Gerüchte über Minderheitsbeteiligung

Plant MSH-Gründer Kellerhals die GetGoods-Übernahme?

23.03.2013
Nachdem sich um den Onlinehändler GetGoods bereits seit längerem Übernahmegerüchte halten, hat Firmenchef Markus Rockstädt-Mies den Spekulationen in dieser Woche neuen Auftrieb verliehen.
Sieht so ein GetGoods-Aktionär aus? Laut Wirtschaftswoche hat Erich Kellerhals 22 Prozent an dem schillernden Elektronikversender übernommen.

Nachdem sich um den Online-Händler GetGoods bereits seit längerem Übernahmegerüchte halten, hat Firmenchef Markus Rockstädt-Mies den Spekulationen in dieser Woche neuen Auftrieb verliehen: Die Ende 2012 ausgegebenen vier Millionen neuen Aktien seien an einen strategischen Investor gegangen, der auf Grund einer Geheimhaltungsvereinbarung allerdings noch nicht publik gemacht werden dürfe.

Die Wirtschaftswoche glaubt den Namen des geheimnisvollen Investors nun zu kennen: Wie das Fachblatt in seiner Online-Ausgabe berichtet, soll es sich dabei um Media-Saturn-Gründer Erich Kellerhals handeln. Das habe die WiWo von "Wettbewerbern im Elektronikhandel" erfahren. Kellerhals würde demzufolge einen Minderheitsanteil von rund 22 Prozent an GetGoods kontrollieren.

Vor dem Hintergrund der (Un-)Logik des fortlaufenden Streits zwischen Kellerhals und dem MSH-Mehrheitseigner Metro würde ein Einstieg des Firmengründers bei dem Elektronikversender durchaus Sinn ergeben. So beschwerte sich Kellerhals in einem Interview mit dem Manager Magazin im November 2011 über die mangelnde Investitionsfreude der Metro und berichtete, der Handelskonzern habe einen bereits in die Wege geleiteten E-Commerce-Zukauf für Media-Saturn mit einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro vereitelt. Aufmerksamen Beobachtern fiel schnell auf, dass es sich bei dem Betrag um exakt die gleiche Summe handelte, die sich GetGoods im Herbst 2012 mit einer Anleihe auf dem Kapitalmarkt besorgt hat und dass es bereits zuvor Berichte über eine bevorstehende Übernahme von GetGoods durch Media-Saturn gab.

Ohnehin scheinen die durch die fortlaufende Auseinandersetzung um Einflussrechte entnervten Streitparteien Kellerhals und Metro zunehmend zu Alleingängen bereit: So berichtete gerade erst die Lebensmittelzeitung, die Metro-Geschäftsführung plane, durch Umbauten in der Führungsstruktur der MSH den Einfluss von Kellerhals weiter zu reduzieren. Im Gegenzug hatte Kellerhals noch vor einer gemeinsamen Entscheidung einseitig von der China-Expansion von Media Markt Abstand genommen.

Sollten die Gerüchte um den Einstieg von Kellerhals' Investment-Firma Convergenta bei GetGoods stimmen, stellt sich die spannende Frage, was der MSH-Gründer damit bezweckt: Geht es um die eigeninitiative Anbahnung einer weiteren Online-Übernahme für Media-Saturn, um die Stellung des Retailers im E-Commerce-Geschäft zu stärken? Oder hat sich Kellerhals bereits innerlich von dem von ihm gegründeten Konzern verabschiedet und plant den Aufbau eines schlagkräftigen Online-Konkurrenten?

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Auch GetGoods plant angeblich Übernahme

Um das vorherrschende Wirrwarr der Gerüchte und Spekulationen zu vervollkommnen, gibt es schließlich auch um GetGoods noch einige Ungereimtheiten: So erklärte Firmenchef Rockstädt-Mies bei der Telefonkonferenz zur Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen für 2012, der Online-Händler habe bereits seinerseits eine Absichtserklärung über den Kauf eines Wettbewerbers unterschrieben. Desweiteren gehe die anhaltende Kursschwäche des börsennotierten Elektronikversenders nicht auf eine wirtschaftliche Schwäche zurück, sondern sei von einem "strategischen Verkäufer aus dem Wettbewerbsumfeld" bewusst verursacht.

Sein Unternehmen sieht der Firmenchef weiterhin auf Wachstumskurs: Nachdem noch am vergangenen Montag für 2013 eine Umsatzsteigerung von 402 Millionen Euro auf 480 Millionen Euro in Aussicht gestellt wurde, geht Rockstädt-Mies inzwischen davon aus, die Umsatzschwelle von 500 Millionen erreichen zu können. In fünf Jahren liege sogar die Umsatzmilliarde in greifbarer Nähe, so die abenteuerliche Prognose des GetGoods-Chefs. (mh)