Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.03.2007

Der K(r)ampf mit der Zukunft

Der Begriff Konvergenz, also das Zusammenwachsen verschiedener Märkte, wird seit Jahren von der Industrie arg strapaziert. Viel wichtiger ist doch, was das für den Handel bedeutet. Und genau in der Praxis steckt vieles noch im Argen.

Von Ulrike Goreßen

Die Unternehmensberatung Marketing Partner hat 300 Händler aus dem Unterhaltungselektronik-Einzelhandel (Elektro- und Elektronikfachgeschäft, Hi-Fi-/TV-Fachgeschäft, Elektro- und Elektronikgroßmarkt, Kaufhaus, Warenhaus, Cash-and-Carry-Markt, Großmarkt) zum Thema Konvergenz in Deutschland befragt. Diese Studie ergab, dass zwei Drittel (64 Prozent) der Händler mit dem Thema Konvergenz positive Erwartungen verbinden: 19 Prozent gaben an, dass Konvergenz der Zukunftstrend sei und sich durchsetzen werde. 14 Prozent erhoffen sich daraus in erster Linie Umsatzwachstum. Für zehn Prozent der befragten Händler steht Konvergenz für das Zusammenwachsen der Abteilungen Telekommunikation, Computer und Unterhaltungselektronik im Handel.

Das restliche Drittel (36 Prozent) der Studienteilnehmer steht dieser Entwicklung skeptisch gegenüber: Diese Händler sind etwa der Meinung, Konvergenz steckt noch in den Kinderschuhen (fünf Prozent), getrennte Geräte seien vorteilhafter (sechs Prozent) oder Konvergenz sei generell kein Thema im eigenen Unternehmen (fünf Prozent).

Fazit und Kommentar

"Die Studienergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Händler dem Thema Konvergenz positiv gegenübersteht. In der Umsetzung ist dies bisher allerdings kaum sichtbar. Vielfach wird zwar die traditionelle Aufteilung der Fachabteilungen (IT, TK, Fotografie, UE) in Frage gestellt, und vereinzelt werden auch neue Zusammenstellungen getestet, ein überzeugendes POS-Konzept scheint jedoch noch nicht gefunden", so das Fazit von Nikolaus Bremerich, Partner bei der Unternehmensberatung Marketing Partner in Wiesbaden. "Gerade mit Blick auf den Zukunftstrend Konvergenz sollte nach Kooperationsformen zwischen Handel und Industrie gesucht werden, die über die heute üblichen Lieferantenbeziehungen hinausgehen. Handel und Industrie sollten gemeinsam neue POS-Vermarktungskonzepte entwickeln und testen, um so den neuen Anforderungen gerecht zu werden."

Der Hintergrund

Noch vor wenigen Jahren galt Konvergenz als eine Zukunftsvision. Gemeint ist damit das Verschmelzen von Telekommunikation (TK), Informationstechnologie (IT), Medien und Unterhaltungselektronik (UE). Betroffen sind davon die Bereiche Infrastruktur, Endgeräte und Dienste. Mittlerweile hat diese Vision einer digitalen Welt erste Gestalt angenommen.

Die klassischen Branchen unterliegen dabei einem tief greifenden Wandel: Nicht mehr Agfa, Minolta und Co. beherrschen das Massengeschäft mit Kameras, es sind Elektronikgiganten wie Sony, Panasonic oder Samsung. Für eine wachsende Zahl von Verbrauchern ist die Kamera nur noch eine Zusatzfunktion ihres Mobiltelefons, mit dem sich nicht nur Bilder, sondern vermehrt auch kurze Videos aufnehmen lassen. Mittlerweile ist auch Fernsehen mit Mobiltelefonen möglich; das TV-Handy SGH-P 900 von Samsung verfügt außerdem über Stereolautsprecher, Klangverstärker und einen Videorekorder. Zudem ersetzen sogenannte Smartphones immer mehr PDAs ohne Mobilfunk.

Ein weiterer Bereich, der kräftig wächst, sind mobile, digitale Wiedergabegeräte wie der iPod. Inzwischen kann dieser neben Musik auch Videos abspielen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel liefert mit ihrem Video-Podcast den nötigen Content - und zwar kostenlos.

Kostenpflichtige Inhalte hingegen bieten beispielsweise T-Com und Hansenet mit ihren Video-on-Demand-Angeboten. Ebenso versucht die ProSiebenSat.1-Gruppe mit dem eigenen Video-on-Demand-Portal Maxdome neben Spielfilmen auch Serien und Comedys übers Internet zu vermarkten.

Und nicht zuletzt ermöglichen Fernsehgeräte mit integrierten Festplatten oder Hi-Fi-Anlagen mit USB- und SD-Slots das Austauschen von Daten zwischen den Geräten. Genauso spielt der PC eine immer größere Rolle im multimedialen Umfeld, denn seine Komponenten, Schnittstellen und Software werden verstärkt auf den Einsatz im Wohnzimmer abgestimmt.

Die Beispiele zeigen, dass Konvergenz bei Endgeräten bereits den Konsumenten und damit den Massenmarkt erreicht hat. Sie zeigen aber auch, dass sich Unternehmen auf branchenfremde Wettbewerber einstellen müssen. Zunehmend stehen bei neuen Produkten IT-Gerätehersteller und Hersteller von Unterhaltungselektronik sowie jene der Telekommunikation in Konkurrenz. Selbst für die Produzenten wird eine Branchenzuordnung ihrer neuen Geräte immer schwieriger; oder anders gesagt: Sie ist immer öfter nicht mehr möglich.