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21.06.2006

BTX, der ungeliebte Standard

Nach ATX kommt BTX - ob wir wollen oder nicht, der neue Mainboard-Standard wird sich durchsetzen. Was er bringt - oder besser: bringen soll - , lesen Sie hier.

Von Hans-Jürgen Humbert

Die kommenden Generationen von Desktop-Rechnern werden mit BTX-Motherboards bestückt sein. ATX-Rechner werden über kurz oder lang aussterben. Doch welche Vorteile bringt uns BTX?

Die Idee hinter BTX klingt einleuchtend : Alle wärmeproduzierenden Komponenten, wie Prozessor, Speicherbausteine, South- und Northbridge, sowie die Grafikkarte werden in einer Line auf dem Motherboard angeordnet. Kalte Außenluft gelangt durch einen speziellen Kühlkanal direkt auf diese Komponenten. Luftverwirbelungen durch Kabel, Ecken und Vorsprünge im Gehäuse werden so sicher vermieden, und alle "heißen Komponenten" sollen so optimal gekühlt werden.

Ist ein Umstieg auf BTX zwingend notwendig?

Zu Zeiten, in denen Prozessoren immer höher getaktet wurden und dadurch immer mehr Abwärme produzierten, war BTX vermutlich der einzige Weg aus diesem Dilemma. Motherboards sind in den letzten Jahren "organisch" gewachsen. Hauptkriterium für die optimale Anordnung der einzelnen Komponenten sind möglichst kurze Leitungen. Über die Wärmeabstrahlung der einzelnen Bauteile hat man sich kaum Gedanken gemacht. Zwar sind beispielsweise die Spannungsregler für den Prozessor direkt neben dem Lüfter angeordnet, das hat aber eher etwas mit den kurzen Leitungen zu CPU zu tun. Schließlich müssen bei einer Betriebsspannung von knapp zwei Volt rund 100 Ampere sicher und störungsfrei zum Prozessor geleitet werden.

Noch vor wenigen Jahren prognostizierten Hardwareanalysten eine stetige Zunahme der Verlustleistung von Prozessoren. Herkömmliche ATX-Motherboards könnten dann nicht mehr richtig gekühlt werden. Das war der Auslöser für die Entwicklung von BTX-Boards. Einzelne Hersteller haben schon versucht, mit eigenen Mitteln einen so genannten Kühlkanal auf ihren Boards zu realisieren. Das waren aber immer dementsprechend teure Insellösungen. Mit einem einheitlichen Standard, nämlich BTX, werden solche Rechner, wenn auch nicht sofort, so doch bald überall zu haben sein.

Heute dagegen sinken durch Verkleinerung der Chipstrukturen und durch eine maßvolle Erhöhung des Arbeitstaktes sogar die Verlustleistungen der CPUs. Die Abwärme ließe sich auch mit heutiger Technik auf ATX-Boards noch gut in den Griff bekommen.

Doch die Industrie hat sich entschieden: BTX wird Standard. Viele Hersteller haben schon auf BTX umgeschwenkt, und in den nächsten Jahren werden ATX-Platinen fast völlig vom Markt verschwunden sein.

Für Hersteller bringt der neue Standard etliche Vorteile: Anstelle vieler kleiner, hochtourig laufender Ventilatoren reicht jetzt ein einziger, langsam drehender Gehäuselüfter, der alle Komponenten, dank des Kühlkanals, mit Luft umspülen kann. Durch den Einsatz eines großen, langsam drehenden Ventilators sinkt auch der Geräuschpegel - die Folge: Die Rechner werden leiser.

Neben den Vorteilen gibt es aber, zumindest vorerst, auch Nachteile. Wie jede neue Technologie sind auch Rechner mit BTX-Platinen zunächst einmal teurer. Denn erstens erreichen sie noch nicht die Stückzahlen von ATX-Motherboards. Des Weiteren muss eine neue Gehäusebauform her. Äußerlich unterscheiden sich BTX-Gehäuse nicht von ihren ATX-Kollegen, aber intern sind einige Bleche umzubauen. Außerdem ist ein Kühlkanal notwendig, der zumeist aus einem Plastikkanal besteht. Diese ganzen Komponenten sind erstmal nur in geringen Stückzahlen erhältlich, was sie recht teuer macht. Für einen ansonsten identisch ausgestatteten PC müssen zumindest am Anfang in der BTX-Ausführung rund 30 bis 50 Euro mehr bezahlt werden. Ob sich dieser Preis aber an den Kunden eins zu eins weitergeben lässt, ist fraglich.

Neben den preislichen Nachteilen darf aber die höhere thermische Stabilität eines BTX-Systems nicht vergessen werden. Geringere thermische Belastungen der eingebauten Komponenten werden sich in einer längeren Betriebsdauer bemerkbar machen. Außerdem ist BTX die richtige Lösung für künftige PC-Generationen. Während ATX langsam an seine Grenzen stößt, bietet BTX noch viel Spielraum beim Wärmemanagement.