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26.04.2007

Erdbeobachtungssystem neuer Hoffnungsträger für EU-Industrie

BRÜSSEL (Dow Jones)--Während der Aufbau des milliardenteuren und prestigeträchtigen EU-Satellitennavigationssystems Galileo in der Krise steckt, setzt die Europäische Union offenbar verstärkt auf ein neues Weltraumprojekt, um der europäischen Industrie Wachstumsimpulse zu geben. "Wir streben die weltweit führende Rolle bei der Erdbeobachtung an", sagte Industriekommissar Günter Verheugen am Donnerstag bei der Vorstellung einer europäischen Weltraumstrategie. Ab 2014 soll das zivil und militärisch nutzbare System "Global Monitoring for Environment and Security" (GMES) von jedem Punkt der Erde in kürzester Zeit scharfe Bilder und Messdaten liefern. "Das wird unser Flagschiff-Projekt", sagte Verheugen. Dagegen kommt der Aufbau des bisherigen Hoffnungsträgers Galileo durch ein privatwirtschaftliches Konsortium nicht voran. Ende 2010 soll das System als Konkurrenz zum US-System GPS starten, aber bisher haben die beteiligten Unternehmen nicht einmal eine arbeitsfähige Betreibergesellschaft gegründet. Sie sind sich untereinander über die Aufgabenverteilung nicht einig und haben außerdem ihre Forderungen bei den Haftungsrisiken, die die öffentliche Seite tragen soll, mehrfach hochgeschraubt. Galileo ist das erste große öffentlich-private Partnerschaftsprojekt auf EU-Ebene. Die EU-Verkehrsminister haben den acht Firmen ein Ultimatum bis zum 10. Mai gesetzt, um eine Betreibergesellschaft zu gründen. Die EU-Kommission soll unterdessen Alternativen prüfen, die zur Not auch eine neue Ausschreibung beinhalten könnten. Die Verkehrsminister wollen bei ihrem Treffen im Juni über das weitere Vorgehen beraten. Verheugen sagte, Galileo sei immer noch ein "essentielles Projekt" und es komme nicht in Frage, es aufzugeben. Das Europäische Parlament hat am Donnerstag in einer Resolution einen "verlässlichen Fahrplan" für Galileo gefordert und alternative Vorschläge für die Realisierung der geplanten Anwendungen. Das Parlament zeigte sich "tief besorgt" über den monatelangen Stillstand der Verhandlungen über die Betreibergesellschaft und fürchtet durch die Verzögerungen eine "deutliche" Erhöhung der Kosten. Diese werden auf mindestens 3,6 Mrd EUR geschätzt. Vor allem von den Anwendungen der Weltraumtechnik verspricht sich die EU viel für die eigene Wirtschaft. 2005 hat der weltweite Markt für Satellitennavigation laut Verkehrskommissar Jacques Barrot einen Wert von 16 Mrd EUR gehabt. Für 2020 werde ein jährlicher Umsatz von über 300 Mrd EUR erwartet. Allein in der EU erwarte man rund 150.000 neue Arbeitsplätze. Diese erhofft sich die Kommission vor allem in hoch technisierten Bereichen in der Forschung, der Anwendung und im Dienstleistungssektor. Nun soll offenbar GMES die Rolle des Hoffnungsträgers von Galileo übernehmen. Die von Raumfahrttechnik abhängige Industrie sei weltweit gesehen fünfmal größer als die Weltraumindustrie selbst, betonte die Kommission am Donnerstag. Raumfahrt und ihre Anwendungen stellten einen globalen Markt von 90 Mrd EUR dar, der überdies um 7% pro Jahr wachse. Deshalb müsse Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Weltraumindustrie durch Investitionen in neue Technologien und operationelle Systeme aufrecht erhalten. Neue Wettbewerber wie China und Indien holten bereits auf. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos erklärte für die EU-Ratspräsidentschaft: "Raumfahrt wird immer wichtiger bei der Lösung globaler Fragen, wie zum Beispiel beim Klima- oder Katastrophenschutz, und als Schlüsseltechnologie der Informationsgesellschaft". Das neue Erdbeobachtungssystem kann laut Kommission für viele Anwendungen genutzt werden: Es könne sowohl Fischern den Weg zu den besten Fanggründen weisen als auch illegale Fischer entdecken. Es ermögliche Landwirten den optimalen Düngemitteleinsatz, erleichtere die Kontrolle der rechtmäßigen Verwendung von Agrarbeihilfen oder könne illegale Waldrodungen aufdecken. DJG/frh/ang/apo

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