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10.11.2016 - 

Top-Secret-Kultur & Geheimdienst-Strukturen

Arbeiten bei Apple

und Lucy Hattersley
Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Wenn es um das eigene Innenleben geht, zeigt man sich bei Apple relativ verschlossen. Wir sagen Ihnen, wie es sich anfühlt, für den amerikanischen iPhone-Riesen zu arbeiten.

Die Arbeitskultur in Cupertino ist nicht wie überall. Von den Mitarbeitern wird im Allgemeinen erwartet, dass sie die beste Arbeitsleistung ihres Lebens abliefern. Apple ist bezüglich seines Innenlebens allerdings noch erpichter auf Geheimhaltung als die meisten anderen Tech-Riesen und legt höchste Effizienz an den Tag, wenn es darum geht, sich nach außen abzuschotten.

Doch mit ein bisschen Mühe sprudeln zahlreiche Informationsquellen: Ehemalige Angestellte, deren Freunde und Familien sowie einige Apple-Analysten zeichnen gemeinsam ein Bild davon, was es heißt, Apple-Mitarbeiter zu sein.

Job bei Apple? Nur mit 110 Prozent Leistung

Adam Lashinsky ist Redakteur beim Fortune Magazine und Autor des 2012er Bestsellers "Inside Apple". Für seine Publikation hat der Autor zahlreiche aktuelle und ehemalige Apple-Mitarbeiter interviewt. Seine Ergebnisse legte er unter anderem während einer Rede in Stanford dar, die den Titel "Keeping Company Secrets" trug. Dort sagte er unter anderem: "Ich vergleiche Apple-Mitarbeiter gerne mit Pferden, die Scheuklappen tragen. Du schaust weder nach links, noch nach rechts, sondern prescht einfach mit voller Kraft nach vorne und zwar mit 110 Prozent Deiner Energie."

Arbeiten bei Apple - wie muss man sich das vorstellen? Wir haben Einschätzungen und Erfahrungen gesammelt.
Arbeiten bei Apple - wie muss man sich das vorstellen? Wir haben Einschätzungen und Erfahrungen gesammelt.
Foto: Hadrian - shutterstock.com

Dylan Adams war über einen Zeitraum von drei Jahren als Mitarbeiter im Apple Store angestellt: "Meine erste Apple-Erfahrung war der iPod. Das war das Gerät, das mich überhaupt erst dazu gebracht hat, mich für Technologie zu interessieren. Seit diesem Tag bin ich scharf auf Apple-Produkte: Wenn ich mir einen Laptop gekauft habe, war es ein Macbook, wenn ich ein Smartphone gekauft habe, ein iPhone und im Fall eines Tablets - klar, ein iPad. Eigentlich war es völlig unumgänglich, dass ich mich bei Apple um einen Job bewerbe."

Apple habe dabei allerdings kein Interesse an "Fakes", wie Adams klarstellt: "Die Fotos der lächelnden Apple-Mitarbeiter auf der Website sind real. Das sind keine Models oder Schauspieler, sondern echte Mitarbeiter. Ich habe selbst mit einigen dieser Leute zusammengearbeitet."

Verschwiegenheits-Exzesse unter Apple-Mitarbeitern

Ein Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens ist der gesteigerte Wert, der auf Geheimhaltung gelegt wird. Die meisten IT- und Technologie-Unternehmen haben für diese Zwecke speziell geschulte Mitarbeiter. In Cupertino treibt man das Ganze ein "bisschen" weiter, wie Lashinsky weiß: "Apple hat Geheimnisse vor sich selbst. Das ist Teil der Unternehmenskultur und der Art und Weise, wie man Geschäfte macht. Sie haben Geheimnisse vor ihren eigenen Mitarbeitern. Wenn Sie und ich bei Apple arbeiten, aber nicht im selben Team sind, geht mich nicht an, was sie tun und umgekehrt."

Aus mehreren Quellen wurde bereits berichtet, dass die Softwareentwickler bei Apple - auch solche mit einem "Senior" im Jobtitel - ein neues Produkt nicht vor dem offiziellen Launch zu sehen bekommen. Die Leute, die die Software entwerfen, haben also keine Ahnung wie die Hardware aussieht und umgekehrt.

Apple-Unternehmenskultur im Wandel

Diese absonderlich anmutende Geheimhaltungs- und Abschirmungs-Taktik hat sich im Übrigen aus einer anfänglich überraschend offenen Unternehmenskultur herausgebildet, wie Ken Rosen in einem Forumsbeitrag erzählt: "In den frühen Tagen war alles für Jedermann offen. Im Büro des damaligen CFO stand sogar ein Ordner mit vollständigen Gehaltslisten, die wir jederzeit einsehen konnten. Die meisten haben sich darum nicht gekümmert. Steve [Jobs] hat uns damals bei NeXT gesagt: ‚Im Inneren von NeXT ist alles offen - nach außen sagen wir nichts.‘ Dann fügte er in bester Steve-Manier hinzu: ‚Das geht solange, bis der erste Leak auftaucht. Wenn bewiesen ist, dass wir kein Geheimnis bewahren können, können wir wieder wie jede andere Firma sein.‘ Und keiner wollte derjenige sein, der für diesen Leak verantwortlich ist."

Die Unternehmenskultur bei Apple veränderte sich mit der Rückkehr von Steve Jobs zum Unternehmen, wie die Aussagen vieler ehemaliger Mitarbeiter belegen. Softwareentwickler Robert Bowdidge erzählt davon, wie er für ein neues Projekt verpflichtet wurde: "Wir wurden schlicht und ergreifend darum gebeten, zu verschwinden. Es war ein bisschen so, als würde man den Leuten weismachen, man habe ein Drogenproblem entwickelt und würde nicht mehr regelmäßig zur Arbeit erscheinen. Ich durfte nicht einmal meinem direkten Vorgesetzten etwas erzählen. Der wusste nur, dass ich an einem Geheimprojekt arbeite."

Der Geheimhaltungswahn bei Apple betrifft aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch deren Freunde und Familien. Die Großkapitalanlegerin Kim Scheinberg etwa kann davon ein Lied singen. Ihr Partner war beim Umstieg der Mac OS X-Plattform auf Intel-Prozessoren beteiligt. Scheinberg kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem er ihr sagte: "Vergiss alles, was du weißt. Ich bin nicht befugt, mit dir darüber zu sprechen, bevor es öffentlich bekannt gemacht wird."

iPhone-Gigant mit NSA-Strukturen?

Die Kultur bei Apple ist nicht gerade typisch für ein IT-Unternehmen, meint Experte Lashinsky: "Meiner Meinung nach unterscheidet sie sich von jedem anderen Unternehmen, mit dem ich mich bislang beschäftigt habe. Das ist fast schon wie bei einem Geheimdienst. Ich hatte die Gelegenheit, mit einem Ex-NSA-Mitarbeiter über das Thema zu sprechen und er hat mir bestätigt, dass ihn die Arbeitsweise bei Apple an die der NSA erinnert."

Diese Art der internen Kommunikation hat jedoch auch ihre Vorteile: Viele Apple-Mitarbeiter haben bereits bestätigt, dass Politik hinter den Kulissen kaum eine Rolle spielt. Lasinsky meint: "Das ist so, weil es keinerlei Informationen gibt, mit denen sich Politik betreiben ließe. Stattdessen geht man als Angestellter bei Apple zur Arbeit und arbeitet einfach. Das ist - in Kurzform - der ‚way of life‘ bei Apple."

Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Die rigorose Geheimniskrämerei bedeutet nicht, dass keiner mehr weiß, was der andere tut. Um das zu verhindern, gibt es in der Apple-Unternehmenskultur die Rolle des DRI (Directly Responsible Individual). Experte Lashinsky erklärt: "Wenn man bei Apple zu einem Meeting kommt, gibt es eine Agenda mit Tagesordnungspunkten. Neben jedem Punkt steht ein Name - der DRI. Diese Person hat dafür zu sorgen, dass der ihm zugeordnete Punkt erledigt wird."

Trotz aller Geheimhaltung gibt es im Netz übrigens jede Menge Fotos aus dem Inneren der Apple-Zentralen zu sehen. Die Website Apple Gazette etwa zeigt diverse Fotos aus dem Headquarter in Cupertino.

Start-Up-Mentalität beim Technologie-Riesen

Apple setzt in der täglichen Arbeit in erster Linie auf kleine und kompakte Teams und stattet diese - laut Aussagen von Mitarbeitern - mit umfassenden Kompetenzen und Unabhängigkeit aus. Wenn es also angebracht ist, ist das Großunternehmen Apple in der Lage, wie ein Start-Up zu handeln und kleine, protektierte Freiräume für Projektteams zu schaffen, die diese vor den Business-Mechaniken schützt.

"Design steht bei Apple ganz klar im Fokus", verdeutlicht Lashinsky: "Bei Apple wäre es ein absolut grotesker Vorgang, wenn ein Mitarbeiter aus der Finanzabteilung einem Designer sagt ‚das geht nicht, weil es zu teuer ist‘ oder ‚wir sind nicht vertraut mit dieser Art von Technologie‘. Die Antwort des Apple-Designers wäre wahrscheinlich: ‚Hey, ich habe dir gerade gesagt wie das Teil aussehen wird. Jetzt geh' und finde gefälligst heraus wie wir das genau hinkriegen und finanzieren‘."

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation macworld.co.uk.

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