Bechtle-Manager Roland König

"Fachabteilungen nehmen das Cloud-Zepter in die Hand"

12.04.2012
Weshalb Cloud Computing bereits im Mittelstand Fuß fasst, erläutert Roland König, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhauses München/Regensburg und Leiter des Geschäftsfelds Virtualisierung, im Interview.
Roland König, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhauses München/Regensburg und Leiter des Geschäftsfelds Virtualisierung bei Bechtle
Foto: Bechtle

Weshalb Cloud Computing bereits im Mittelstand Fuß fasst, erläutert Roland König, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhauses München/Regensburg und Leiter des Geschäftsfelds Virtualisierung, im Exklusivinterview mit ChannelPartner.
Bechtle bietet Kunden bereits seit einigen Jahren Cloud-basierte Lösungen an und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet . Erleben Sie manchmal, dass der Begriff "Cloud Computing" Endkunden eher abschreckt als Interesse weckt?

Roland König: Mittlerweile zeichnet sich eine Zweiteilung ab: Es gibt natürlich Kunden, die dieses Wort nicht mehr hören können. Dann sprechen wir einfach von "Service-orientierter IT". Cloud war lange Zeit eine Art Schreckgespenst: In den letzten zwei Jahren war jedes Produkt nur dann "hip", wenn in der Bezeichnung auch "Cloud" vorkam. Meistens hatte das mit einer echten Cloud-Technologie gar nichts zu tun. Im Gegensatz dazu steckt heute in dem Begriff Cloud wesentlich mehr Substanz als noch vor zwei Jahren, es gibt echte Lösungen.
Das Gros der Kunden jedoch interessiert sich heute sehr wohl für die Möglichkeiten des Cloud Computing für ihr Geschäft - legt man die Cloud-Definition der NIST (National Institut für Standardization & Technology) zugrunde, das die einzelnen Modelle der Bereitstellung sehr klar definiert.

Welche Cloud-Services bieten Sie Kunden bereits heute an?

König: Neben der Beratung zu IT-Architektur und Sicherheit integrieren wir dynamische IT-Infrastrukturen und machen Unternehmen mit der Schlüsseltechnologie Virtualisierung cloud-fähig. Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf Private- und Hybrid-Cloud-Lösungen. Zu unserem Portfolio gehören daher auch zentrale Bereitstellung von Backup in die Cloud, Backup-Rechenzentren, Bereitstellung dedizierter Ressourcen in der Infrastruktur bis hin zu Softwarelösungen aus der Cloud und Managed Cloud Services. Was der Kunde von uns erwartet sind Dienste, die den Betrieb, die Verfügbarkeit und die Flexibilität sicherstellen. Unser Vorteil dabei ist, dass wir als Generalunternehmer alle Technologien aus einer Hand anbieten.

Was sind typische Auslöser, sich mit Cloud-basierten Modellen auseinanderzusetzen?

König: Wir beobachten einen gravierenden Wandel: Es geht dem Kunden nicht mehr nur um Kosteneinsparungen. Die meisten erkennen in Cloud Computing eine echte Chance, mehr Flexibilität, mehr Dynamik und Effizienz in ihrem Geschäft zu erreichen, ihre Arbeitsabläufe zu unterstützen und voranzubringen. Denn Cloud ist immer ein Unterstützer von Geschäftsprozessen. Spätestens seit der Wirtschaftskrise 2009 haben viele erkannt, dass der Zwang zu mehr Dynamik und schnelle Reaktionsfähigkeit in vielen Branchen eine Frage des Überlebens ist. Und die Cloud ermöglicht eben diese Flexibilität, ein schnelleres Time-to-Market.

Immer wieder ist zu hören, dass Fachabteilungen an der IT-Abteilung vorbei Cloud-basierte Dienste und Applikationen beziehen. Wie akut ist Ihrer Erfahrung nach dieses Problem?

König (schmunzelt): Die Fachabteilungen nehmen verstärkt das Zepter in die Hand. Wir haben Cloud-Projekte umgesetzt, die zu 100 Prozent von der Fachabteilung getrieben wurden. In einem konkreten Fall hatte die IT-Abteilung die Cloud-Projekte zwei Mal abgelehnt, die Fachhabteilung ging daraufhin zum Management und hat sich durchgesetzt. Als Projektmanager wurde ein Mitarbeiter aus der Geschäftsleitung bestimmt, der über der IT-Abteilung saß. Das Projekt wurde gegen den Willen der IT-Abteilung eingeführt und war dennoch derart erfolgreich, dass es jetzt global ausgerollt wird. Bei IT-Leitern, die sich noch nicht eingehend mit dem Thema befasst haben, ist häufig Angst zu spüren. Dann fangen Fachabteilungen an, selbstständig zu agieren. Das Beispiel zeigt aber auch, dass die Fachabteilungen tatsächlich eine andere Dynamik und Flexibilität benötigen. Es wird langfristig aber nur ein Miteinander von Fachabteilung und IT geben - wie es sich auch bei der Einführung von iPads und iPhones in vielen Unternehmen zeigt.

Apropos iPads : Können Cloud-basierte Architekturen die Einbindung mobiler Endgeräte in die Unternehmens-IT erleichtern und deren Verwaltung vereinfachen?

König: Eine Cloud-basierte Architektur wird künftig die Basis dafür sein. Schon heute ist Mobile Device Management einer der Treiber, sich mit Cloud-Modellen auseinanderzusetzen. Anwender sind es inzwischen gewohnt, sich Dienste aus einem Portal selbst abzurufen - orientiert zum Beispiel am Apple-App-Modell. Diese Modelle sind aus dem Consumer-Umfeld in den Unternehmen bereits angekommen. Und das ist eine enorme Herausforderung für das IT-Management und ein wesentlicher Treiber für Client-Virtualisierung bzw. Client-Services und für die Umgestaltung der Rechenzentren.

Spielt für die Frage "Cloud oder nicht" die Unternehmensgröße noch eine Rolle?

König: Ganz kleine Kunden mit bis zu 30 IT-Arbeitsplätzen nutzen eher standardisierte Cloud-Services. Mittelständische Unternehmen in Deutschland sind ebenso wie Großunternehmen an Cloud-Modellen interessiert. Nur die Motivation mag unterschiedlich sein. Großunternehmen sind dabei, ihre IT Service-orientiert aufzustellen, Betriebssysteme stärker zu konsolidieren und zu standardisieren, ebenso wie die Kapazitäten und Services ihrer Rechenzentren zu teilen. Hier steigt die Nachfrage enorm nach globalem, rollenbasiertem Management der Datacenter, nach Automatisierung und Standardisierung der Bereitstellungsmechanismen. Das geschieht im ersten Schritt in den eigenen Rechenzentren, in der Private Cloud - selbstverständlich mit einem wachsamen, begehrlichen Blick in die hybride Welt.

Und der Mittelstand?

König: Der Mittelstand sucht mit Cloud Computing nach Möglichkeiten, sehr schnell Dienste global bereitzustellen, wenn das Geschäft es erfordert. Gerade mittelständische Firmen haben oft Fertigungsstätten und Entwicklungen in China oder in den USA und müssen hier die IT bereitstellen ohne IT-Techniker vor Ort zu haben. Das ist heute über virtuelle Rechenzentren, also in einem hybriden Cloud-Modell, sehr schnell und zu günstigen Preisen abzubilden. Der Kunde behält die Kontrolle und managt alles aus Deutschland heraus. Das war vor zwei Jahren so noch nicht möglich und für die Firmen deshalb richtig teuer. Die Cloud verschafft ihnen nun eine Agilität, die früher nur Großunternehmen mit weltweiten Rechenzentren vorbehalten war. Deshalb wächst das Cloud-Geschäft bei Bechtle sehr stark und wir gehen davon aus, dass es auch in Zukunft unser Wachstum positiv beeinflussen wird.

Können Sie das am Beispiel der Infrastructure as a Service (IaaS) konkret skizzieren?

König: Mit IaaS ist der Kunde beispielsweise sehr schnell in der Lage - vorausgesetzt er hat seine Hausaufgaben im Rechenzentrum erledigt - sich dynamische Rechenzentrumskapazitäten global verfügbar zu machen. Unabhängig davon, ob das Unternehmen 300 oder 3.000 IT-Arbeitsplätze unterhält. Damit kann es zum Beispiel eine übernommene Firma schnell integrieren, eine Service-Niederlassung eröffnen, gewinnt so an Dynamik und kann virtuell sehr schnell Rechenzentrumskapazitäten bereitstellen, unter seiner Kontrolle, mit seinen Sicherheitsvorgaben. Das war vor zwei Jahren noch nicht machbar. Heute gibt es die Technologie dafür. Ein anderes Beispiel: Unternehmen wollen die Betriebskosten senken und ihren Anwendern ein Cloud-basiertes Self-Service-Portal zur Verfügung stellen. Auch wenn dies in der Private Cloud aufgesetzt wird, muss der Kunde vorher Standards und Automatisierungs-Prozesse festlegen - also definieren: Wer nutzt das Portal, wie stelle ich es bereit etc. Dazu braucht er ein zentrales Management.

Viele sagen, die Infrastruktur gab es schon immer als Cloud-Dienst, das ist nichts Neues...

König: Wenn ich die Kriterien des NIST-Modells zugrunde lege - also Cloud-fähigkeit, Self-Service-Portale, Verrechenbarkeit, dynamischer Bereitstellung, SLAs etc. - dann gibt es aktuell nur sehr wenige Unternehmen, die ihren Anwendern Service-orientierte Cloud-Dienste anbieten. Der Einzug dieser Dienste in die Abteilungen beginnt jetzt erst. Denn erst jetzt stehen dafür auch die Standardisierungs-, Automations- und Management-Tools zur Verfügung, basierend auf den Hypervisor-Plattformen. Erst damit kann der Kunde seinen Abteilungen echte IaaS-Dienste bereitstellen.

Auch SaaS gab es ja schon lange, siehe Salesforce…

König: Neu ist aber, dass es inzwischen wesentlich mehr Angebote dieser Art gibt. Schon heute sind 80 Prozent der neuen Software-Entwicklungen SaaS-basiert, Cloud- und Mandanten-fähig, mit einem nutzungs-orientierten Abrechnungsmodell. Wo die Daten liegen, ist eine andere Frage. Und wenn wir PaaS betrachten, dann lassen sich seit etwa zwei Jahren schon SharePoint-, SQL- und Entwicklungsdatenbanken als Cloud-Dienste beziehen. Und hier kommt die eben erwähnte Infrastruktur as a Service ins Spiel.

Ist das Cloud-Business für Systemhäuser eher ein Ersatzgeschäft für den klassischen Verkauf von Hard- und Software oder eher ein Zusatzgeschäft?

König: Es gibt weniger eine Verschiebung als eine Veränderung: In den nächsten zwei Jahren wird sich ein Großteil der Rechenzentren erneuern. Denn zum Anwender hin muss die IT dynamische Services und Anwendungen bereitstellen, neue Geschäftsstellen aufsetzen etc. Um das abbilden zu können, muss auch das Rechenzentrum diese Dynamik erlauben, es muss selbst dynamisch werden. Deshalb werden die Rechenzentren umgebaut.

Für die Unternehmen soll die Cloud Kostenvorteile bringen. Gleichzeitig sollen Systemhäuser aber auch mehr Umsatz generieren. Wie geht das zusammen?

König: Ein Unternehmen erhält zwar künftig für das gleiche Geld mehr Kapazitäten und Flexibilität - aber es wird dieses Mehr auch komplett ausschöpfen und möglicherweise mehr für externe Dienste ausgeben. Denn wenn das Datacenter Cloud-orientiert ausgelegt und strukturiert ist, kann der Kunde auch sehr einfach einzelne Segmente an Dritte auslagern.

Was sind die zentralen Herausforderungen bei diesem Umbau?

König: Man benötigt andere Mechanismen, zum Beispiel im Storage-Bereich. Dazu müssen elementare Fragen geklärt sein, beispielsweise: Wie stelle ich Daten bereit, wie verwalte, komprimiere und speichere ich sie? Das Datenmanagement ist eine enorme Herausforderung. Nächster Punkt ist die Connectivity sowie Bandbreiten- und Server-Kapazitäten. Ein weiterer ist das Management. Deshalb messen alle führenden Hersteller wie VMware, Microsoft und Citrix diesem Thema so großen Wert bei. Denn je einfacher es für den Anwender wird, seine Umgebung zu verwalten, desto mehr Ressourcen werden frei für andere Aufgaben. Es wird künftig wieder eine Art "Host-Operators" geben, wie wir sie aus früheren Mainframe-Umgebungen kennen. Heute braucht man allerdings noch Experten, um überhaupt die Management-Systeme zu bedienen. Das wird auf lange Sicht nicht finanzierbar sein, weshalb ein Operating unabdingbar ist. Die Standardisierung und Automation im Bereich Management wird auch das Problem des Fachkräftemangels etwas eindämmen.

Um auf die Betreibermodelle einzugehen: Welche Rolle spielt die Private Cloud?

König: Die Private Cloud wird überall eine Rolle spielen, weil sich die Art, wie Informationen bereitgestellt werden, verändern wird, und damit zieht die Cloud in die IT von Unternehmen jeder Größe ein. Es ist nur eine Frage der Zeit. Kunden werden dort externe Angebote, auch weltweite nutzen, also hybrid oder public gehen, wo sie günstiger und flexibler sind. Dazu müssen aber die genannten Hausaufgaben im Datacenter erledigt sein. Gerade hierzulande werden sich Kunden an den Partner wenden, dem sie vertrauen und der sicherstellt, dass sie die Kontrolle behalten.

Zunehmend bieten Hersteller so genannte " Private Clouds aus der Box " an ( Vblock , vBundles , Flexpods , CNI , IBM Starter-Kits und SmartCloud Enterprise , HP cCells , HP Converged Infrastructure , Oracle Engineered Systems , Dell vStart-Linie n etc.). Sie versprechen, damit Kunden das Tor zu hybriden Cloud-Modellen zu öffnen. Welche Bedeutung spielen diese Modelle Ihrer Erfahrung nach bei den strategischen Überlegungen und Neuausrichtung von Rechenzentren?

König (schmunzelt): Sie werden eine erhebliche Rolle spielen, weil sie dem Kunden eine durchgängige Infrastruktur und Teile einer Plattform bereitstellen. Ich kenne allerdings noch kein Modell, das wirklich alle Aspekte einer ganzheitlichen Lösung abdeckt. Es sind Module, die sinnvoll sind, die ich aber immer noch um Services ergänzen muss. Um in eine hybride Cloud zu gehen, um z.B. externe Speicher- oder Server-Ressourcen oder Software-Stacks zu beziehen, brauche ich - rein technologisch - keine standardisierte Stack. Denn das ermöglicht mir schon im ersten Schritt die Hypervisor-Plattform und die Software, nicht die Hardware. Selbstverständlich ist die Hardware bei den genannten Paketen optimiert und das wird der Markt auch fordern und brauchen. Diese in sich validierten Stacks werden erheblich dazu beitragen, Dinge zu vereinfachen. Unternehmen mit eigener IT werden sich mit diesem Thema stärker beschäftigen. Aber für den Schritt in die hybride Welt ist die Hardware selbst quasi unerheblich. Dafür braucht der Kunde die Management-Tools, die Verbindungs-Software, die Cloud-Bridges etc., die Hardware ist insofern nur sekundär. Das komplette, fertige Cloud-Bundle vor allem mit Blick auf die Software, habe ich noch nicht gesehen.

Die Idealvorstellung einer Private Cloud ist es ja, ein Self-Service-Portal als Frontend zu haben, über das weitere Dienste aus unterschiedlichsten (auch Public-Cloud-) Quellen genutzt werden können. Welche Hersteller bietet Ihrer Erfahrung nach aktuell eine Lösung, die dieses Versprechen tatsächlich einlöst? Wo wünschen Sie sich Verbesserungen?

König: In diesem Umfeld werden wir noch die meisten Verbesserungen sehen, denn hier gibt es noch einen enormen Nachholbedarf. Mit dem Horizon Application Manager steht dazu ein Produkt von VMware in den USA bereits zur Verfügung, das exakt diese sichere, gemanagte und kontrollierte Bereitstellung von Applikationen für User ermöglicht, inklusive Billing-Tools. Ähnliches bieten auch Self-Service-Portale von Citrix und Microsoft. Andere Anbieter werden nachziehen.

Wie sieht es mit der Abrechnung aus?

König: Die Abrechnungs-Tools, die es heute gibt, sind noch nicht ausgereift. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich hier ein Standard etabliert. Allerdings lässt sich heute bei der Abrechnung noch vieles manuell in den Griff bekommen. Insofern ist das für Unternehmen aktuell kein Problem. Bei den großen Providern sieht das anders aus - sie setzen dafür überwiegend eigenentwickelte Tools ein.

Das heißt aber auch, dass - mangels entsprechender Tools - die Unternehmen bei der hausinternen, SLA-basierten Bereitstellung von Self-Services nicht wissen, was diese Services eigentlich kosten? Ein Vergleich mit Public-Cloud-Angeboten ist also gar nicht möglich…

König: Was der Service kostet, lässt sich auch heute schon ermitteln. Nur die dynamische Verrechnung ab dem ersten Moment der Nutzung ist überwiegend noch nicht möglich. Zumal Cloud Computing kein einmal eingeführtes Modell ist, sondern ein langfristiger dynamischer Prozess.

Wie erleichtern Sie den Kunden den Einstieg?

König: Vor allem über Standardmodelle, über die der Kunde relativ einfach in diesen gleichwohl komplex bleibenden Prozess einsteigen kann. Das ist unsere Aufgabe. Um es mit einer Metapher zu verdeutlichen: Ein Auto zu entwickeln ist sehr komplex, mit einem Führerschein kann der Anwender aber jedes Auto steuern, ohne Ingenieur zu sein.

Bechtle hat deshalb angekündigt, Kunden fertige Service-Pakete anzubieten. Welche dieser Pakete oder Diensten werden das sein?

König: Wir werden ab Mai standardisierte, auditierte, vorvalidierte Private-Cloud-Module anbieten, die dem Kunden den kompletten Stack bereitstellen, inklusive Software, Service sowie ein Finanzierungsmodell und - sofern gewünscht - auch ein Betriebskonzept. Managen kann der Kunde diese Umgebung mit einem einzigen Tool oder er überträgt diese Aufgabe uns. Damit kann er sehr schnell alte Umgebungen und Geschäftsprozesse auf neue, standardisierte, Cloud-fähige Umgebungen übertragen - Schritt für Schritt, so dass er auch Vertrauen fassen kann. Jeder Mix ist hier möglich. Andernfalls müsste er ja jeden einzelnen Prozess analysieren, SLAs etc. Das wäre auch im Mittelstand nicht realisierbar.

Auf welche Punkte legen Kunden bei der Nutzung von Cloud-Modellen besonderen Wert?

König: Wesentlich ist für ihn, dass der Einstieg einfach ist und für ihn einen sichtbaren, nachvollziehbaren Nutzen bringt. Je schneller der ROI erreicht wird, desto eher ist der Kunde bereit, dafür Geld auszugeben. Und er muss dem Partner Vertrauen entgegenbringen, dem er die Verantwortung für seine IT, seine Daten, seine Geschäftsprozesse überträgt. Gerade durch diese Vertrauensfragen wird sich übrigens der Reseller-Markt verändern.

Weshalb wird sich diese Vertrauensfrage auf den Reseller-Markt auswirken?

König: Nicht jeder wird in der Lage sein, diese Services mit der nötigen Verlässlichkeit anzubieten. Denn der Invest in die Ausbildung der Mitarbeiter ist enorm, wir haben bei Bechtle allein 900 Zertifizierungen im Virtualisierungsumfeld, der Basis für die Cloud. Es ist eine enorme Herausforderung, mit den Qualifzierungsanforderungen Schritt zu halten, die Hersteller an uns Reseller monatlich oder quartalsweise richten. Und hochqualifizierte Mitarbeiter erwarten auch eine entsprechende Arbeitsumgebung und -kultur. Wir bilden beispielsweise eine ganze Klasse Business-Architekten aus, nicht nur ein oder zwei Mitarbeiter. Das Trainingsprogramm erstreckt sich über acht bis neun Monate hinweg. Ergänzend gibt es einen Ausbildungsplan für IT-Architekten.

Was ist die Kernaufgabe dieser Business-Architekten bzw. der IT-Architekten?

König: Sie müssen Geschäftsanforderungen in dedizierte IT-Szenarien übersetzen und abbilden können. Der IT-Architekt erstellt dann die technischen Blue-Prints für diese definierten Szenarien. Anschließend kommen die spezialisierten System Engineers ins Spiel - für die Basis-Infrastruktur, Cloud, Clients, Netzwerk, Storage etc. Es gibt also eine Vielzahl von Rollen, die das Systemhaus erfüllen muss, um Cloud-Services aus rein technischer Sicht umfassend bereitstellen zu können. Das sind enorme Investitionen.

Inwiefern haben die Applikations-Marktplätze der Hersteller, wie z.B. Fujitsus Business Solution Store oder SAPs App-Store, die Nachfrage nach SaaS-Lösungen angekurbelt?

König: Die Marktplätze werte ich eher als Reaktion auf die Entwicklung, dass SaaS-Applikationen an Qualität und Quantität zugenommen haben. Die Marktplätze sind ein Versuch, dieses Angebot zu bündeln, zu optimieren und zu strukturieren.

Damit würde doch die Bereitstellung von Applikationen via virtuellen Desktops obsolet?

König: Ich gehe eher davon aus, dass diese Angebote künftig ebenfalls in Self-Service-Portale integriert werden. Und dann ist es egal, wo die Software herkommt: aus der Public Cloud, von meinem VDI-Client, Terminal Service, als Streamed Application etc. Für den User spielt das dann keine Rolle mehr. Er greift einfach mit seiner Kennung auf die für ihn zugeordneten Applikationen zu. Das wird allerdings noch eine Weile dauern.

Ein Teil des Cloud-basierten Umsatzes geht doch zu Lasten des klassischen Verkaufs von Hard- und Software. Doch gerade diese Umsätze bilden bei vielen Herstellern ein wichtiges Kriterium für die Einstufung des Partners. Inwiefern haben sich die Partnerprogramme der Hersteller tatsächlich auf das Cloud-Geschäft eingestellt?

König: Hersteller versuchen dem zumindest insofern Rechnung zu tragen, als sie Partnern, die diese Technologien als Early Adopter in die Unternehmen bringen, konzeptionieren und entwickeln, bei Abschluss der Projekte ein besseres Pricing ermöglichen. Allerdings ist das immer noch an Umsätze gekoppelt. Natürlich wäre es auch schön, wenn die Partner vor allem viel früher in die Entwicklung der Programme, die technische Roadmap und die Abläufe eingebunden würden, um den Markteintritt in der Breite zeitlich weiter nach vorne zu verlagern.

(rb)

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