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17.12.2007 - 

Physx-PCI-Karten von Ageia nehmen zweiten Anlauf

Der Physik-Beschleuniger lebt

Mit gesenkten Preisen und einer neuen Strategie startet Ageia, Hersteller von sogenannten Physik-Beschleuniger-Karten, einen zweiten Versuch, sich im Spielemarkt zu etablieren. Die Voraussetzungen dafür sind diesmal besser.

Von Boris Böhles

Vor rund eineinhalb Jahren wurde viel Wirbel um sogenannte Physik-Beschleuniger-Karten vom Hersteller Ageia gemacht. Dessen PCI-Karten sorgen für physikalisch realistische Bewegungsabläufe von Objekten in Computerspielen. Normalerweise müssen diese Bewegungen von der Grafikkarte und dem Hauptprozessor berechnet werden, was die Komplexität und vor allem die Anzahl der zu berechnenden Objekte limitiert. Eine zusätzliche Physik-Beschleuniger-Karte übernimmt diese Rechenaufgabe und entlastet so GPU und CPU.

Bisher konnte sich diese Technologie jedoch nicht durchsetzen. Denn ein Computerspiel muss speziell programmiert werden, damit es eine im System verbaute Physik-Beschleuniger-Karte überhaupt nutzen kann. In der Vergangenheit gab es kaum PC-Spiele, die die Technik unterstützten oder gar voraussetzten. Und wenn es einmal ein kompatibles Game gab, handelte es sich nicht um einen populären Titel mit entsprechender Marketingwirkung. Dies lag laut Dan Forster, PR & Marketing Manager Europa bei Ageia, auch an der für Entwickler nicht ganz einfachen Implementierung der Ageia-Technologie. "Wir haben versäumt, es einfach zu machen", sagt Forster. Mittlerweile gibt es eine "Apex" (Adaptive Physics Extensions) getaufte Entwicklerplattform, die es Programmierern wesentlich erleichtern soll, physikalisch korrekte, in Echtzeit berechnete Simulationen in Spiele zu integrieren.

Ageia hat also noch nicht aufgegeben. Im Gegenteil. Man blickt positiv in die nahe Zukunft und das nicht ohne Grund. Denn mittlerweile hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Spieleentwickler Epic und dessen "Unreal Engine 3" (Spiele-Engine: Softwaregrundgerüst zur Programmierung eines Spiels) geschlossen. Auf dieser Engine basierten in der Vergangenheit nicht nur die sehr erfolgreichen "Unreal"-Spiele, sondern auch weitere erfolgreiche und populäre Spiele. Sie zählt somit zu den wichtigsten Spiele-Engines am Markt. Hinzu kommt, dass es sich bei der Unreal-Engine um eine Open-Source-Software handelt. Jeder Anwender hat die Möglichkeit, selbst Level mit Physik-Effekten für das Spiel zu kreieren ("Modding") und anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Ageia bietet dazu auch ein passendes "Unreal Tournament 3 Physx Mod-Kit" an. Im Übrigen gibt es im aktuellen Spielehit "Unreal Tournament 3" bereits einen zusätzlichen Level, der nur mit einer Physx-Karte gestartet werden kann.

Konzentration auf A-Brands

Ageia will die Partnerschaft mit Epic vor allem dazu nutzen, seine Physik-Beschleuniger-Karten doch noch massentauglich zu machen. Das Unternehmen will sich außerdem ab sofort auf A-Brands konzentrieren, eben jene Spiele, die populär und erfolgreich sind. Für das Jahr 2008 peile man die Unterstützung zwischen sieben und zehn Toptiteln an, so Forster. Und der Manager liegt richtig, denn nur dadurch lässt sich eine Akzeptanz der Technik durch die Anwender aufbauen.

Eine logische Rechnung: Blockbuster-Spiele unterstützen die Ageia-Technik und erhalten somit eine deutlich aufgewertete Optik, ja sogar völlig neue Möglichkeiten der Spielerfahrung. Denn Physik-Effekte sehen nicht nur schön aus, sondern greifen aktiv in den Verlauf eines Spiels ein. Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob der Spieler Mauern wegsprengen und dadurch andere Wege im Spiel begehen kann, oder ob diese Mauern unveränderbar fest im Spiel-Level integriert sind und "nur" umlaufen werden können.

Ein weiterer Bremsklotz für die Verbreitung der Physx-Karten war ihr relativ hoher Verkaufspreis von anfänglich 300 US-Dollar. Ageia hat dies eingesehen und den Preis mittlerweile auf 99 US-Dollar gesenkt. In Deutschland sind die Karten für Händler bereits ab 95 Euro netto in der Distribution erhältlich. Der Straßenpreis für Endkunden liegt bei zirka 120 Euro. Board-Partner von Ageia sind Asus und BFG.

Argumente für den Fachhandel

Die Physx-Karte (hier ein Asus-Modell) kommt in einen herkömmlichen PCI-Steckplatz auf dem Mainboard.
Die Physx-Karte (hier ein Asus-Modell) kommt in einen herkömmlichen PCI-Steckplatz auf dem Mainboard.
¬ªWir haben versäumt, es einfach zu machen¬´ Dan Forster, PR & Marketing Manager EU, Ageia
¬ªWir haben versäumt, es einfach zu machen¬´ Dan Forster, PR & Marketing Manager EU, Ageia

Für den Fachhandel sieht Forster die Chance, mit den Physx-Karten einen neuen Trend setzen zu können. In der Tat haben Wiederverkäufer die Möglichkeit, besondere Rechner anbieten zu können, die aus der Massenware herausstechen. Die Unterstützung der Unreal-Engine gibt auch endlich Verkaufsargumente an die Hand. Außerdem gibt es mit "Warmonger: Operation Downtown Destruction" ein kostenloses Online-Multiplayer-Spiel, das die Physik-Technik unterstützt. Es gibt also populäre Anwendungen für die Physx-Karten, der Kunde muss lediglich über sie aufgeklärt werden.

Meinung des Redakteurs

Eine zusätzliche PCI-Karte für die Berechnung von Physik-Effekten ist berechtigt. Sie verbraucht kaum Strom, und die Möglichkeiten für Programmierer werden enorm erweitert. Außerdem nimmt das Spielerlebnis neue Dimensionen an. Aber die Technik muss für Anwender bezahlbar sein und Spieleentwickler müssen sie unterstützen. Beide Voraussetzungen sind teilweise erfüllt, und so könnten die Physx-Karten im nächsten Jahr doch noch Einzug in den heimischen Spiele-PC halten.