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30.08.2007

FOKUS: Internet-Fernsehen kann Medienwelt revolutionieren

Von Stefan Paul Mechnig

Von Stefan Paul Mechnig

Dow Jones Newswires

BERLIN (Dow Jones)--Der knallharte Wettbewerb auf dem deutschen Breitbandmarkt zwingt die Telefonkonzerne, ihr Heil in zusätzlichen Angeboten zu suchen. Ein großer Hoffnungsträger ist das Internet-Fernsehen, mit dem die Deutsche Telekom jetzt zur Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin einen zweiten Anlauf unternimmt. Im Herbst will der Wettbewerber Arcor folgen. Glaubt man Experten, dann sind die hohen Investitionen gerechtfertigt: IP-TV könne die Medienwelt revolutionieren und mittelfristig Millionen von Nutzern anziehen.

"Der deutsche TV-Markt steht technologisch und strukturell vor dem größten Veränderungsprozess seit der Einführung des Farbfernsehens", sagt Thomas Künstner voraus, Medienexperte bei der internationalen Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Zwar bleibe der konventionelle Fernseher auch im Zeitalter des Internets das Zentrum des Wohnzimmers und der Mediennutzung. Aber das Digital-TV verändere das Nutzungsverhalten der Zuschauer, die Verteilung der Inhalte und die Geschäftsmodelle der Sender.

"Schon 2010 werden nach unseren Berechnungen in Deutschland bis zu 2,8 Mio Haushalte mit IP-TV ausgestattet sein", glaubt Künstner. Bei einer offensiven Vermarktung von Internet-TV-Anschlüssen und einfach zu bedienenden Endgeräten könne es bis 2015 zu einer Verdreifachung der Zahl der TV-Haushalte kommen. Sie empfingen über das Highspeed-Internet Hunderte von Programme. Dies beschere der Medien- und Telekommunikationsindustrie Endnutzerumsätze von knapp 14 Mrd EUR, so der Experte.

Angesichts dieser rosigen Aussichten sind aus Künstners Sicht die hohen Anlaufinvestitionen für IP-TV gerechtfertigt. In der Tat müssen Telefonfirmen wie die Telekom erhebliche Summen für den Aufbruch in die Medien aufbringen. Der Bonner Konzern zieht für 3 Mrd EUR sein superschnelles VDSL-Netz hoch, über das er das verbilligte und erweiterte "Triple-Play"-Angebot aus Telefon, Surfen und Fernsehen übers Internet laufen lässt, das er zur IFA präsentierte. Hinzu kommt neuerdings die ebenfalls rasche Übertragungstechnik ADSL2+.

Vor diesem Hintergrund hält Telekom-Chef Rene Obermann nun den Durchbruch für möglich: "IP-TV ist marktreif", versicherte der Manager, nachdem sich der Vermarktungsstart vor einem Jahr als Flop erwiesen hatte - bis jetzt kommt der Bonner Konzern gerade mal auf eine fünfstellige Nutzerzahl. Bis Ende 2007 sollen bis zu 200.000 Kunden für "Triple Play" gewonnen werden; ursprünglich hatte sich die Telekom, die inzwischen auch praktisch alle anderen Geschäftsziele zusammenstreichen musste, eine Million vorgenommen.

Ein Grund für den mäßigen Anklang waren die als viel zu hoch empfundenen Preise. Nun wirbt der rosa Riese, der ein Bouquet von bis zu 145 Sendern bietet, mit einer Reduktion um 16%: Das Basisangebot ist jetzt ab knapp 60 EUR, die Komfortversion für bis zu 85 EUR erhältlich, hinzu kommen Zubuchoptionen wie die Bundesliga für 10 EUR. "Das ist das beste Telekommunikationsprodukt, das Sie momentan in Deutschland kaufen können", wirbt Festnetzchef Timotheus Höttges.

Konkurrent Hansenet, der als erster deutscher DSL-Anbieter mit "Triple Play" an den Markt gegangen ist, kommt allerdings einiges preiswerter daher. Dafür bietet die Standardvariante zu knapp 45 EUR aber eine viel geringere Übertragungsleistung. Die Telecom-Italia-Tochter hat derzeit 13.000 IP-TV-Kunden. Spätestens 2008 müsse die Nutzerzahl aber sechsstellig werden, um erfolgreich zu sein, heißt es beim Unternehmen.

Dritter Spieler ist die zum Vodafone-Konzern gehörende Arcor, die seit Mai ein Testprojekt zum Internet-Fernsehen laufen hat. In den kommenden Wochen soll in 13 Städten der Startschuss am Markt fallen mit mehr als 50 frei empfangbaren und über 70 Bezahlsendern. Bis Mitte kommenden Jahres will Arcor IP-TV samt Telefon und Internet dann in 150 Kommunen offerieren. Die Preise liegen nach den bisherigen Vorstellungen zwischen 50 und 61 EUR.

Die Telefonkonzern sind freilich nicht die einzigen, die bei Internet-Fernsehen und "Triple Play" mitmischen. Kabelfernsehanbieter gehen den umgekehrten Weg und bieten ihre digitalen Programme seit einiger Zeit in Verbindung mit Telefon- und Web-Verbindungen an. Auch hier sind die Nutzerzahlen noch bescheiden - bei 3,7 Mio digitalen TV-Anschlüssen gibt es gerade mal 630.000 Internetsurfer und 430.000 Telefonkunden.

Webseiten: http://www.telekom3.de,

http://www.arcor.de

http://www.hansenet.de

-Von Stefan Paul Mechnig, Dow Jones Newswires, ++ 49 (0) 211 - 13 87 213,

TMT.de@dowjones.com

DJG/stm/cbr

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