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30.04.2008

AUSBLICK/Siemens verzeichnet im 2. Quartal Gewinneinbruch

Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Siemens AG hat im zweiten Quartal 2007/08 - vor allem belastet durch Projektrisiken - sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal voraussichtlich einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet. Neben den Zahlen stehen aber am Mittwoch bei Vorlage der Zweitquartalszahlen angesichts der weltweiten Konjunktureintrübung vor allem Aussagen des Unternehmens zur künftigen Geschäftsentwicklung im Blick. Siemens will nach der Gewinnwarnung Mitte März eine neue Prognose für das Gesamtjahr vorlegen.

Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Siemens AG hat im zweiten Quartal 2007/08 - vor allem belastet durch Projektrisiken - sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal voraussichtlich einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet. Neben den Zahlen stehen aber am Mittwoch bei Vorlage der Zweitquartalszahlen angesichts der weltweiten Konjunktureintrübung vor allem Aussagen des Unternehmens zur künftigen Geschäftsentwicklung im Blick. Siemens will nach der Gewinnwarnung Mitte März eine neue Prognose für das Gesamtjahr vorlegen.

Die von Dow Jones Newswires befragten Analysten rechnen bei einem Umsatz von 19,313 (Vj 20,6) Mrd EUR und einem Ergebnis der Bereiche von 976 (1.964) Mio EUR unter dem Strich mit einem Nettogewinn von 351 Mio EUR nach 1,196 Mrd EUR im Vorjahreszeitraum.

Das Ergebnis der Bereiche bildet bei Siemens die operative Ergebnisentwicklung des Kerngeschäfts ab. Hier wird Siemens früheren Angaben zufolge im zweiten Quartal rund 900 Mio EUR aus Projektrisiken in den Bereichen Power Generations (PG), Transportation Systems (TS) und Siemens IT Solutions and Services (SIS) verbuchen müssen.

Siemens hatte wegen der Projektrisiken Mitte März eine Gewinnwarnung ausgegeben und die wenige Monate alten Prognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr kassieren müssen. Anleger hatten geschockt auf die Gewinnwarnung reagiert und die Siemens-Aktie damals mit einem Tagesverlust von über 17% abgestraft. Analysten sprachen von einem großen Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit des Siemens-Management.

Der Vorstand um CEO Löscher will nun mit den Zweitquartalszahlen auch die neue Prognose für das laufende Geschäftsjahr vorlegen. Analysten und Investoren werden hier vor allem auf Aussagen zu möglichen weiteren Belastungen aus der Überprüfung der Projektrisiken achten. Siemens hatte Mitte März wegen der noch laufenden Analyse nicht ausgeschlossen, dass hier noch weitere Prozessrisiken entstehen, die über die bereits genannten 900 Mio EUR hinausgehen. Einige Analysten gehen hier von weiteren Belastungen von rund 300 Mio EUR im laufenden Geschäftsjahr aus.

Angesichts der globalen Konjunkturabkühlung dürfte sich die Aufmerksamkeit auch auf die operativen Indikatoren für die künftigen Geschäftsaussichten richten. Dazu gehören neben dem Konzernauftragseingang die Entwicklungen in den als frühzyklisch geltenden Bereichen Automation & Drives (A&D), Siemens Buidings Technologies (SBT) und Osram. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen beim Auftragseingang mit einer "relativen Widerstandskraft" und erwarten eine Book-to-Bill-Ratio von 1,3 wie im Vorquartal.

Im Konsens erwarten die von Dow Jones Newswires befragten Analysten einen Auftragseingang von 22,4 Mrd EUR. Im Vorquartal hatte Siemens im fortgeführten Geschäft einen Auftragseingang von 24,2 Mrd EUR und einen Umsatz von 18,4 Mrd EUR ausgewiesen. Das Ergebnis der Bereiche belief sich auf 1,719 Mrd EUR.

Wie schon im Vorquartal wird Siemens auch für das das zweite Quartal angepasste Vorjahreszahlen veröffentlichen. Die bisher veröffentlichten Vorjahreszahlen sind wegen Veränderungen im Konzernportfolio, unter anderem durch den Verkauf des Bereichs Siemens VDO nur bedingt vergleichbar.

Analysten von Goldman Sachs sagten, interessant sei, ob der frühzyklischste Bereich von Siemens, Osram, Anzeichen einer Verlangsamung der Geschäftsentwicklung zeigt. Hier hatte das Wachstum von Umsatz und Auftragseingang im ersten Quartal währungsbereinigt bei jeweils 7% gelegen.

Laut Analyst Andreas Willi von JP Morgan wird beim operativen Geschäft das Hauptaugenmerk auf den um Sondereffekte bereinigten Margen liegen. Hier schaut der Analyst vor allem auf die Bereiche A&D und Med. Deren bereinigte Ergebnisentwicklung habe in den vergangenen Quartalen positiv überraschen können.

Die Analysten von UBS trauen A&D erneut eine positive Überraschung zu und verweisen auf Aussagen des Managements, nach denen sich dieser nach Umsatz größte Siemens-Bereich nach wie vor gut entwickelt. Im Mittel rechnen die Analysten bei A&D mit einer berichteten Marge von 14,9%.

Die Medizintechniksparte Med dürfte nach wie vor unter den schwierigen Rahmenbedingungen auf ihrem wichtigsten Markt USA leiden. Siemens-Wettbewerber General Electric (GE) hatte vor wenigen Tagen enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und dieses unter anderem mit einem schwachen Medizintechnikgeschäft auf dem US-Markt begründet. In den USA haben die Medizintechnik-Anbieter bereits seit mehreren Quartalen mit dem Deficit-Reduction-Programm der Regierung zu kämpfen, das auch die Ausgaben der US-Krankenhäuser beeinflusst.

Der zweite Wettbewerber Philips hatte dagegen deutlich bessere Quartalsergebnisse in der Medizintechnik vorzuweisen. Wie sich Siemens in diesem Umfeld bewegt, darüber sind sich die Analysten uneins. Während Peter Reilly von der Deutschen Bank Siemens eher näher an GE als an Philips sieht, gehen die Dexia-Analysten davon aus, dass Siemens eher auf der Linie von Philips liegt und solide Ertrags- und Wachstumsperspektiven liefern wird. Im Konsens sehen die Analysten die Med-Marge im Berichtszeitraum bei 12,7%.

Ebenfalls uneins sind die Analysten darüber, inwieweit im zweiten Quartal negative Sonderbelastungen das Konzernergebnis unterhalb des operativen Geschäfts beeinflussen werden. Die Schätzungen gehen hier vergleichsweise weit auseinander. Einige Analysten verweisen etwa darauf, dass die angekündigte Restrukturierung der zum Verkauf stehenden Siemens Enterprise Networks (SEN) zumindest teilweise im zweiten Quartal verbucht wird. Hier könnten etwa laut JP Morgan rund 300 Mio EUR an Belastungen im nicht fortzuführendem Geschäft anfallen.

Das Siemens-Management will zudem über den aktuellen Stand bei den geplanten Kürzungen der Vertriebs- und Verwaltungskosten um 10% bis 20% berichten. JP Morgan erwartet hier allerdings nur wenige "neue Neuigkeiten". So habe Siemens bereits angedeutet, dass die Einsparziele eher am unteren Ende der ausgebenden Spanne liegen werden. JP-Morgan-Analyst Andreas Willi erwartet noch keine konkrete Aussagen zu möglichen Restrukturierungskosten oder die Höhe eines möglichen Stellenabbaus.

Ebenfalls im Blick von Analysten und Investoren dürfte am Mittwoch die Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms stehen. Hier hatte Siemens Mitte April die erste Tranche über 2 Mrd EUR abgeschlossen. Siemens hatte angekündigt, bis zum Jahr 2010 bis zu 10 Mrd EUR für Aktienrückkäufe aufwenden zu wollen.

Webseite: http://www.siemens.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/jhe

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