Chance oder Herausforderung für den IT-Channel?

Office 365 & Co - Made in Germany

30.11.2015 von Axel Oppermann
Microsoft hat am 11. November angekündigt, ab dem zweiten Halbjahr 2016 nach und nach die Cloud-Services Azure, Office 365 und CRM-Online aus deutschen Rechenzentren heraus bereitzustellen. Mit im Boot ist die Deutsche Telekom – unter anderem als Datentreuhänder. Für einige Partner bieten sich Chancen – andere bekommen einen neuen Herausforderer.
 
  • Office 365 wird auf Wunsch nur aus Deutschland geliefert
  • Microsoft hat keinen Zugang zu Kundendaten
  • Was Microsoft-Partner jetzt tun sollten
  • Geschäftsoptionen rund um die aus Deutschland heraus bereitgestellten Cloud-Services

Im engen Schulterschluss mit der Deutschen Telekom bringt Microsoft im zweiten Halbjahr 2016 Azure, Office 365 und CRM-Online in deutsche Rechenzentren. Ziel von Microsoft ist es, insbesondere deutsche Unternehmen für die eigenen Cloud-Services zu gewinnen. Im Fokus stehen Unternehmen, die sich bisher aus Datenschutzgründen nicht für die Services begeistern konnten - egal ob die Bedenken ein tatsächlicher Einwand waren oder nur als Vorwand dienten.

Microsoft-CEO Satya Nadella kündigt in Berlin Cloud-Dienste aus deutschen Rechenzentren an. „Die neuen Dienste treiben lokale Innovationen und Wachstum voran und bieten Kunden mehr Wahlmöglichkeiten“, so Nadella vor Wirtschaftspartnern und Gründern aus dem Microsoft Ventures Accelerator – der deutschen Startup-Schmiede von Microsoft.
Foto: Microsoft

Die Standorte Frankfurt und Magdeburg sind das geografische Rückgrat für die Dienste. Die Bereitstellung dieser erfolgt nicht durch Microsoft selbst, sondern durch einen deutschen Dienstleister, genauer gesagt einen Datentreuhänder. Dieses Treuhänder-Modell sorgt dafür, dass die erforderlichen Daten in Deutschland bleiben. Als Betreiber - respektive Treuhänder - greift Microsoft auf die Deutsche Telekom zurück

Bei diesem Modell haben Microsoft-Mitarbeiter keinen (direkten) Zugriff auf die Systeme. Die technische und physische Kontrolle und damit auch die alleinigen Zugriffsrechte übernimmt die Deutsche Telekom. Das bedeutet auch, dass die Instanzen aus Deutschland nicht an Microsofts weltweites wachsendes Netzwerk aus eigenen Datencentern für Office 365 und Azure angeschlossen und somit auch nicht Bestandteil der sogenannten "intelligenten Cloud" sind. Durch dieses Modell wird die Skalierung, ein zentrales Element der Cloud, stark beschnitten.

Wie kann der IT-Channel davon profitieren?

Zunächst können diejenigen Microsoft-Partner von der neuen Strategie profitieren, die bisher schon im Microsoft-Cloud-Geschäft aktiv sind. Sie bekommen eine zusätzliche Sourcing-Quelle. Partner, die am CSP-Programm teilnehmen, werden in der Lage sein, ihren Kunden die Services über diese strategische Initiative - über dieses Konstrukt - anzubieten. Der Bezug erfolgt über eigenständige SKUs.

Neben dem eigentlich spaßbefreiten Verkauf der Dienste können eigenständige Services rings um Azure, Office 365 und CRM-Online gebaut werden. Das Spektrum des Möglichen reicht dabei von Lösungen, die über den Azure Marketplace bezogen werden, bis hin zu ganzheitlichen Lösungen. Systemhäuser und Integratoren können sich relativ schnell - im Vergleich zum Aufbau eines eigenen Rechenzentrums - ein virtuelles Cloud-Service-Center bzw. Modell aufbauen.

Interessant für Partner wird es insbesondere dann, wenn sinnstiftende Managed Services mit mehrwertstiftenden Bereitstellungskonzepten und Intellectual Property (IP) - "Packaged" Produkte oder Services auf Basis der Plattform angeboten werden. So können alleine im Bereich "Speichern und Verarbeiten von Daten" durch ein mehrstufiges Modell Bedürfnisse adressiert und Preisbereitschaften abgegriffen werden.

Was glauben Microsoft-Partner, wie das Thema am Markt ankommt?

ChannelPartner und Avispador haben Microsoft-Partner in einer aktuellen Studie über ihre Meinung zu einem solchen Rechenzentrum - zu den aus Deutschland heraus bereitgestellten Microsoft-Cloud-Services befragt. Dabei ist das Spektrum so breit, wie die Partnerlandschaft. So schätzen zahlreiche Partner den Schritt als richtig und wichtig ein: "Brauchen wir", "guter Ansatz" oder "sehr positiv" sind nur einige Aussagen.

Aber insbesondere Partner, die in der Vergangenheit auf eigene Lösungen und Services gesetzt haben, stehen der Sache eher kritisch gegenüber. "Da wir selbst solche Rechenzentren in Deutschland betreiben, halte ich nicht viel davon" antwortet beispielsweise ein Partner. Andere sind der Meinung "brauchen wir nicht" oder "wird nichts bringen".

In einem anderen Bereich sind sich die Partner aber nahezu einig: Dem Preis, den der Kunde bereit ist zu zahlen - bzw. dem Aufschlag, den man selbst bereit sei zu bezahlen, wenn die Services aus Deutschland heraus angeboten werden. So geben knapp 65 Prozent der Befragten an, dass sie nicht bereit wären, einen Aufschlag zu bezahlen. Lediglich 18 Prozent sind bereit, bis zu 10 Prozent Aufpreis für den Mehrwertdienst aus Deutschland heraus aufzubringen.

Auch die Motivation bei ihren Kunden, tiefer in die Tasche zu greifen, schätzen die Microsoft-Partner als sehr gering ein. So sind 52 Prozent der Befragten der Meinung, dass Kunden nicht gewillt seien, einen Mehrpreis zu bezahlen. Darüber hinaus sind lediglich knappe sieben Prozent der Überzeugung, dass die Kunden generell bereit sind, mehr als 20 Prozent Aufschlag zu berappen.

Wer wird wohl nicht profitieren?

Verlierer werden Partner sein, die in den vergangenen Monaten und Jahren eigene RZ-Kapazitäten auf Basis von Microsoft-Technologien aufgebaut haben; die Office-365-Lookalike-Lösungen etabliert oder verstärkt auf das Azure Pack gesetzt haben.

Was sollten Microsoft Partner jetzt tun?

Für Microsoft-Partner, die kein eigenes RZ haben oder nicht als Hoster - bzw. virtueller Hoster - auftreten, ergibt sich eine Vielzahl von Geschäftsoptionen rund um die aus Deutschland heraus bereitgestellten Cloud-Services. Die Anzahl an grundsätzlich adressierbaren Kunden, deren primäres Hemmnis der Datenschutz war/ist, erhöht sich stark. Ferner können sich Vertriebsgespräche auf einer sachlicheren Ebene bewegen. Der größte Mehrwert kann dann erzielt werden, wenn ganzheitliche sinnstiftende Services und Lösungen angeboten werden. Eine Umetikettierung der vorhandenen Leistungen wird nur bedingt reichen. Ziel muss es sein, Preisbereitschaften bei den Kunden zu ermitteln und durch Services abzugreifen. (rw)

Weiteres Material (Podcast):

Microsoft bringt 0ffice 365, Windows Azure und CRM online in ein Rechenzentrum in Ihrer Nähe (Podcast)