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22.08.2013 - Umfrage unter Studenten

Junge IT-lerinnen verkaufen sich unter Wert

Christiane Pütter ist freie Journalistin.
Junge Informatikerinnen setzen bei der Jobsuche stärker auf Sicherheit und eine ausgewogene Work-Life-Balance als ihre männlichen Kollegen. Außerdem verlangen sie weniger Geld.
Informatik-Studentinnen können sich seltener als ihre männlichen Kommilitonen vorstellen, später Führungsaufgaben zu übernehmen.
Informatik-Studentinnen können sich seltener als ihre männlichen Kommilitonen vorstellen, später Führungsaufgaben zu übernehmen.
Foto: Yuri Arcurs/Fotolia.de

Junge Informatiker sind eben doch anders. Während die gesamte deutsche Studentenschaft über alle Fachrichtungen hinweg am liebsten für Audi, BMW und Porsche arbeiten möchten, setzen IT-ler andere Prioritäten. Sie würden nach Studienabschluss am liebsten zu Google, Microsoft oder Apple gehen. Das hat die Agentur Universum Communications im Auftrag des Magazins Wirtschaftswoche herausgefunden.

Für die Studie "Universum Student Survey 2013" haben die Kölner Forscher insgesamt rund 22.000 Studierende befragt. Das Kapitel IT/Informatik basiert auf den Angaben von 2.084 jungen Männern und 559 jungen Frauen. In den Antworten zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die teilweise gängige Klischees bestätigen.

Diese ergeben sich bei der Wahl des Wunscharbeitgebers jedoch erst auf Platz vier. Bei den IT-Studenten zeigt sich damit folgende Rangliste:

  1. Google

  2. Microsoft

  3. Apple

  4. Audi

  5. SAP

  6. IBM Deutschland

  7. Intel

  8. Amazon

  9. BMW Group und Electronic Art.

Die IT-Studentinnen dagegen wählen folgende Top-Arbeitgeber:

  1. Google

  2. Microsoft

  3. Apple

  4. Siemens

  5. Amazon

  6. Audi

  7. Electronic Arts

  8. Fraunhofer Gesellschaft

  9. SAP

  10. BMW Group

Bei den Karrierezielen setzen die Geschlechter unterschiedliche Prioritäten. Mehr als jeder zweiten jungen Frau sind insbesondere eine ausgewogene Work-Life-Balance wichtig (52 Prozent) sowie ein sicherer und beständiger Job (51 Prozent). Die Studenten stimmen diesen Aussagen mit 42 Prozent beziehungsweise 41 Prozent zu.

Informatikerinnen mit knapp 38.000 im Jahr zufrieden

Geht es um Geld und Macht, bestätigen sich die alten Klischees von der weiblichen Bescheidenheit. So erklären 26 Prozent der jungen Männer, dass sie Führungskraft mit Leitungsfunktion werden wollen – aber nur 20 Prozent der Frauen. Und wer eine IT-Absolventin einstellen will, braucht ihr nur 37.593 Euro Jahreseinkommen zu bezahlen. Die männlichen Kommilitonen verlangen mit 42.619 Euro deutlich mehr Geld. Stefan Lake, Country Manager bei Universum Communications, kommentiert: "Hier zeigt sich, dass junge Frauen aufgrund der klassischen Rollenverteilung noch immer dazu neigen, bei der Evaluierung ihrer eigenen Leistung zu bescheiden zu sein - leider."

Ganz besonders signifikant zeigen sich die geschlechtsspezifischen Erwartungen bei den Arbeitsbedingungen. 35 Prozent der jungen Frauen wünschen sich, Familie und Karriere vereinbaren zu können. Unter den männlichen Befragten sagen das nur 21 Prozent. Außerdem legen 28 Prozent der Studentinnen Wert darauf, von zu Hause aus arbeiten zu können, bei den Studenten sind es 19 Prozent. Lake sieht die Unternehmen gefordert, das Potenzial der Frauen etwa durch Coaching zu heben.

17 Prozent der Informatikerinnen sähen es gern, wenn der Betrieb sie bei der Kinderbetreuung unterstützt (Männer: acht Prozent). 15 Prozent fordern Akzeptanz für die Elternzeit (Männer: ebenfalls acht Prozent).

Informatik-Studenten dagegen legen mehr Wert auf das Prestige eines potentiellen Arbeitgebers. Das erklären jedenfalls 23 Prozent der männlichen Befragten. Unter den Frauen sind es mit 15 Prozent deutlich weniger.

Der Job muss interessant sein

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Beide Geschlechter suchen im Job intellektuelle Herausgeforderungen (Frauen: 36 Prozent, Männer: 32 Prozent) und beide wollen unternehmerisch und innovativ sein (Frauen: 22 Prozent, Männer 25 Prozent). Sowohl die Studentinnen (18 Prozent) als auch die Studenten (17 Prozent) können sich eine internationale Laufbahn vorstellen.

Burnout wollen die jungen Frauen und die Männer gleichermaßen vermeiden. 19 beziehungsweise 20 Prozent erwarten, sich nach Belastungsspitzen ausreichend erholen zu dürfen. (tö)

Autorin: Christiane Pütter

Interview: Stefan Lake, Country Manager Universum Communications

Stefan Lake ist Country Manager bei der Agentur Universum Communications. Er beschäftigt sich mit den Zielen von Studentinnen und Studenten.
Stefan Lake ist Country Manager bei der Agentur Universum Communications. Er beschäftigt sich mit den Zielen von Studentinnen und Studenten.
Foto: Stefan Lake, Universum Communications

Die Agentur Universum Communications forscht regelmäßig über Berufs- und Karrierepläne von Studentinnen und Studenten. Über die Besonderheiten des IT-Nachwuchses sprachen wir mit Country Manager Stefan Lake.

cio.de: Herr Lake, in Ihrer "Universum Student Survey 2013" zeigt sich, dass Informatik-Studentinnen seltener eine Führungsposition anstreben und auch weniger Einstiegsgehalt verlangen als ihre männlichen Kommilitonen. Ist das ein deutsches Phänomen?

Stefan Lake: Ich bin bei Universum Communications in Schweden eingestiegen und kann nur sagen, dass Skandinavier diese deutsche Besonderheit belächeln. Und nicht nur sie - auch Polen oder Franzosen können nur den Kopf schütteln.

cio.de: Unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit stehen Sicherheit und Beständigkeit bei Studierenden derzeit hoch im Kurs.

Stefan Lake: Das hängt mit der Lehman-Pleite und der ganzen darauffolgenden Finanz- und Wirtschaftskrise zusammen. Die jungen Leute reagieren auf diese Ereignisse.

cio.de: Wie schätzen Sie das Employer-Branding deutscher Unternehmen ein?

Stefan Lake: Ich sehe hier und dort noch Verbesserungsbedarf. Es reicht nicht, irgendeinen Auftritt bei Facebook zu haben. Unternehmen müssen sich fragen: Wie ticken unsere Bewerber? Ein Beispiel, wie man es richtig macht, bietet Audi. Der Automobilkonzern liegt nicht umsonst in der Gunst der Studenten so weit oben, und zwar nicht nur bei Betriebswirten, sondern eben auch bei Informatikern. Übrigens: trotz aller Affinität zu Social Media stirbt auch die klassische Stellenanzeige in der Tageszeitung nicht aus.

(Das Gespräch führte Christiane Pütter)

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