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09.07.2009

UPDATE: Bosch-Tochter ersol schreibt 2009 operativ Verluste

(NEU: Aussagen Sprecherin, Hintergrund)

Von Martin Rapp DOW JONES NEWSWIRES

ERFURT (Dow Jones)--Die Bosch-Tochter ersol kann sich dem Einbruch der Nachfrage auf dem Solarmarkt nicht entziehen. Das Erfurter Unternehmen hat am Donnerstag zum zweiten Mal binnen zweier Monate die Prognose gesenkt und erwartet nun einen operativen Verlust im Gesamtjahr. Jetzt werden Einschnitte in der Produktion geprüft.

In diesem Jahr erwartet die ersol Solar Energy AG nun Erlöse von weniger als 300 Mio EUR. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde damit wohl negativ ausfallen. Damit wird bei den Erfurtern nun auch beim Umsatz ein Rückgang zum Vorjahr erwartet, nachdem 2008 noch 310 Mio EUR erlöst wurden. Die angepeilte EBIT-Steigerung zu den 2008 erzielten 71 Mio EUR hatte sich bereits Mitte Mai als illusorisch entpuppt.

Bei Vorlage der Zahlen für das erste Quartal hatte ersol die Umsatzprognose auf 330 Mio bis 380 Mio EUR von ursprünglich 420 Mio EUR gesenkt. Als EBIT-Spanne wurden seinerzeit 30 Mio bis 60 Mio EUR anvisiert. Zuvor hatte das Unternehmen 80 Mio bis 90 Mio EUR in Aussicht gestellt.

Das Unternehmen verwies darauf, dass die erhoffte Trendwende bisher in der Branche nicht angekommen sei. Die Marktlage sei nach wie vor schwierig. Einerseits sei das weltweite Marktvolumen rückläufig, andererseits bestehe ein Überangebot an Photovoltaikprodukten. In den ersten drei Monaten war der Umsatz um fast 40% auf 32 Mio EUR eingebrochen.

ersol fertigt vor allem Solarzellen. Daneben stellt das Unternehmen auch Rohsilizium, Siliziumscheiben (Wafer) sowie Dünnschichtmodule her und lässt kristalline Solarmodule im Auftrag produzieren. Eine Sprecherin von ersol sagte, dass die Absatzschwäche viele Bereiche betreffe, allerdings wegen des Anteils im Geschäftsmodell am stärksten bei der Zellproduktion spürbar sei.

Jetzt prüft das Unternehmen, das bisher ohne Produktionseinschnitte oder gar Kurzarbeit ausgekommen ist, Maßnahmen zur Anpassung an die schwache Marktlage. "Wir werden uns jetzt mit den Arbeitnehmervertretern zusammensetzen und über geeignete Instrumente beraten", sagte die Sprecherin, ohne die Palette der möglichen Schritte zu konkretisieren. Einen Zeitplan nannte die Sprecherin nicht, verwies aber darauf, dass zu treffende Entscheidungen kurzfristig wirksam sein sollten. Derzeit stehen bei ersol über 1.300 Mitarbeiter in Lohn und Brot.

Prinzipiell bleibt ersol aber von den Aussichten des Marktes überzeugt. "2010 wird es zwar nicht sehr viel besser als dieses Jahr, aber 2011 rechnen wir mit einer spürbaren Belebung des Marktes", sagte die Sprecherin. Für 2010 nennt das Unternehmen kein konkretes Ziel mehr, nachdem die zunächst genannten Mindestgrößen von 700 Mio EUR Umsatz und 150 Mio EUR EBIT Mitte Mai als unerreichbar zurückgenommen wurden.

ersol gehört seit Sommer vergangenen Jahres mehrheitlich zur Robert Bosch GmbH. Das Technologieunternehmen hatte für die Komplettübernahme mehr als 1 Mrd EUR geboten und hält mittlerweile über 97%. Bosch will sein Geschäftsmodell von der Autoindustrie unabhängiger machen und zukünftig über ein Drittel des Umsatzes mit Umwelttechnologie und energieeffizienten Produkten erzielen. 2008 hatten die Stuttgarter über 45 Mrd erlöst, wovon knapp 60% aus der Tätigkeit als Autozulieferer stammten.

Die Bosch-Tochter ist kein Einzelfall. Viele Unternehmen ächzen unter den von ersol angeführten Marktbedingungen. Der Zellhersteller Q-Cells hat seine Umsatzprognose bereits drei Mal nach unten korrigiert, der Projektentwickler und Großhändler Phoenix Solar hat erst Ende Juni seine Gewinnprognose zurückgenommen, Conergy hat von Anfang an für dieses Jahr einen sinkenden Umsatz prognostiziert.

Die Branche leidet unter den Auswirkungen des boomenden Wachstums der Vorjahre. Die Kapazitäten sind ausgebaut worden, gleichzeitig hat sich neue (und oft günstigere) Konkurrenz, etwa aus China, etabliert. Das wäre wohl nicht so problematisch gewesen, hätte die Nachfrage weiter so zugelegt wie zuvor. Aber mit der Bankenkrise sind größere Projekte schwerer finanzierbar geworden. Dazu hat Spanien, das 2008 noch mit über 2 Gigawatt (GW) installierter Leistung der größte Markt weltweit war, für dieses Jahr für die nachfragestützenden Subventionen eine Obergrenze von 500 Megawatt festgelegt.

Nicht wenige gehen davon aus, dass die installierte Leistung in diesem Jahr unter dem Vorjahreswert von 5,6 GW liegen wird. Weniger Module, weniger Wafer, weniger Zellen werden gebraucht - und das Ganze bei niedrigeren Preisen: Diese Variablen verhageln nun auch ersol die Rechnung.

Webseite: http://www.ersol.de -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 29725 108; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/jhe Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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