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Snowden-Recherche im Ersten


09.01.2015 - 

Deutschland mitten im Cyber-Krieg

Unsichtbare Bedrohung: Der NDR berichtet unter Berufung auf Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden, dass Deutschland im Zentrum eines globalen Cyber-Kriegs steht. Ein Konflikt, der Leben kosten kann.

Europa ohne Stromversorgung? Wenige Klicks, und genau das kann passieren. Ein gezielter Angriff auf Krankenhäuser und Banken? Kein Problem, die Geheimdienste arbeiten dran. Wirtschaftssabotage? Selbstverständlich. Denn der Cyber-Krieg ist schon im Gange, und Deutschland steht in seinem Zentrum - das ist die Botschaft der NDR-Dokumentation "Schlachtfeld Internet - Wenn das Netz zur Waffe wird", die das Erste am kommenden Montag um 23.30 Uhr sendet. Sie basiert auf geheimen Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden.

Wie real die Bedrohung ist, hat erst vor wenigen Tagen ein Hacker-Angriff auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gezeigt. Stundenlang war ihre Webseite nicht zu erreichen - ein harmloser Zwischenfall im Vergleich zu den Gefahren, die die Dokumentation beleuchtet. "Der globale Krieg ist längst ausgebrochen", heißt es darin, das Wettrüsten habe begonnen und sprenge alle Dimensionen. Die Kriege der Zukunft werden digital gesteuert. An Bedrohungsszenarien sparen die Autorinnen Alexandra Ringling und Svea Eckert nicht.

Edward Snowden in einem früheren ARD-Interview
Edward Snowden in einem früheren ARD-Interview

Ein Snowden-Interview, das James Bamford für den NDR, den amerikanischen Sender WGBH und Servus TV aus Österreich führte, bildet dabei das Herzstück. Auf einem USB-Stick erhielten die Autoren Tausende geheime Dokumente, die belegen sollen, wie aggressiv die NSA nach der Kontrolle des Internets strebt. Darunter auch das "black budget", der US-Geheimdiensthaushalt. Viele Millionen Dollar stehen den Amerikanern demnach für Angriffe auf die digitale Infrastruktur zur Verfügung. Angriffe, die am Ende auch Menschenleben kosten können, sagt Snowden.

Im Juni 2013 hatte der heute 31-Jährige mit seiner ersten Veröffentlichung von NSA-Dokumenten die Weltpolitik in Aufruhr versetzt. Sein Auftreten wirkt auch im neuen Interview brav - schlichte Brille, blaues Hemd, graues Sakko. Aber die Enthüllungen sind wieder ungeheuerlich: "Wenn Internetknotenpunkte ausgeschaltet werden, können die Leute nicht mehr die Feuerwehr oder die Polizei rufen. Wenn ein Krankenhaus attackiert wird, können lebenswichtige Maschinen abgeschaltet werden." Mehr als 70.000 Systeme könne die NSA schon jetzt jederzeit manipulieren, und auch andere Regierungen mischen mit im digitalen Kampf.

Snowdens Appell lautet daher: "Das Internet sollte Frieden und Demokratie fördern und keine Waffe sein." Doch bislang gehen Politik, Wirtschaft und private Nutzer zu leichtfertig mit den Gefahren um, sagt Matthias Gärtner, Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Eine Million Rechner in Deutschland seien bereits mit Schädlingen infiziert. "Staatliche Organisationen greifen gezielt unsere Wirtschaft an", sagt IT-Experte Götz Schartner.

Schwachstellen gebe es viele. So zeigt die Doku, dass der Iran einen Angriff auf das US-Bankensystem über einen deutschen Server leitete. Zuvor hatten die USA ihrerseits das Atomprogramm des Iran sabotiert, mit dem komplexen Computerwurm Stuxnet, der laut Snowden alleine 50 Millionen Dollar kostete. Das befallene System kam von Siemens.

"Wir gehen davon aus, dass es einigen Menschen, besonders in den USA, nicht gefällt, dass wir diesen Film zeigen", sagt Dirk Neuhoff, Leiter der Abteilung Dokumentation beim NDR. Die Autorinnen Ringling und Eckert haben nach ihrer mehrmonatigen Recherche hingegen vor allem das deutsche Publikum im Sinn. Sie sagen: "Wer jetzt wegschaut, setzt den Frieden aufs Spiel." (dpa/tc)

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