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19.06.2009

INTERVIEW/Axel Springer-CEO setzt auf bezahlte Online-Inhalte

Von Archibald Preuschat DOW JONES NEWSWIRES

Von Archibald Preuschat DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die Axel Springer AG rechnet damit, dass Kunden künftig für hochwertige Online-Inhalte zu zahlen bereit sind. Dies sagte Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner in einem Interview mit Dow Jones Newswires. Axel Springer, Herausgeber von Europas auflagenstärkster Tageszeitung, Bild, ist allerdings bereits jetzt erfolgreich im Online-Geschäft positioniert.

Die Zeitungsbranche wurde vom krisenbedingten Abschwung im Anzeigengeschäft arg gebeutelt, zudem wandert Werbung immer stärker ins Internet. Schwergewichte der Branche wie Rupert Murdoch, Chairman und CEO der News Corp, hat dies bereits dazu bewogen, sich für bezahlte Online-Inhalte als einzigem Weg aus dem unter Druck geratenen Geschäftsmodell vieler Zeitungen auszusprechen.

Dow Jones und damit diese Nachrichtenagentur gehören zu News Corp.

"Kostenlose Online-Inhalte allein sind kein Geschäftsmodell mit Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass Kunden innerhalb der nächsten fünf Jahre bereit sein werden, für qualitativ hochwertige Inhalte im Netz zu zahlen", sagte Döpfner in einem Exklusiv-Interview mit Dow Jones Newswires. Döpfner unterstrich jedoch, dass die Online-Geschäftsmodelle des Verlages nicht auf einem Durchbruch der Bezahl-Inhalte basierten.

Döpfner, Vorstandsvorsitzender des zweitgrößten deutschen Verlags, verfolgt das Ziel, aus dem Print-Verlag ein Multimedia-Unternehmen zu machen. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Hälfte des Umsatzes aus dem Onlinegeschäft kommen. Derzeit erzielt das Unternehmen hier bereits 17% des Umsatzes und 8% der operativen Ergebnisses. Dazu tragen Bild.de, das Preisvergleichsportal Idealo und der Mehrheitsanteil an au.feminin, einem auf die weibliche Zielgruppe ausgerichteten Onlineportal, bei.

Döpfner kündigte an, er werde die Multimedia-Präsenz des Verlages durch organisches Wachstum und Akquisitionen erweitern. Wenig Interesse signalisierte er aber an einem neuen Anlauf, die Senderkette ProSiebenSat.1 Media AG zu übernehmen. Kartellrechtliche Einwände hatten im Jahr 2006 eine Übernahme scheitern lassen. Die Chancen auf einen erneuten Übernahmeversuch bei ProSiebenSat.1, derzeit mehrheitlich im Besitz der Finanzinvestoren Permira und Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), seien bereits gering "und werden von Monat zu Monat geringer", sagte Döpfner.

Während viele Medienunternehmen in Europa Kosten abbauen, wollte Döpfner Zukäufe nicht ausschließen und nannte als mögliches Ziel auch TV-Aktivitäten in Polen, Ungarn, der Schweiz und in Frankreich, wo Springer bereits starke Marktpositionen hat. Es gebe aber "keine konkreten Pläne", sagte Döpfner. Die Axel Springer AG ist in 35 Ländern aktiv.

Denkbar seien ebenfalls Zukäufe im Print-Bereich. Erst jüngst hat der Konzern mit dem polnischen Medienunternehmen Infor PL ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das im Herbst eine neue polnische Zeitung herausgeben soll. Doch liege der Schwerpunkt eindeutig im Ausbau der Online-Aktivitäten.

Zwar habe man mehrere Ziele im Blick, doch gebe es keinen Druck schnell zu handeln, sagte Döpfner. Er verwies auf die gesunde Konzernbilanz. So verfüge Axel Springer über freie Kreditlinien im Volumen von 1,2 Mrd EUR, die vor 2012 nicht erneuert werden müssten und sei per Ende März netto mit 335 Mio EUR verschuldet.

"Es hat sich als vorausschauend erwiesen, besser weniger Schulden als viele zu haben", sagte Döpfner.

Wie Dow Jones Newswires bereits Donnerstag berichtet hat, sieht Döpfner gegenwärtig noch keine Zeichen einer Erholung in der deutschen Medienbranche, rechne aber mit einem Aufschwung der Branche spätestens 2010.

Die Axel Springer AG hat das erste Quartal 2009 mit einer relativ robusten 2,1-prozentigen Steigerung beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) vor Sonderfaktoren abgeschlossen. Allerdings sei das erste Quartal 2008 von Sondereffekten im Volumen von 20 Mio EUR belastet gewesen, sagte Döpfner. Im Interview mit dieser Nachrichtenagentur warnte er davor die Geschäftsentwicklung des ersten Quartals auf das Gesamtjahr fortzuschreiben und sagte, dass 2009 "ein schwieriges Jahr" werde.

Webseite: http://www.axelspringer.de - Von Archibald Preuschat, Dow Jones Newswires, +49 211 138 7218, archibald.preuschat@dowjones.com DJG/DJN/mak/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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