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04.05.2007

Metall-Tarifabschluss stößt auf geteiltes Echo

BERLIN (Dow Jones)--Der Tarifabschluss in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie ist bei Volkswirten, Politikern und Verbänden auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Ökonomen hielten den Abschluss, der bei einer Laufzeit von 19 Monaten als Hauptbestandteil eine zweistufige Lohnerhöhung - ab Juni 2007 um 4,1% und anschließend ab Juni 2008 um 1,7% - vorsieht, aber generell für vertretbar

BERLIN (Dow Jones)--Der Tarifabschluss in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie ist bei Volkswirten, Politikern und Verbänden auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die Ökonomen hielten den Abschluss, der bei einer Laufzeit von 19 Monaten als Hauptbestandteil eine zweistufige Lohnerhöhung - ab Juni 2007 um 4,1% und anschließend ab Juni 2008 um 1,7% - vorsieht, aber generell für vertretbar

"Für dieses Jahr liegt der Abschluss in etwa so wie erwartet, für nächstes Jahr ist er erstaunlich moderat", sagte der Chefökonom des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, am Freitag zu Dow Jones Newswires. "Das ist eine positive Überraschung." Eine etwaige Übertragbarkeit auf andere Branchen sei zwar schwer abzuschätzen, die Wahrscheinlichkeit erneut hoher Abschlüsse im kommenden Jahr sei dadurch jedoch gesunken. Für die Europäische Zentralbank (EZB) bedeute dies "ein Stück Entwarnung", da sie nun wohl weniger Grund zur Sorge habe, meinte Scheide.

Auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld wertete den Tarifvertrag als "moderater als erwartet". Beziehe man alle Bestandteile des neuen Tarifvertrages ein, umfasse der Abschluss eine auf das Jahr gerechnete durchschnittliche Entgeltsteigerung von knapp 3,5%, erklärte er. "Der Lohnauftrieb in der Metall- und Elektrobranche beschleunigt sich ... zwar etwas, jedoch deutlich weniger als befürchtet", hob er hervor. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit relativ zu ausländischen Wettbewerbern werde sich im Durchschnitt der Branche wohl nicht verschlechtern.

Die anderen Wirtschaftszweige würden ebenfalls höhere Abschlusssätze als in den vergangenen Jahren aushandeln. "Insbesondere die Bereiche des Handels werden aber deutlich unter der Vier bleiben", sagte Tuchtfeld voraus. Auch im Durchschnitt werde der Entgeltanstieg somit dort geringer ausfallen. "Folglich dürften sich die Befürchtungen der EZB vor einem zu starken Lohnauftrieb in Deutschland und einem sich daraus ergebenden Inflationsrisiko verringern", meinte auch er.

Skeptischer zeigte sich der Chefvolkswirt des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn. "Das ist ein Abschluss, der von den Kennziffern her für den Metallbereich gerade noch so eben vertretbar ist", sagte er. Der Abschluss liege "hart an der Grenze eines beschäftigungsneutralen Niveaus". Ein Arbeitsplatzaufbau werde hiermit nicht begünstigt. Döhrn sagte, er habe "große Bedenken", ob ein solcher Abschluss auf den Einzelhandel übertragbar sei. Es bestehe aber die Gefahr, dass durch den in diesem Jahr sehr hohen Abschluss die diesbezügliche Erwartungshaltung im Einzelhandel zunehme, warnte er.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck wertete die Tarifeinigung positiv. "Ich begrüße die Einigung der Tarifparteien am Verhandlungstisch", erklärte er. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhielten "einen guten Anteil am Erfolg der Unternehmen". Der Aufschwung komme auch bei denen an, die ihn zu einem großen Teil erarbeitet hätten. "Auch die Tatsache, dass ein Arbeitskampf mit Arbeitsniederlegungen vermieden werden konnte, ist erfreulich", unterstrich Beck. Der Abschluss zeige, "dass die Tarifautonomie ein Erfolgsmodell ist", hob der SPD-Vorsitzende hervor.

Heftige Kritik äußerte hingegen der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "4,1% für alle ist zu viel", erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Es sei unverantwortlich, dass im Namen der guten Konjunktur auch diejenigen zur Kasse gebeten würden, die von der Konjunktur nichts hätten. Dies seien "immerhin rund 30% der Unternehmen". Die Arbeitnehmer in den ertragsschwachen Unternehmen müssten diese "undifferenzierten Lohnerhöhungen" letztendlich mit einem wachsenden Arbeitsplatzrisiko bezahlen, warnte er. Es sei "höchste Zeit, das Ritual von Tarifauseinandersetzungen grundsätzlich in Frage zu stellen". -Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4118,

andreas.kissler@dowjones.com

DJG/ank/ptt

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