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05.07.2006

Heimische Klangwelten

von Boris Böhles

Warum gehen Sie eigentlich noch ins Kino? Moderne Audio- und Video-Technik ermöglicht es, das Kinoerlebnis in fast jedem Wohnzimmer zu realisieren. Beamer und Flach-TVs halten vermehrt Einzug, mittlerweile hat fast jeder einen DVD-Player und so richtig los geht der Spaß mit HDTV. Vorausgesetzt, man besitzt die entsprechend kompatiblen Empfangsgeräte und Kabel. Hinzu kommt das mittlerweile über alle Schnittstellen (Satellit, Kabel und Antenne) verfügbare Digitalfernsehen, das dem Zuschauer ein breites Spektrum an Zusatzfunktionen gegenüber der Analogtechnik liefert. Vor allem der von der DVD bekannte 5.1-Surround-Sound lässt sich via Digitalfernsehen empfangen, sofern der Sender ein entsprechendes Signal sendet.

Kinosound daheim

Für echten Surround-Sound reicht es jedoch nicht, ein paar Lautsprecher in der Wohnung aufzustellen. Sie benötigen einen AV-Receiver, der digitale Tonsignale (von DVD oder digitalem Fernsehen) dekodiert und ein daran angeschlossenes 5.1-Lautsprechersystem, das mindestens aus fünf Boxen (zwei Front-, ein Center- und zwei Surround-Lautsprecher) und einem Subwoofer besteht. Die einzelnen Boxen werden separat (diskret) mit Tonsignalen versorgt.

Aufgrund der aufkommenden Datenmenge wird Mehrkanalton komprimiert. Die beiden Standardverfahren sind Dolby Digital und DTS. Aktuelle AV-Receiver beherrschen in der Regel beide Standards. Ausnahmen bilden vereinzelte Billigangebote, die nur die Dolby- Digital-Technik unterstützen. Von diesen Geräten ist jedoch abzuraten.

AV-Receiver gibt es in den unterschiedlichsten Preisklassen. Die bekannten Hersteller sind Denon, Harman-Kardon, Marantz, Kenwood, Onkyo, Panasonic, Pioneer, Sony und Yamaha. Sie alle haben unterschiedlich teure Geräte im Angebot, angefangen von unter dreihundert bis hin zu mehreren Tausend Euro. Der Preisunterschied ergibt sich zum einen durch den Einsatz unterschiedlich leistungsstarker Endstufen, zum anderen aus der differierenden technischen Ausstattung und der Qualität der Verarbeitung.

Grundsätzlich gilt: Geräte ab 2.000 Euro aufwärts kommen nur für Highend-Enthusiasten in Frage. Für den Heimkino-Einsteiger sowie den anspruchsvollen Home-Cinema-Konsumenten reichen günstigere Modelle meist aus. Außerdem muss der A/V-Receiver auch in Abhängigkeit der Lautsprecher ausgewählt werden. Teure und leistungsstarke Lautsprechersysteme sollten nicht mit billigen AV-Receivern kombiniert werden, da diese oftmals nicht die geforderte Leistung erbringen können. Umgekehrt sind teure AV-Receiver mit Einstiegs-Lautsprechersystemen hoffnungslos unterfordert. Damit man nicht unnötig Geld zum Fenster rausschmeißt, sollte also ein ausgewogenes Preis- und Qualitätsverhältnis zwischen Receiver und Lautsprecherboxen herrschen.

Mittlerweile unterstützen fast alle AV-Receiver den Aufbau eines 6.1- oder 7.1-Systems. Hierbei werden ein oder zwei zusätzliche Surround-Back-(SB)Lautsprecher aufgestellt, die sich hinter dem Zuschauer befinden. Je nach Standard und Quellsignal wird der Ton für diese Lautsprecher künstlich oder diskret erzeugt. Dolby und DTS bieten dazu verschiedene Verfahren an (siehe Kasten).

Ein 6.1- oder 7.1-System ist allerdings nicht zwangsläufig einem 5.1-Aufbau vorzuziehen. Hier kommt es auf die individuellen räumlichen Gegebenheiten beim Endverbraucher an.

Es empfiehlt sich, die beiden Surround-Back-Lautsprecher in exakt gleicher Höhe der Surround-Lautsprecher aufzustellen. Außerdem sollte der Hörer mindestens in einem Abstand von eineinhalb Metern zu den SBs sitzen. Kann dies nicht realisiert werden, klingt ein herkömmliches 5.1-System oftmals besser und ist zu bevorzugen.

Faustregeln

Bei der Auswahl der Heimkinoanlage spielen Räumlichkeiten und Einsatzzweck eine wesentliche Rolle. Wie groß ist der zu beschallende Raum und wie laut möchte man dort hören? Prinzipiell gilt: Je größer der Raum, umso leistungsstärker sollten AV-Receiver und Lautsprecher sein.

Wenn ein Raum größer als 25 Quadratmeter ist, sollte der AV-Receiver mindestens 100 Watt pro Kanal leisten. Letztendlich empfiehlt es sich aber, ein Surround-System direkt am späteren Einsatzort - also im heimischen Wohnzimmer - zu testen, bevor man sich entscheidet. Was im Vorführraum des Händlers spitze klingt, reißt einen womöglich zu Hause nicht vom Hocker und umgekehrt. Wichtig ist auch, den Receiver über einen längeren Zeitraum zu belasten, um festzustellen, ob die Leistung nicht einbricht. Vor allem bei günstigeren AV-Receivern empfiehlt es sich in jedem Falle, einen aktiven Subwoofer ein- zusetzen und somit die Standlautsprecher zu entlasten. Wenn diese sich nämlich um leistungshungrige Bass-Signale kümmern müssen, erhöht sich die Gefahr eines Leistungseinbruchs des Receivers.

Schnittstellen

Über welche Schnittstellen ein AV-Receiver verfügen sollte hängt wiederum vom Benutzer ab. Man muss sich vorher im Klaren darüber sein, welche Geräte man anschließen möchte. Wichtig ist, darauf zu achten, wie viele Analog- und Digitalschnittstellen benötigt werden.

Eine Schnittstelle der Zukunft wird in jedem Fall HDMI sein. Geräte wie beispielsweise der heute bereits verfügbare "AVR-4306" von Denon können zum einen digitale HDMI-Bildsignale weiterreichen und zum anderen analoge Videosignale in digitale HDTV-Signale umrechnen und sie via HDMI an einen Fernseher leiten. Das erspart zusätzliche Verkabelungen.

Achtung: Zukünftige HD-Audioformate wie DTS-HD, Dolby Digital Plus und Dolby TrueHD lassen sich ohne eine Umwandlung nur über den kommenden HDMI-Standard 1.3 übertragen. Aktuelle Geräte, die "nur" über den HDMI-Standard 1.1 verfügen, müssen die HD-Signale in unkomprimierte PCM-Signale umrechnen, um sie digital zu übertragen.

Interessante Schnittstellen sind zudem Ethernet- und USB-Ports. Über sie lassen sich AV-Receiver mit einem Netzwerk beziehungsweise PC verbinden.

So können Medieninhalte über das Netzwerk oder vom PC oder Notebook über den Receiver abgespielt, aber auch Firmware-Updates auf den AV-Receiver eingespielt werden. Manche Modelle besitzen sogar explizit eine Schnittstelle für den iPod von Apple.

Beratungssache

Es wird deutlich, wie komplex die Thematik rund um eine Heimkino-Anlage respektive um AV-Receiver und die dazugehörigen Lautsprecher geworden ist. Viele Endkunden stehen vor einem Wirrwarr an Standards und Schnittstellen. Die zukünftigen HDTV-Formate verkomplizieren die Situation erneut und machen die Verwirrung perfekt. Andererseits wird die Massenverbreitung von hochauflösendem Fernsehen eine verstärkte Nachfrage nach Surround-Anlagen mit sich bringen. Nachdem der Flachbildschirm an der Wand hängt, ist der logische nächste Schritt, dem knackscharfen Bild einen angemessenen Ton zu verpassen. Der Bedarf an Kaufberatung und vor allem an der Installation im Wohnzimmer des Kunden ist immens.

Für Fachhändler ergibt sich so ein Markt, der sicherlich Potenzial in sich birgt. Allerdings ist aufgrund der Komplexität dieses Bereichs darauf zu achten, sich und seine Möglichkeiten nicht zu überschätzen. Mit zwei Receivern und ein paar Boxen hinter der Ladentheke lässt sich kein seriöses Heimkino-Geschäft betreiben. Know-how und Ladenräumlichkeiten sowie eine großes Produktportfolio müssen gewährleistet sein.