Interview mit Jacob-Elektronik-Chef Thomas Jacob

"Wir fühlen uns gegenüber den Großen nicht benachteiligt"

16.05.2014 von Matthias Hell
In der zweiten Reihe der Elektronikversender verfolgt Jacob Elektronik einen flotten Wachstumskurs. Im Interview erklärt Unternehmens-Chef Thomas Jacob, warum er sich auch vor Schwergewichten wie Notebooksbilliger und Cyberport nicht verstecken muss und wie Jacob Elektronik künftig weiterwachsen will.
Thomas Jacob hat Jacob Elektronik 1990 gegründet. Um nah bei den Kunden zu sein und ihre Interessen zu kennen, hält er ein Ladengeschäft, sprich den Offline-Kanal, nach wie vor für extrem wichtig.

Die Elektronikbranche – online wie offline – verzeichnete 2013 ein eher durchwachsenes Jahr. Auch Sie warnten in Ihrem Geschäftsbericht 2012 vorsorglich vor einer schwierigen Entwicklung. Wie ist das zurückliegende Jahr tatsächlich für Jacob Elektronik verlaufen?

Thomas Jacob: Da im Jahr 2013 der Großteil des Umzugs unseres Unternehmens innerhalb Karlsruhes erfolgte, rechneten wir im Vorfeld mit Ausgaben, die sich im Nachhinein als bei weitem nicht so hoch, wie geplant erwiesen haben. Vor diesem Hintergrund ist das Jahr 2013 dann tatsächlich deutlich besser verlaufen, als ursprünglich erwartet.

Was die allgemeine Marktsituation und unsere Entwicklung im vergangenen Jahr angeht, kann ich sagen, dass wir mit einem Umsatzplus von knapp über 25 Prozent die erfreuliche Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen konnten. Ein eventuell schwieriges Marktumfeld konnten wir so demnach nicht feststellen.

Liegt das daran, dass Sie breiter aufgestellt sind als viele andere Elektronikversender? Wo würden Sie im Online-Bereich Ihre härtesten Wettbewerber sehen?

Thomas Jacob: Für uns als Unternehmen ist ein extrem breites Produktportfolio sehr wichtig. Wir überlassen die Entscheidung, was unsere Kunden interessieren könnte, unseren Kunden selbst und nicht Einkäufern oder Produkt Managern, die das Sortiment festlegen. Was uns von Seiten unserer Großhandelspartner angeboten wird, bieten wir auch unseren Kunden an. Ähnlich breit wie bei den von uns vertriebenen Produkten sind wir auch in Bezug auf unsere Kunden aufgestellt. Bei uns ist grundsätzlich jeder Kunde willkommen, eine bestimmte Branchenspezialisierung existiert nicht.

Dies sind alles Punkte, aufgrund derer ich keinen wichtigsten Wettbewerber für uns an sich sehe. Je nach Produktsegment haben wir aber natürlich weitreichende Überschneidungen mit den klassischen IT-Onlinern wie Cyberport oder Notebooksbilliger.

Die zusätzlichen Verkaufskanäle: Marktplätze und stationärer Handel

Sie verkaufen auch über eBay und Amazon. Welchen Stellenwert hat das Marktplatz-Geschäft für Jacob Elektronik?

Thomas Jacob: Generell war und ist es uns sehr wichtig, den Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden. Wenn also eine Kundin oder ein Kunde den Einkauf über Shopping-Plattformen wie eBay oder Amazon dem Einkauf im Shop eines Händlers vorzieht, möchten wir ihn oder sie dennoch erreichen können. Vor diesem Hintergrund ist das Plattformgeschäft für uns natürlich sehr wichtig.

Allerdings ist auch klar, dass unser eigener Shop auf www.jacob-computer.de von der Wichtigkeit her eindeutig an erster Stelle steht und auch zukünftig stehen wird. Das hat einmal mit der für uns notwendigen Flexibilität, die große Plattformen einfach nicht bieten, sowie mit den nicht unerheblichen Provisionen, die von eBay & Co. erhoben werden, zu tun.

Jacob Elektronik stammt ursprünglich aus dem stationären Handel und ist auch heute noch mit einem Ladengeschäft in Karlsruhe vertreten. Würden Sie aus heutiger Sicht, erneut diesen Mehrkanal-Ansatz wählen?

Thomas Jacob: Um nah bei den Kunden zu sein und ihre Interessen zu kennen, halte ich ein Ladengeschäft, sprich den Offline-Kanal, nach wie vor für extrem wichtig. Aber die großen Umsatzzuwächse werden aktuell, und wohl auch in Zukunft, definitiv online erwirtschaftet. Da wir auch heute noch einen großen, treuen Kundenstamm in der Region Karlsruhe haben, die regelmäßig in unserem Ladengeschäft kaufen, denke ich schon, dass ich auch heute wieder "zweigleisig" fahren würde.

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"Als familiengeführtes Unternehmen haben wir weniger Druck"

Neben dem Onlineshop betreibt Jacob Elektronik in Karlsruhe auch ein stationäres Geschäft. Doch der wichtigste Vertriebskanal ist und bleibt der eigene Shop.
Foto: Jacob Elektronik

Mit einem Umsatz von unter 100 Millionen Euro gehört Jacob Elektronik zu den kleineren bis mittleren Online-Anbietern in dem Segment. Reizt es Sie, in Zukunft den Vorstoß in die erste Riege der Elektronikversender in Angriff zu nehmen?

Thomas Jacob: Die von Ihnen genannte "höhere Gewichtsklasse" ist sicher auch für uns interessant. Jedoch gehen wir in diesem Punkt unseren eigenen Weg. Als familiengeführtes Unternehmen ohne fremde Investoren haben wir keinerlei externen Umsatz- oder Margenziele zu erfüllen und so auch keinen Druck, wie vielleicht der ein oder andere Händler mit Konzern im Rücken. Wir können somit unser organisches und gesundes Wachstum fortsetzen ohne durch vorgegebene Zielgrößen zu riskant agieren zu müssen. Abschreckende Beispiele, wie das auch schief gehen kann, gab es in unserer Branche in den vergangenen Jahren ja zur Genüge.

Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um sich im eng besetzten und auch sehr vergleichbaren Elektroniksegment zu differenzieren?

Thomas Jacob: Neben dem bereits erwähnten, mit aktuell mehr als 600.000 lieferbaren Artikeln, extrem breiten Produkt-Portfolio steht Jacob Elektronik hauptsächlich für einen hervorragenden Service und eine hohe Lieferqualität. Auch hilft uns eine Vielzahl von Einkaufsquellen, eine immens gute Verfügbarkeit zu gewährleisten. Zudem besetzen wir vermehrt Nischen die uns von den "üblichen Verdächtigen" differenzieren und somit auch für unsere Kunden einen Mehrwert darstellen. Weiterhin versuchen wir durch Optimierung an Bestell- und Logistikvorgängen sowie vor allem auch durch Fort- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter das hohe Niveau weiter auszubauen.

Was sind die größten Nachteile und Hindernisse, die aus der bislang noch recht überschaubaren Größe Ihres Unternehmens resultieren?

Thomas Jacob: Eine interessante Frage. Grundsätzlich fühlen wir uns in unserem Alltagsgeschäft gegenüber größeren Anbietern wie Notebooksbilliger oder Cyberport nicht im Nachteil. Weder im Kontakt mit der Distribution noch mit den Herstellern. Auch mit einem etwas kleineren Einkaufsvolumen herrscht hier stets ein faires und partnerschaftliches Miteinander.

Was man aber wohl tatsächlich als Nachteil benennen kann, ist die geringere Reichweite in Bezug auf Werbemaßnahmen. Mit größeren Werbebudgets, die mit höheren Umsätzen einhergehen, sind werblich einfach "größere Sprünge" möglich. Auch können größere Mitbewerber den Aspekt des Cross-Border Trade, also dem Handel im europäischen Ausland, derzeit noch besser umsetzen.

"Online-Händler müssen verstärkt in Konkurrenz mit Amazon treten"

Können Sie, um das Wachstum anzutreiben, auch ähnlich den großen Anbietern in Trendthemen wie Mobile Commerce und Social Media investieren?

Thomas Jacob: Der wichtigste Vertriebskanal von Jacob Elektronik ist und bleibt unser eigener Shop. Hier wird auch weiterhin das Hauptaugenmerk unserer Aktivitäten liegen. Das heißt aber nicht, dass wir andere Möglichkeiten, unsere Kunden zu erreichen, vernachlässigen. So ist Jacob Elektronik seit September vergangenen Jahres auch im M-Commerce aktiv. Shopping Apps für iOS und Android und ein Mobile Shop ermöglichen einen Einkauf über mobile Endgeräte.

Allerdings kann ich den großen Hype, der momentan um dieses Thema gemacht wird, nicht recht nachvollziehen. Zwar kommen inzwischen circa 5 Prozent unseres Umsatzes über die Apps und den Mobile Shop, aber sprichwörtlich durch die Decke gehen die mobil erwirtschafteten Umsätze nicht. Ich halte Mobile Commerce eher für eine tolle Ergänzung unseres bisherigen Angebots, als dass ich glaube, dass dieses Geschäft den klassischen Online-Shop ablösen wird, wie es vielerorts prognostiziert wird. Social Media sehen wir für uns eher als eine Möglichkeit, mit unseren Kunden noch besser und direkter in Kontakt zu treten. Als Vertriebskanal nutzen wir Facebook & Co. jedoch nicht.

Die Elektronikbranche – auch im Netz – konsolidiert sich. Wie ist Jacob Elektronik hier positioniert: sehen: Sind Sie in der Lage, bei passender Gelegenheit zuzukaufen oder könnten Sie eher selbst zum Objekt einer Übernahme werden?

Thomas Jacob: Bisher sind wir als Unternehmen mit einem Wachstum aus eigener Kraft gut gefahren. Übernahmen anderer Unternehmen waren daher noch nie ein Thema für uns.

Umgekehrt sind Unternehmen, die wirtschaftlich gut da stehen, natürlich immer interessant für externe Investoren oder Käufer. Ob Jacob Elektronik als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen solche Interessen weckt, können wir nicht beeinflussen.

Gegen wen muss sich Jacob Elektronik in Zukunft mehr wappnen: die Multichannel-Aktivitäten von Media-Saturn und Conrad oder den Online-Platzhirsch Amazon?

Thomas Jacob: Wie bereits geschildert, gibt es natürlich durchaus Berührungspunkte und Überschneidungen mit anderen Händlern. Durch unsere recht spezielle Aufstellung stellt es sich schwierig dar, "eine größte" Gefahr an sich, auszumachen. Ich sehe eher eine Situation auf den gesamten E-Commerce zukommen, in der Unternehmen branchenübergreifend verstärkt in Konkurrenz mit Amazon treten müssen.