Vierte "Cisco Expo"

Netzwerkriese Cisco zeigt seine starke Seite

05.05.2009
Trotz Rezession konnte Cisco rekordverdächtige 3.500 Teilnehmer auf seine Partner- und Kundenmesse "Cisco Expo" lotsen. Die Botschaft in Hannover war eindeutig: Wir setzen uns an die Spitze der Virtualisierungs- und Kommunikationsbewegung.
Das Auftaktkonzert auf der Cisco Expo überraschte die Zuschauer: Über Videokonferenz zugeschaltete Opernsänger hatte es bei einem Konzert noch nicht gesehen.

Die Frage, inwieweit der Erfolg einer Hausveranstaltung von der Menge der Besucher bestimmt wird, konnte Netzwerker Cisco auf seiner Hausmesse "Cisco Expo" eindeutig beantworten. Rund 3.000 Teilnehmer bevölkerten zwei Tage lang Hannovers ehrwürdigen "Congress Center" (HCC), begleitet, umgeben und angeleitet von rund 500 dauerbeschäftigten Cisco-Mitarbeitern.

Darüber zeigte sich der Netzwerker selbst überrascht: Mit so vielen hatte er nicht gerechnet, nachdem zwei Wochen vor Beginn die Buchungsrate erst zwei Drittel der vorjährigen Teilnehmerzahl erwarten lies. Doch man habe sich mächtig ins Zeug gelegt, sagte ein Cisco-.Mitarbeiter - und damit meinte er, dass zuletzt eine Hundertschaft von Key Account-Mitarbeitern mit der Akquisition von Kunden beschäftigt waren.

Doch sosehr Cisco mit sanftem Druck der Teilnehmerzahl nachhalf, sosehr, darin waren sich viele Teilnehmer einig, veranlasste auch die gegenwärtige Krise die Gekommenen, den engen Schulterschluss mit dem unangefochten Marktführer von Netzwerkkomponenten zu üben. Lapidar formulierte ein Teilnehmer: "In der Krise ist Orientierung angesagt."

Die versuchte Cisco auf seine Weise zu geben. Am ersten Tag, nach der Eröffnung mit Sängern, die qua Videokonferenz ein Orchester in Echtzeit begleiteten und Cisco Deutschland-Chef Michael Ganser zu Lobeshymnen hinriss, mit dem weitgefächerten Thema "Unified Communications", am zweiten Tag mit dem Hype-Thema "Unified Computing System", wobei der Netzwerker dafür vor allem die Partner VMware und EMC sowie Intel und BMC aufbot.

Unified Communication

Wie auch im Vorjahr stellte Cisco Neues zur Videokonferenzlösung "Telepresence" vor. So hat das Unternehmen die Konferenzlösung um das Angebot "Telepresence 1300" erweitert, womit jetzt auch ein Mehrplatzsystem für bis zu sechs Teilnehmer zur Verfügung steht, das in "jedem Konferenzraum" installiert werden könne, so Cisco. Und nachdem dieses System auch mit anderen HD-Videokonferenzsystemen kompatibel ist und zudem dank reduzierbarer Bildschirm-Auflösung (1080p auf 720p) auch über IP-Netze mit niedrigerer Bandbreite eingesetzt werden kann, verspricht sich Cisco eine rasche Verbreitung seiner Lösung. Eine Ansicht, die einige Systemhaus-Partner in Hannover teilten.

Des Weiteren demonstrierte der Netzwerker die Integration der Web-Meeting-Lösung "Webex"in das System. So können Anwender aus einem Webex-Meeting heraus an einer Telepresence-Session teilnehmen. Und nachdem Cisco diesen Dienst auch in seinen Access-Router-Familie ASR (Application Services Router) integriert hat und außerdem Webex auch Hosted-Collaboration-Services anbietet, stehe der strahlenden Zukunft dieses Angebots nichts mehr im Weg.
Nicht bestätigen wollte Cisco Gerüchte, denen zufolge für Anfang nächsten Jahres die Marktreife einer Endkunden-Version von"Telepresence" für rund 1.000 Dollar bevorstehent werde.

Unified Computing

Mit der Virtualisierungslösung "Unified Computing Systems" (UCS) betritt Cisco nicht nur Neuland, sondern hat sich binnen kürzester Zeit den Zorn etablierter IT-Anbieter, darunter den der IT-Riesen IBM und Hewlett-Packard, zugezogen. Das bestätigte Wendy Mars, Director Unified Computing System Cisco Europe, gegenüber der Presse. "Es ist ein neuer Markt und wir wissen, dass wir mit einigen Partnern" -darunter eben die beiden Serveranbieter - "in Wettbewerb treten." Mars zufolge sei das bei "neuen Märkten" unvermeidlich, so dass man sich bei Cisco nicht der Illusion hingebe, geräuschlos in den Virtualisierungs- und in der Folge auch Cloud-Markt eintreten zu können.

Doch man wolle die die seit fünf Jahren entwickelten, von allerhand Patenten begleiteten Serverlösung gewiss nicht verstecken. Im Gegenteil: Der weltweite Markt, der Mars zufolge bis zu 85 Milliarden Dollar Umsatz verspricht, sei genau untersucht worden - und für überaus interessant befunden worden. "Cisco ist ein anerkannter Innovator, wir haben Technologie-Partnerschaften mit wichtigen Anbietern geschlossen und wir können ein Strategie anbieten, die exakt der Entwicklung dieses Marktes folgt", warb Mars.

Zwar hatte Cisco außer diversen Powerpoint-Folien, darunter ein Preisvergleich seiner Lösung mit einem "Legacy-Anbieter", bekannt auch als Big Blue, nichts Handfestes nach Hannover gebracht, was künftig in Unternehmen Einzug halten soll, doch soviel steht fest: Der boomende Virtualisierungsmarkt steht bei Cisco ab sofort im Fokus.

Wie genau, erläuterte Bernd Heinrichs, Managing Director Partner und Allianzen bei Cisco Deutschland, gegenüber ChannelPartner. Das Unternehmen werde am Anfang mit "wenigen etablierten ausgewählten Partnern", insbesondere die Integratoren T-Systems und Computacenter, den Markt angehen. Heinrich sprach von drei bis fünf Partnern in den nächsten zwei Jahren.

Gleichzeitig setze Cisco auf "Partner-Erziehung". Für "dieses schwierige Thema" werde Cisco ein Team bilden, das nach und nach für die Ausbildung von Partnern sorge. Längerfristig plane der Netzwerker, das alle zertifizierten Partner die Themen Virtualisierung und Firmen-Clouds beherrschen.

Die Frage, ob dies nicht zu einer deutlich veränderten Partnerlandschaft führen müsse, bejahte Heinrichs eindeutig. Er sprach sogar von einer sich "komplett verändernden Partnerlandschaft" - was in Vorwegnahme Cisco selbst jetzt bereits veranlasst, sich hausintern umzustrukturieren.

Damit zeige Cisco an, wohin für die gewiss nicht beschäftigungslosen Partner die Reise gehe: in das Herz der Unternehmens-IT. "Mit weniger, aber den richtigen Partner", sagte Henrichs. Das blieb Partnern nicht verborgen, weshalb sie das Networking zu allerhand Diskussionen über ihre Zukunft nutzten. Und feststellten, alle, Cisco und sie selber, müssten sich noch mehr als bisher ins Zeug legen. (wl)