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07.09.2006

Nicht zu bremsen

Anbieter von mobilen Navigationsgeräten kommen vor Lachen nicht mehr in den Schlaf. Bescheren ihnen doch die Kunden teilweise Wachstumsraten von über 100 Prozent. Es wird Zeit, dass dieses Geschäft nun endlich auch in den ITK-Handel kommt.

Von Beate Wöhe

Die Nachfrage nach mobilen Navigationssystemen ist nach wie vor ungebremst. Für das laufende Jahr erwartet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) den Verkauf von insgesamt 960.000 Navigationsgeräten, davon 750.000 portable Versionen. Ein geschätztes Marktwachstum von 43 Prozent und ein erwartetes Umsatzvolumen in Höhe von 428 Millionen Euro in diesem Jahr sind die Folgen. Der Hammer! Wann hat der ITK-Markt das letzte Mal solche Wachstumsprognosen gelesen?

Der Absatz von Handy-Navigationssystemen in Europa hat sich im ersten Halbjahr 2006 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum verdreifacht. Im zweiten Quartal dominierten die Online-Systeme: Sie machen nach Angaben des englischen Marktforschers Canalys mehr als 55 Prozent aller verkauften Handy-Navigationen aus.

Ja wo laufen sie denn?

Im Segment portable Navigationssysteme kann der Handel also getrost auf Marketing und Verkaufshilfen verzichten. Die Verbraucher rennen ihm die Tür ein. An den Türen der IT- und TK-Fachhändler rennen sie allerdings schnurstracks vorbei.

Wie aus einer im Juni 2006 durchgeführten Markterhebung der GfK hervorgeht, haben gerade einmal 13 Prozent der Kunden den Weg zum ITK-Fachhandel gefunden, wenn es um das Thema Navigationsgeräte geht (siehe Diagramm, auf Seite 39). "Das Volumen hat sich fast vervierfacht, aber die kleinen Fachhändler sind nicht in dem Maße mitgewachsen wie der Markt", sagt Arndt Polifke von GfK Marketing Services Deutschland.

Der typische Interessent ist: männlich, besser verdienend und zwischen 30 und 39 Jahre alt. Das ergab eine im Juni 2006 durchgeführte Studie des Marktforschers TNS Infratest. Befragt wurden knapp 800 Mobilfunknutzer in Deutschland. Während 14 Prozent der Befragten bereits ein Navigationsgerät nutzen, planen 21 Prozent die Anschaffung eines solchen.

"Der ITK-Handel ist beim Abverkauf der Navigationsgeräte deutlich unterrepräsentiert, während der Absatz in den Flächenmärkten immer weiter wächst", sagt auch Rolf Loos, Manager Business Development beim ITK-Distributor Dangaard Telecom. In mehrmals jährlich stattfindenden Navigationsforen bringt der Distributor Hersteller und Handel zusammen und zeigt den Wiederverkäufern neben den Produkten auch Wege zum Aufbau dieses Marktsegments. Allerdings sind in diesen Foren überwiegend Ein- und Verkäufer der großen Flächenmärkte zu finden. "Einige wenige Fachhändler haben das Geschäft mit Navigationssystemen verstanden und sind nun glücklich damit", ergänzt Loos. Inzwischen seien auch einzelne Niederlassungen von Autoherstellern in das lukrative Geschäft eingestiegen. Die kostenlose Beigabe eines Navi-Systems hebt wohl sogar die Verkaufschancen für einen Ladenhüter auf vier Rädern.