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19.08.2013 - 

Und es geht doch - Breitband per Glasfaser auf dem Land

Gemeinde baut schnelles Internet selbst

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit 100 Mbit/s per Glasfaser ins Internet? Davon können Bewohner ländlicher Regionen in der Regel nur träumen, denn selbst der Wunsch nach einem leistungsfähigen DSL-Anschluss geht häufig nicht in Erfüllung. Dass Glasfaser auf dem Land doch möglich ist, zeigt die bayerische Gemeinde Essenbach: Sie verlegt ihr eigenes Glasfasernetz.
In fünf Baulose ist der eine Länge von 140 km umfassende Glasfaserausbau in Essenbach unterteilt.
In fünf Baulose ist der eine Länge von 140 km umfassende Glasfaserausbau in Essenbach unterteilt.
Foto: Mnet/Gemeinde Essenbach

Bis zum ersten Spatenstich zum Bau eines eigenen Glasfasernetzes war es für Fritz Wittmann, 1. Bürgermeister der Marktgemeinde Essenbach bei Landshut, eine Heidenarbeit. An dem Projekt, das für viele einen Leuchtturmcharakter hat - die Glasfasern reichen bis in die Gebäude-, arbeitet Wittmann bereits seit 21 Monaten. In dieser Zeit musste er nicht nur die eigenen Bürger überzeugen, sondern sich auch mit EU-Ausschreibungen, Vertragsverhandlungen etc. plagen. Aber die Mühe hat sich gelohnt: Gegen Ende des Jahres können die ersten Bürger der knapp 12.000 Einwohner zählenden Gemeinde dann mit 100 Mbit/s per Glasfaser ins Internet gehen. Dabei sind die 100 Mbit/s nur ein erster Schritt, denn über die Glasfaserinfrastruktur können später auch Bandbreiten von über einem Gbit/s gefahren werden.

Möglich wurde dies, weil man sich in Essenbach nicht auf die Sonntagsreden der Bundes- und Landespolitiker verließ und auf irgendwelche angekündigten Förderungsprogramme und Zuschüsse wartete, sondern selbst aktiv wurde. So baut die Marktgemeinde das Glasfasernetz beispielsweise in eigener Regie und vermietet es dann später an den bayerischen Regional-Carrier Mnet. Die Investitionskosten für das Netz liegen dabei im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Und noch etwas unterscheidet das Essenbacher-Projekt von den populistischen "Breitband für Alle"-Marktschreiern aus Politik und Interessensvereinigungen: Die Bürger beteiligen sich teilweise finanziell am Glasfaserausbau. So zahlen sie eine Kostenbeteiligung von 250 Euro plus MwSt., wenn sie sich jetzt für einen Hausanschluss entscheiden. Für Bürger, die einen Vorvertrag abgeschlossen haben, fällt keine Kostenbeteiligung an. Nachzügler, die sich erst nach Abschluss Bauarbeiten entscheiden, müssen dann mit Kosten von über 2000 Euro rechnen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten im ländlichen Raum, wird in Essenbach die Glasfaser bis in die Gebäude verlegt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten im ländlichen Raum, wird in Essenbach die Glasfaser bis in die Gebäude verlegt.
Foto: Mnet/Essenbach

Allerdings haben über 50 Prozent der Essenbacher Bürger im Rahmen der Vorvermarktung bereits einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Sowohl Gemeinde als auch Mnet sehen dies als Beleg dafür, wie groß das Interesse aber auch das Bedürfnis nach einem schnellen, modernen und leistungsfähigen Anschluss an die Datenautobahn ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Breitbandausbau-Projekten im ländlichen Raum, reichen die Glasfaserleitungen in Essenbach nicht nur bis zum Kabelverzweiger am Straßenrand, sondern werden in die einzelne Gebäude hinein gelegt. In einem ersten Schritt wird dafür eine Technikzentrale, der sogenannte FiberCollect-Raum in Essenbach errichtet. Von dort aus wird die neue Glasfaserinfrastruktur sternförmig in die Ortsteile aufgebaut. Für die Erschließung der einzelnen Haushalte werden auf einer Länge von 140 Kilometer neue Glasfasertrassen ausgehoben. Nach dem Bau der passiven Infrastruktur wird diese dann von der Gemeinde an Mnet vermietet. Mnet selbst implementiert die aktive Technik und übernimmt die Wartung und den Service des Netzes sowie die Bereitstellung der Dienste.

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