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24.06.2015 - 

Digitalisierung

TÜV und Co reagieren mit neuen Prüfmethoden auf Elektronikboom im Auto

Die Digitalisierung von Autos und Maschinen stellt Prüfgesellschaften wie den TÜV vor Herausforderungen. Sie müssen sich neu erfinden, wenn sie technologisch mithalten wollen. Ab Juli beginnt auch bei der Pkw-Hauptuntersuchung eine neue Ära.

Auf Deutschlands Autofahrer kommt ab Juli eine Neuerung zu. "Am 1. Juli 2015 startet die Revolution der Prüftechnik bei der Hauptuntersuchung", sagt TÜV-Nord-Geschäftsführer Hartmut Abeln. Denn dann werden - egal, ob bei Dekra, TÜV, GTÜ oder KÜS - neuartige elektronische Prüfinstrumente eingesetzt (PDF-Link). Vorbei sind die Zeiten, als der Sachverständige mit kritischem Hammerschlag nach maroden Stellen forschte. Die neuen Geräte - HU-Adapter - werden im Auto an den Bordcomputer angeschlossen und zeigen dem Prüfer alle relevanten Fahrzeugdaten an. Teurer soll die bei Autobesitzern gefürchtete Hauptuntersuchung dadurch aber nicht werden.

HU-Prüfplaketten
HU-Prüfplaketten
Foto: Sven Teschke / Lizenz: CC-by-sa-3.0 de

Entwickelt wurden die Geräte gemeinsam von den deutschen Prüfunternehmen, die dafür 2004 die Fahrzeugsystemdaten GmbH (FSD) mit über 100 Mitarbeitern in Dresden (Hauptsitz) und Radeberg (Prüflabor) gründeten. Die Neuerung beim Elektronik-Check ist ein Beispiel dafür, wie sich Prüfgesellschaften auf die fortschreitende Digitalisierung vorbereiten.

"In wenigen Jahren werden automatisierte Fahrzeuge zusätzliche Fahraufgaben übernehmen, zum Beispiel selbstständig im Parkhaus einen Stellplatz ansteuern; all dies bedeutet noch mehr Technik im Wagen", sagt Abeln.

"Natürlich heißt das, dass wir Kompetenzen aufbauen müssen - sowohl Expertenkompetenz wie auch Kompetenz bei der Weiterentwicklung der Technik", meint der für die Automobilsparte der Prüfungsgesellschaft Dekra zuständige Sprecher Wolfgang Sigloch. Das autonome Fahren basiere ja auf Komponenten wie Spurhalte-Assistent oder Abstandsregler, wie sie heute schon vorhanden sind. "Wir müssen allerdings schon bei der Entwicklung drauf hinweisen, dass sie prüfbar sein müssen", meint er.

TÜV-Nord-Vorstandschef Guido Rettig warnte jüngst vor tiefgreifenden Veränderungen auch für die Prüfgesellschaften. Denn nicht nur Autos, auch Produktionsmaschinen werden immer mehr mit Software ausgestattet und untereinander vernetzt. Die Prüfgesellschaften müssen ihre Methoden daher zunehmend verfeinern, um sie noch überprüfen zu können.

"In Zukunft kommt dem Schutz etwa von digital vernetzten Infrastrukturen und sicherheitsrelevanten Einrichtungen vor Cyber-Attacken eine immer größere Bedeutung zu", so TÜV-Nord-Sprecher Sven Ulbrich.

Auch Rettig sieht es nur als Frage der Zeit an, bis etwa Autos untereinander kommunizieren. Das tun heute schon Wartungsgeräte - etwa bei der technischen Überwachung von Windrädern. An den Flügeln sind Sensoren angebracht, die die Beschaffenheit des Materials messen und die Daten in Computerzentren weiterleiten. Die Techniker in der Leitzentrale wissen dann genau, wann sie aufs offene Meer zu Wartungsarbeiten hinausfahren müssen.

Als Beispiele für die Herausforderungen der Zukunft nennt der TÜV-Nord Probleme bei digitalisierten Prozessabläufen. Ulbrich: "Wie kann sichergestellt werden, dass voll vernetzte Maschinen keine unsinnigen Befehle von Unbefugten erhalten? Welche Systeme zur Authentifizierung vor dem Zutritt in Kraftwerke und andere kritische Infrastrukturen sind zuverlässig?" Es geht auch um Identitätsmanagement und Simulation von Hacker-Angriffen auf die IT-Infrastruktur von Unternehmen. (dpa/tc)

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