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24.11.2015 - 

Vorbild Niederlande

RWE geht den Weg in die Digitalisierung

Die Zeiten der satten Gewinne sind für alle Energiekonzerne vorbei. RWE sucht - wie viele Konkurrenten - seine Zukunft als Energiemanager für die Kunden. In den Niederlanden klappt das schon ganz gut, im Heimatmarkt Deutschland kommt das neue Geschäft langsam in Gang.
RWE-Umspannwerk in Wesel: RWE sieht seine Zukunft in der digitalen Welt.
RWE-Umspannwerk in Wesel: RWE sieht seine Zukunft in der digitalen Welt.
Foto: RWE AG

Mit abgeschriebenen Atomkraftwerken hat RWE in goldenen Zeiten eine Million Euro verdient - pro Tag und Kraftwerk. Doch das ist Vergangenheit. Angesichts des abgestürzten Börsenstrompreises muss der Energieriese neue Geschäftsfelder suchen. Die Essener sehen ihre Zukunft unter anderem als Energie-Dienstleister mit Software und Portalen wie "Webmarket" für Stadtwerke und Gewerbekunden. Sie sollen beim günstigen Stromeinkauf sowie beim Stromsparen und beim Vermarkten selbst produzierter Energie an der Börse helfen.

In den Niederlanden klappt das Geschäft über die RWE-Tochter Powerhouse vor allem mit energieintensiven Landwirtschaftsbetrieben schon recht gut. In Deutschland steht RWE noch am Anfang, will aber stark wachsen. "Die Energiewirtschaftwird zunehmenddigital", sagt RWE-Deutschlandchef Arndt Neuhaus optimistisch.

In den Niederlanden gibt es zufriedene Kunden: "15 bis 20 Prozent Energiekosten sparen wir durch die Steuerung", sagt etwa der niederländische Blumenzüchter Siegfried Bunnik - in seinem Betrieb bei bis zu 1,5 Millionen Euro im Jahr ein entscheidender Vorteil. Der 41-Jährige aus De Kwakel knapp 30 Kilometer südlich von Amsterdam zählt zu den größten Herstellern von Bromelien-Gewächsen europaweit und beliefert mit seinen rund 3,5 Millionen Pflanzen pro Jahr viele deutsche Großmarktketten.

Die tropischen Pflanzen brauchen für ihr Wachstum konstante Temperaturen jenseits der 20 Grad, dazu CO2, Wärme, Wasser und viel Licht. Ein Jahr dauert der computergesteuerte Aufzuchtprozess, der Energie verbraucht wie eine Kleinstadt - aber das nicht gleichmäßig, sondern oft stark schwankend. So braucht Bunnik in den Sommermonaten kaum Strom für künstliches Licht, während von Januar bis März der Energieverbrauch hochschießt - nicht nur wegen der Kälte, sondern weil die Kunden dann die meisten Blumen kaufen.

Volatil sind zugleich an vielen Tagen die Preise für Strom und das Gas in Bunniks Gas-Blockheizkraftwerk - sie schwanken teils im 15-Minuten-Takt. Um Bedarf und Energie-Angebot abzustimmen, setzt der Pflanzenzüchter die Energie-Software der RWE-Tochter ein. Bunnik kann damit Börsen-Echtzeitpreise für Strom und Gas am Smartphone oder Rechner ablesen, sie mit seinen Gewächshausdaten abgleichen - und zum Beispiel die Temperatur um ein halbes Grad absenken, um die gesparte Energie am Markt zu verkaufen, weil der Preis gerade hoch ist.

Powerhouse hat in den Niederlanden rund 1400 Gewerbekunden und versucht gerade, neue Branchen wie etwa Großbäckereien zu gewinnen und nach Belgien und Spanien hin zu wachsen. Immerhin rund 600 Millionen Euro setzt das Unternehmen jährlich um und verdient mit den Energiemanagement-Systemen auch unter dem Strich schon Geld.

Auf dem deutschen Markt ist RWE so weit noch nicht. Zwar hat das Unternehmen "mehrere zehntausend Gewerbekunden" und schwarze Zahlen im sogenannten B2B-Bereich. Ein Großteil des Umsatzes entfällt davon aber bisher auf den traditionellen Energieverkauf. Künftig soll die RWE-intern "Energie Plus" genannte Dienstleistung - Hilfe beim Strom- Ein- und Verkauf, Verpachten moderner Stromerzeugungsanlagen, Energieeffizienzberatung und Vermarktung von Kundenstrom an der Börse - aber stark wachsen. Insgesamt 40 Prozent des Gesamtvertriebsumsatzes in zehn Jahren sind das Ziel.

Hohe Millionengewinne sind damit allerdings noch lange nicht in Sicht. RWE macht keine aktuellen Angaben zu Umsatz und Ergebnis des noch jungen Geschäftsfeldes. Branchenkenner sehen angesichts der niedrigen Börsenstrompreise in Deutschland derzeit wenig Potenzial: Einsparungen bringen vergleichsweise wenig Geld, da der Preis ohnehin niedrig ist.

Das liegt nach Meinung von Kritikern wie der früheren NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) nicht zuletzt an den vielen Ausnahmen und Privilegien der Großverbraucher bei der EEG-Umlage. "Für viele deutsche Industrieunternehmen (ist) der Strom sehr billig. Dadurch lohnen sich Investitionen in Einsparungen nicht wirklich", sagt Höhn.

"Es ist nur schwer vorstellbar, dass mit solchen Services an die alten Zeiten angeknüpft werden kann", meint Aktionärsschützer Marc Tüngler. Dennoch führe am Energiemanagement als einem neuen Geschäftsfeld für die Energieriesen kein Weg vorbei. Irgendwann würden Öl und Kohle auf den Weltmärkten wieder teurer und die Strompreise der Börse würden anziehen. Spätestens dann könne RWE profitieren. (dpa/rs)