drehen. Aber wenn eine solche Stellschraube gleich Mehreinnahmen von 30 Millionen pro Jahr bedeutet, macht das auch absolut Sinn."

Wichtige Stellschrauben: Services und Sortiment

Zu diesen Optimierungen gehört zum einen die Kundenbetreuung. Dabei setzt Notebooksbilliger.de zum einen auf relevanten Content und Beratung, um den Kunden die Kaufentscheidung zu erleichtern. "Für die Mehrheit der Kunden sind Services aber noch relevanter als Beratung", erklärt Wedemeyer. Wenn man zum Beispiel eine garantierte schnelle Reparatur oder eine längere Rückgabefrist bieten könne, seien das Aspekte, mit denen man sich gut vom Wettbewerb differenzieren könne. Hilfreich ist für Notebooksbilliger.de dabei das 2015 begonnene Premiumprogramm. Inzwischen hat der Online-Händler vier Hersteller zu Premiumpartnern erkoren und arbeitet gemeinsam mit diesen daran, den Kunden ein überdurchschnittliches Einkaufserlebnis zu bieten. "Den Stellenwert dieser Partnerschaften sieht man beispielsweise daran, dass wir für die Beratung zu HP - einen unserer Premiumpartner - rund zehn Prozent unserer Callcenter-Mitarbeiter bereitgestellt haben." Im Gegenzug würden die Industriepartner diese starke Commitment auch entsprechend honorieren.

Kann gut mit der Industrie: Arnd von Wedemeyer bei einem gemeinsamen Produktlaunch mit Microsoft

Ein weiteres Optimierungsthema ist bei Notebooksbilliger.de das Sortiment. Während Arnd von Wedemeyer noch vor einigen Jahren erklärte, dass es in seinem Onlineshop inzwischen alles zu kaufen gebe, "was einen Stecker hat und in eine Steckdose passt", berichtet der Unternehmensgründer nun von bewussten Schwerpunktsetzungen. "Wir haben im letzten Jahren Segmente abgeschaltet, die für uns keinen Sinn machten wie zum Beispiel Weiße-Ware-Kleingeräte. Was dagegen gut bei uns läuft, sind Produkte, die für Kunden ein Invest darstellen und über die sie sich vorher intensiv informieren. Dann merken sie, welche Kompetenz es bei Notebooksbilliger.de gibt." Neben Weiße-Ware-Großgeräten zählen Displays und klassische PCs zu den Segmenten, auf die sich der Elektronikversender derzeit fokussiert. Das Herz des Unternehmens liege weiterhin im Notebookbereich: "Wir haben mehr als 1.000 Konfigurationen auf Lager. Das gibt es offline nirgends. Wenn ein Kunde die komplette Auswahl will, kann er deshalb nur online bei uns kaufen", erklärt Wedemeyer. Wenig Bedeutung misst der Notebooksbilliger-Chef weiterhin dem Bereich Internet of Things zu: Dort tue sich bisher weniger, als man erwartet habe.

Mehr Umsätze durch Stores - und Auslandsexpansion?

Ein Bereich, in dem Notebooksbilliger.de gezielt auf die Suche nach zusätzlichen Umsätzen ging, ist das stationäre Geschäft. Zwar geht das Unternehmen dabei sehr vorsichtig vor und eröffnet ausschließlich Flächen, die in ihrer Charakteristik (nicht zu teuer, nicht zu groß, mit großem Einzugsgebiet, verkehrsgünstig) eine schnelle Rentabilität versprechen. Doch sind es immerhin vier stationäre Stores, die der Online-Händler inzwischen betreibt. Noch vor dem Münchner Ladengeschäft - dessen Jahresumsatz Arnd von Wedemeyer bereits vor vier Jahren mit 25 Millionen Euro bezifferte - sei der Store in Hannover-Laatzen der umsatzstärkste. Beim Geschäft in Düsseldorf hätten sich die Umsätze verdoppelt, seitdem man sein Recht durchgesetzt habe, eine Leuchtreklame zu installieren. Der im Herbst 2016 eröffnete Store in Hamburg sei gut angelaufen, habe aber noch einiges Potenzial nach oben. Ganz gegen den Trend bei Media-Saturn und Co. fungierten die Stores von Notebooksbilliger.de dabei nicht als verlängerte Abholrampe: "Das Umsatzwachstum bei den Nicht-Abholern ist deutlich größer als das bei den Abholern", berichtet Wedemeyer.

Das Geschäft am Lagerstandort in Hannover-Laatzen ist der umsatzstärkste Store von Notebooksbilliger.de
Foto: Notebooksbilliger.de

Dann berichtet der Notebooksbilliger-Gründer über eine weitere Option zur Ausweitung des Geschäfts: Die in der Vergangenheit bereits angedachte Auslandsexpansion soll künftig mit höherem Stellenwert angegangen werden. Dabei denkt Arnd von Wedemeyer aber nur in zweiter Linie an die Eröffnung eigener Auslandsgesellschaften: "Die Expansion ins Ausland muss nicht organisch geschehen. Es gibt eine Reihe von Ländern, wo die Online-Kultur gut passen würde." Dazu zählten die Benelux-Staaten, Polen, Tschechien sowie Teile von Skandinavien. "Hier schauen wir aktiv nach möglichen Kaufkandidaten." Eine Übernahme könne durchaus kurzfristig geschehen. Er glaube daran, dass die Market Shares verteilt seien und dass es dort, wo es gute Player gebe, mehr Sinn mache, zuzukaufen als jahrelang zu versuchen dagegen anzukämpfen, erklärt Wedemeyer. "Und der Nachzügler aus dem Ausland ist zunächst derjenige, der sowohl von Industrie Seite als auch von Kunden Seite zu Recht argwöhnisch beäugt wird." In Deutschland mache ein Zukauf im Online-Segment dagegen keinen Sinn, stellt der Firmenchef klar: "Es gibt keinen Kaufkandidaten, der einen Mehrwert für Notebooksbilliger.de bieten würde, der über den nackten Mehrumsatz hinausgeht." (mh)