Nachhaltigkeit im IT-Channel

Green-Washing und Greta-Bashing sind out

Kommentar  von Peter Marwan
"Grün" und umweltfreundlich zu sein, wird immer wichtiger fürs Geschäft. Nicht nur in Bereichen wie Energiererzeugung und Lebensmittelproduktion. Auch der IT-Channel muss sich schleunigst Gedanken um seinen ökologischen Fußabdruck machen.
ChannelPartner-Redakteur Peter Marwan verfolgt seit seinem Studium in Münster und Vorlesungen bei Prof. Dr. Wilfrid Bach, einem Pionier der Klima- und Energieforschung, Anfang der 1990-er Jahre, die Entwicklung der Klimafolgenforschung und ist der Meinung: Es ist es höchste Zeit, dass die Erkenntnisse auch im IT-Channel ankommen.

2008 warb die Cebit erstmals mit einem "Green-IT Village" um Aufmerksamkeit für die Möglichkeiten der IT, etwas zum Umweltschutz beizutragen. 2009 war es dann schon eine "Green-IT World". Visionär, könnte man sagen. Zu früh, könnte man auch sagen. Denn die Urteile damals fielen vernichtend aus und reichten von "Enttäuschung" (Tecchannel und speicherguide.de) bis "Mogelpackung" (so "Der Spiegel").

2022 wäre das Leitthema sicher ein Erfolg gewesen. Nicht nur, weil Menschen nach zwei Jahren und gefühlt 2.000 Video-Meetings wieder nach persönlichen Treffen vor Ort lechzen. Auch weil die Bemühungen der IT-Firmen inzwischen weit über die damals als Kuriositäten präsentierten Holzgehäuse für Notebooks, eine Öko-Maus aus Naturfasern oder die potenziellen Energieeinsparungen durch effizientere Netzteile hinausgehen.

Green-Washing und Greta-Bashing sind out, Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit sind im Trend. Daran ändert auch nichts, dass einer Umfrage der Personalberatung Russell Reynolds zufolge 46 Prozent der befragten deutschen Vorstände Nachhaltigkeitsmaßnahmen immer noch aus Marketingerwägungen heraus treffen. Sie wollen damit "als gesellschaftlich verantwortlich angesehen zu werden und sich über ein Nachhaltigkeitsimage vom Wettbewerb abzusetzen." Das klappt nicht immer, wie eine Studie des NewClimate Institute zu den Klimaversprechen großer Unternehmen belegt.

Die Zeiten in denen solche Schummeleien großzügig übersehen werden, sind aber bald vorbei. Beispiele gefällig? Bitteschön:

Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Nachhaltigkeit ist also längst mehr als eine Modeerscheinung, um das Image aufzupolieren. Es ist absehbar, dass es immer mehr Vorgaben und Richtlinien gibt - vom Lieferkettengesetz bis zum Treibhausgasprotokoll. Die frühzeitig und umfassend einzuhalten, wird auch finanzielle Vorteile bringen und ist mittelfristig sicher erforderlich, um zum Beispiel mit der öffentlichen Hand im Geschäft zu bleiben.

Nachhaltigkeit wird für die gesamte IT-Branche wichtiger - auch für den Channel. Heft 5/2002 der ChannelPartner widmet sich daher diesem Thema.
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Die Anforderungen beziehen sich längst nicht mehr nur auf einzelne Produkte, wie das zum Beispiel beim Umweltsiegel "Blauer Engel" der Fall ist. Vielmehr werden die Auswirkungen des gesamten Geschäftsbetriebs auf die Umwelt betrachtet. Deshalb ist Umdenken angesagt. Am besten jetzt. Doch wo soll man anfangen?

Anregungen geben die aktuelle Ausgabe der ChannelPartner (Heft 5/2022 - hier kostenlos zum Download) sowie die letztjährge Ausgabe zum Thema Nachhaltigkeit (zum Download von ChannelPartner Heft 8/9 2021). Online finden Sie ebenfalls viele interessante, praxisnahe und hilfreiche Artikel zum Thema. Hier eine Auwahl:

Refurbishment: Das zweite Leben von IT-Geräten

Wie nachhaltig sind PC-Hersteller?

Nachhaltigkeit bei Tinte und Toner

Nachhaltigkeit ist ein Verkaufsargument

Erfahrungen eines Systemhauses mit Nachhaltigkeit: „Interesse ja, mehr bezahlen nein“