Interessenkonflikt beim Xerox-Chef?

Großaktionäre blockieren Neuaufstellung von Fuji Xerox vorerst

30.04.2018 von Peter Marwan
Ein US-Gericht hat den Verkauf von Xerox an Fujifilm auf Eis gelegt. Geklagt hatten die Investoren Carl Icahn und Darwin Deason, die gemeinsam 15 Prozent der Xerox-Anteile halten. Sie wollen das Gemeinschaftsunternehmen lieber auflösen.

Die geplante Neuordnung des Verhältnisses zwischen Fujifilm und Xerox sowie dem seit 1962 bestehenden Joint-Venture Fuji Xerox könnte an den Interessen der Großaktionäre Carl Icahn und Darwin Deason scheitern. Wie unter anderem Reuters berichtet, haben sich die beiden bei einem US-Gericht mit einer einstweiligen Verfügung dagegen durchgesetzt, dass Xerox vollständig in das bestehende Gemeinschaftsunternehmen Fuji Xerox eingebracht wird.

Der Richter begründete seine Entscheidung auch damit, dass es Hinweise darauf gebe, Xerox-Chef Jeffrey Jacobson habe in eigenem Interesse und nicht dem der Aktionäre mit Fujifilm zusammengearbeitet, um sich seinen Posten zu sichern. Die Entscheidung fiel nur einen Tag, nachdem die beiden Firmen eine neue Verhandlungsrunde eingeleitet hatten, in der die Bedingungen der Transaktion noch einmal überprüft werden sollten.

Die Produktionsstätte des Joint Ventures Fuji Xerox in Suzuka.
Foto: Courtesy of Fuji Xerox Co., Ltd

Die Transaktion muss nun bis zur Entscheidung über die Klage der beiden Investoren ausgesetzt werden. Xerox will die einstweilige Verfügung anfechten. Auch Fujifilm prüft diese Möglichkeit.

Bisher hält Fujifilm 75 Prozent und Xerox 25 Prozent am Joint Venture Fuji Xerox. Im Januar hatten Fujifilm und Xerox angekündigt, dass Xerox die 75 Prozent von Fujifilm übernehmen und im Gegenzug Fujifilm mit 50,1 Prozent die Mehrheit an Xerox erwerben soll. Xerox würde dem Plan zufolge mit der Transaktion den Namen ändern. So entstünde ein neues Unternehmen "Fuji Xerox". Die Markennamen Fuji Xerox und Xerox sollen aber in den jeweiligen Vertriebsregionen wie bisher verwendet werden.

Die Struktur von Fuji Xerox vor und nach der Integration.
Foto: Fuji Xerox

Die Investoren Icahn und Deason besitzen zusammen 15 Prozent der Xerox-Aktien. Sie fordern schon länger, das Gemeinschaftsunternehmen mit Fujifilm aufzulösen und das Xerox-Management auszuwechseln. Im Zuge der geplanten Transaktion wird ihnen zufolge Xerox zu niedrig bewertet. Dem hatte Xerox bereits im März seine Auflistung der erwarteten Vorteile durch den geplanten Umbau entgegengestellt.

Nach der aktuellen Gerichtsentscheidung dürfen die beiden Großinvestoren nun aber auch wieder von ihnen favorisierte Kandidaten für den Verwaltungsrat vorschlagen. Sofern sie die Unterstützung anderer Aktionäre gewinnen, könnten sie dann die Kontrolle über Xerox erlangen und ihre Pläne durchsetzen.

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