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23.02.2012

INTERVIEW: Boom im deutschen Maschinenbau ist vorbei

--VDMA-Chefvolkswirt erwartet Stagnation 2012 --Schwächere Entwicklung der Schwellenländer erwartet --Produktionswachstum fällt 2011 geringer aus als prognostiziert --Unternehmen sehen ihre Lage positiv Von Natali Schwab und Todd Buell DOW JONES NEWSWIRES

--VDMA-Chefvolkswirt erwartet Stagnation 2012 --Schwächere Entwicklung der Schwellenländer erwartet --Produktionswachstum fällt 2011 geringer aus als prognostiziert --Unternehmen sehen ihre Lage positiv Von Natali Schwab und Todd Buell DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Boom im deutschen Maschinenbau ist vorbei. Nach einem zweistelligen Wachstum im vergangenen Jahr erwartet der Branchenverband VDMA für 2012 eine Stagnation - und verabschiedet sich von seiner früheren Wachstumsprognose. Als Grund nennt Chefvolkswirt Ralph Wiechers im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland und Dow Jones Newswires eine schwächere Entwicklung in den Schwellenländern.

Überraschenderweise steht nicht die Eurokrise an erster Stelle, wenn Wiechers über die Erwartungen im deutschen Maschinenbau spricht. Ja, die Eurokrise wirke sich negativ auf die Nachfrage in den Schuldenländern wie Italien oder Spanien aus, räumte er ein. Die Eurokrise und ihre Auswirkungen seien dabei eine Gefahr, "die nicht vorausschaubar ist".

Für den exportgetriebenen deutschen Maschinenbau sieht er eine Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenländern aber als das größere Problem. Weil die Nachfrage aus Ländern wie China oder Indien zurückgeht, senkte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Prognose für 2012.

In China bekomme der Maschinenbau die Spätfolgen der Überhitzung der Märkte zu spüren, erläuterte Wiechers. Die geldpolitischen Manöver der dortigen Regierung, um mit einer Verknappung der Kredite die Konjunktur abzukühlen und der Inflation Einhalt zu gebieten, zeigten Wirkung. Außerdem seien Konjunkturprogramme, die die Nachfrage angeheizt hatten, ausgelaufen.

"Wir erwarten eine Stagnation der Produktion", sagte Wiechers. Ursprünglich hatte der Verband ein Plus von 4 Prozent prognostiziert. Vor allem in den ersten Monaten des Jahres geht der VDMA von einer schwächeren Umsatz- und Produktionsdynamik aus, die sich ab der zweiten Jahreshälfte wieder erholen könnte. Wiechers warnte jedoch vor Schwarzmalerei für die stark zyklische Branche: "Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir sehen keinen Abschwung, sondern eine Atempause".

Die schwache Nachfrage aus dem Ausland hatte bereits in den Schlussmonaten des vergangenen Jahres die Produktion belastet. Die angestrebte Prognose von einem Produktionswachstum von 14 Prozent für 2011 verfehlte die Branche - am Ende standen lediglich zu Buche. Die Spitze des Booms sei bis April und Mai erreicht worden, sagte Wiechers. Das vergangene Jahr war damit das zweite starke Wachstumsjahr in Folge, nachdem die Produktion 2010 um knapp 9 Prozent gestiegen war.

Im Jahr 2009 hatte die Branche einen nahezu beispiellosen Einbruch erlebt, die Produktion fiel um knapp 25 Prozent. Das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008, als ein Produktionswert von 196 Milliarden Euro erzielt wurde, hat der Maschinenbau noch nicht wieder erreicht. Ursprünglich wäre dies mit dem eigentlich anvisierten Wachstum von 4 Prozent 2012 bereits wieder möglich gewesen. Dieses Ziel verschiebt sich nun. Wiechers bleibt trotzdem optimistisch: "Ich halte es für realistisch, diesen Peak auf absehbare Zeit wieder zu erreichen".

Erstaunlich für Wiechers ist es, dass trotz der öffentlichen Krisenängste die Unternehmen selbst ihre Lage optimistisch einschätzen. "Die Wahrnehmung ist deutlich positiver als die Zahlen es zeigen", sagte der Chefvolkswirt. Dies liege an immer noch guten Umsätzen, der hohen Auslastung und das hohe Beschäftigungsniveau.

Allerdings gibt es in der Branche, die sehr heterogen ist, deutliche Unterschiede. Während etwa automobilnahe Maschinenbauer derzeit von der guten Situation der Autobranche profitieren, sieht es etwa bei den Druckmaschinenherstellen düster aus. Unternehmen wie Heidelberger Druck senken Kapazitäten und bauen Stellen ab. Der Traditionshersteller manroland musste Insolvenz anmelden und wurde zerschlagen.

Keine Schwierigkeiten sieht Wiechers derzeit bei Finanzierungfragen. "Wir sehen aktuell für den deutschen Maschinenbau keine grundsätzlichen Finanzierungsengpässe", sagte der VDMA-Chefvolkswirt. Bei Großprojekten allerdings, bei denen Co-Finanzierungen durch mehrere Banken nötig sind, etwa bei Windparks, könne es zu Problemen kommen - dadurch, dass Banken das Risiko scheuten und sich gegenseitig nicht vertrauten. Aber auch Finanzierungsengpässe der Kunden vor allem in Südeuropa seien derzeit ein Thema, dass die Branche im Auge behalte.

Insgesamt stellt Wiechers dem deutschen Maschinenbau ein guten Zeugnis aus. Die Unternehmen seien gut aufgestellt und flexibel genug, um auf Krisen reagieren zu können. Dies habe sich in der ersten Krise 2008/09 gezeigt, von der sich die Branche deutlich schneller erholt habe als erwartet.

Mit rund 948.000 Mitarbeitern gilt der Maschinenbau als der größte industrielle Arbeitgeber Deutschlands.

-Von Natali Schwab und Todd Buell, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com DJG/nas/apo/hab

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