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22.01.2007

Post von Microsoft

Die Firma, die vor Jahren manipulierte Microsoft-Produkte vertrieben hat, existiert nicht mehr. Zur Verantwortung gezogen werden seitdem die Händler, die bei der Echtheitsprüfung der Produkte geschlampt haben.

Von Marzena Fiok

Die Affäre um manipulierte Produkte und die Firma C. aus Lich liegt inzwischen mehrere Jahre zurück. Die Firma existiert schon lange nicht mehr, der damalige Inhaber und Geschäftsführer musste sich vor Gericht für seine Vergehen verantworten. Für ihn hat die Sache damit ein Ende gefunden, für seine Kunden, die Fachhändler, allerdings noch lange nicht.

Denn Microsoft, damals nach eigenen Angaben um einen Betrag in Millionenhöhe geschädigt, hat die Angelegenheit nicht vergessen.

In der vergangenen Woche erreichten die ChannelPartner-Redaktion - wie schon mehrmals in der Vergangenheit - Hilferufe von Fachhändlern, die Post von Microsoft bekommen hatten. Die Schreiben enthalten eine Schadensersatzforderung und die Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Diese Briefe werden schon seit 2004 an die ehemaligen Kunden der Firma C. verschickt. Trotzdem ist das Schreiben für viele Betroffene ein Schock. Einige haben nicht mehr damit gerechnet, dass Microsoft sie zur Verantwortung ziehen würde, andere waren sich bis dato gar nicht bewusst, dass sie manipulierte Ware eingekauft hatten.

Wer angeschrieben wird, ist schuldig

Leugnen ist allerdings zwecklos, wer das Schreiben bekommt, ist bereits überführt. Diese Fachhändler haben laut Microsoft erwiesenermaßen manipulierte oder gefälschte Produkte eingekauft. "Die Daten basieren auf Ergebnissen der Untersuchung durch das LKA und der Staatsanwaltschaft", erklärt Dorothee Jasper, Rechtsanwältin bei Microsoft. Bei der Firma C. ist nichts mehr zu holen, denn das Unternehmen existiert schon lange nicht mehr. Also werden die Händler direkt für den durch ihren Einkauf entstandenen Schaden zur Verantwortung gezogen. Auch werden sie zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert.

Wer ein Schreiben von Microsoft bekommt, sollte aber trotzdem nicht in Panik geraten, sondern lieber das Gespräch mit dem Hersteller suchen. Denn dem Softwareunternehmen ist nicht daran gelegen, Fachhändler durch hohe Schadensersatzforderungen zu ruinieren, sondern sicherzustellen, dass so ein Fall wie mit der Firma C. nicht noch einmal passiert. "Uns sind die Gespräche mit den Betroffenen sehr wichtig", betont Dorothee Jasper. Sie sollen begreifen, dass es sich nicht lohnt, bei der Prüfung der Produkte ein Auge zuzudrücken, weil dieser Bumerang zurückkommt und aus den wenigen Euros, die man beim Einkauf gespart hat, eine existenzielle Bedrohung für die eigene Firma werden kann. "Wir wollen den Handel so sauber wie möglich halten", betont die Rechtsexpertin, "und dabei mit dem Fachhandel zusammenarbeiten."

Das heißt: Wer das Gespräch mit Microsoft sucht und sich einsichtig zeigt, hat eine gute Chance darauf, dass der Hersteller dann auch über die Schadensersatzforderungen mit sich reden lässt. Etwas Geld wird aber wohl fließen müssen, und auch die Unterlassungserklärung muss laut Microsoft sein: "Das ist gängige Rechtsprechung", erklärt Dorothee Jasper. "Und wer nicht vorhat, so etwas noch einmal zu machen, dem tut die Unterschrift auch nicht weh." Wer sich erneut erwischen lässt, hat allerdings ein echtes Problem, denn dann wird es richtig teuer und ungemütlich: Wenn Urheberrechtsverletzungen vor Gericht verhandelt werden, geht es nicht nur um Schadensersatz, sondern immer öfter auch um Freiheitsstrafen. "Die deutschen Gerichte sind sensibilisiert", so Jasper.

Wer sich nicht hunderprozentig sicher ist, ob mit dem eingekauften Produkt alles in Ordnung ist, sollte es lieber genau prüfen oder prüfen lassen. Hierzu bietet Microsoft umfangreiche Unterstützung, unter anderem mit dem PID Service, der innerhalb von 24 Stunden eingesendete Produkte kostenlos auf ihre Echtheit überprüft.

Aber auch schon auf der Homepage des Herstellers findet man Informationen über die verschiedenen Formen der Piraterie und erhält Tipps, woran man gefälschte oder manipulierte Software erkennt. Dorothee Jasper empfiehlt, schon bei der Bestellung sensibel zu sein: "Mein Tipp: Immer auf den Preis achten, und wenn das Angebot billiger als üblich sein sollte, dann nicht gleich kaufen, sondern sich lieber erst mal fragen, wie dieser Preis wohl zustande kam."