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29.04.2009

UPDATE: Conergy bemüht sich um Zuversicht

(NEU: Aussagen aus Bilanzpressekonferenz) Von Martin Rapp DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Aussagen aus Bilanzpressekonferenz) Von Martin Rapp DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Solarunternehmen Conergy hat ein verlustreiches Jahr hinter sich, ein schwieriges Jahr vor sich und bemüht sich um die Verbreitung von Zuversicht. Er bitte die Medien, sich mit Berichten über "Conergy am Abgrund" zurückzuhalten, forderte der Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer am Mittwoch bei Vorstellung der Bilanz für das zurückliegende Jahr. Das helfe dem Unternehmen nicht bei dem Weg aus der Krise.

Ammer wandte sich mit dieser Bitte am Ende der Pressekonferenz an die versammelten Medienvertreter. Zugleich widersprach er Medienberichten, die einen persönlichen Konflikt zwischen ihm und seinem Vorgänger und Neffen, Hans-Martin Rüter, konstruieren wollten. Alle derzeitigen Maßnahmen befänden sich im Einklang mit dem Aktienrecht, der Wechsel an der Unternehmensspitze werde professionell abgearbeitet. "Es gibt keinen Rosenkrieg", erklärte Ammer.

Der Hintergrund: Ammer hatte als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender den Vorstandsvorsitz von Rüter im November 2007 übernommen. Seit jenem Jahr steckt Conergy tief in den roten Zahlen. Damals fielen 248 Mio EUR Verlust an. Ammer soll das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat nun vor kurzem beschlossen, Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstandsmitglieder geltend machen zu wollen. Die im Juni stattfindende Hauptversammlung soll zudem die Entlastung des Vorstands für 2007 verweigern. Ammer betonte am Mittwoch, dieses Vorgehen sei aktienrechtliche Pflicht der Kontrolleure.

Dem Vorstand wird neben diversen Fehlentscheidungen unter anderem der Abschluss eines Liefervertrags mit dem US-Unternehmen MEMC vorgeworfen. Dadurch sicherte sich die Hamburger Conergy AG die Lieferung von Siliziumscheiben (Wafer). Mittlerweile wurden jedoch sowohl die vereinbarten Volumina und die Preise als "völlig überdimensioniert" erkannt, wie es vom Aufsichtsrat bei Bekanntgabe des juristischen Vorgehens hieß.

Conergy bemüht sich seit langem, den Vertrag neu zu verhandeln - bislang ohne Erfolg. Mittlerweile hat das Unternehmen in den USA Klage eingereicht. Dadurch strebt Conergy die Aufhebung des Vertrags an. Fraglich bleibt, wie dabei die Erfolgschancen der Hamburger zu beurteilen sind. Immerhin hatte Conergy im vergangenen Sommer unter Ammers Führung selbst den Vertrag nachverhandelt und eine Halbierung der Mengen erreicht - beim Preis allerdings keine Zugeständnisse errungen.

Damals sei der Preisrutsch noch nicht absehbar gewesen, sagte Ammer. Sein Unternehmen gehe aber davon aus, dass die Klage "notwendig und sinnvoll" sei. Weitere Aussagen zu dem Komplex wollte Ammer mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht treffen. Einen jahrelangen Streit konnte er allerdings nicht ausschließen.

Auch bei der Entwicklung des Solarmarkts hat sich Conergy verschätzt. Die Anpassung der Bestellungen sei hinsichtlich des scharfen Nachfrageeinbruchs im vierten Quartal nicht schnell genug erfolgt, sagte Ammer. "Wir haben nicht alles richtig gemacht", ergänzte der Vorstandsvorsitzende. Auf die vollgelaufenen Vorratslager musste Conergy zum Jahresende wegen des Preissturzes bei Silizium und Modulen 27 Mio EUR abschreiben.

Wegen der laufenden Verhandlungen mit MEMC war die Veröffentlichung des Jahresabschlusses verzögert worden. Das habe Conergy die Chance gegeben, auch die Preisentwicklung im ersten Quartal noch in der Bilanz für 2008 zu berücksichtigen, sagte Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter. Dadurch bestehe für den am 14. Mai anstehenden Quartalsausweis in diesem Bereich kein weiterer Abschreibungsbedarf.

Generell sieht das Unternehmen den Trend rückläufiger Preise ungebrochen. Preise von Solarmodulen könnten im Jahresverlauf weiter nachgeben und teilweise auf 50% des Vorjahresniveaus fallen, sagte Ammer. Bisher lägen sie erst 20% bis 25% unter 2008. Bei Silizium seien die Preise um 80% eingebrochen, führte Ammer aus - allerdings nur am Spotmarkt. Die Preise bei langfristigen Lieferverträgen hätten um 25% nachgegeben.

Der Preisverfall durch die Überkapazitäten der Branche ist das Eine. Dazu kommt noch die vielzitierte Kreditklemme, von der auch Conergy zu berichten wusste. Die ungünstigeren Bedingungen bei der Projektfinanzierungen hätten sich deutlich ausgewirkt, sagte Ammer. So ging der Umsatz im letzten Quartal 2008 um 20% auf 178 Mio EUR zurück. Damit war er aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie die 65 Mio EUR, die Conergy in den ersten drei Monaten dieses Jahres erlöste.

Ammer wies darauf hin, dass das erste Quartal traditionell schwach sei und das im Vorjahr durch Änderungen der Bilanzierung Sondereffekte aufgetreten seien. Das mache einen Vergleich schwierig, schlussfolgerte er. Dass das 2008 erzielte Umsatzniveau von 1,01 Mrd EUR in diesem Jahr nicht erreicht wird, steht für das Unternehmen aber bereits jetzt fest. Eine Ergebnisprognose gab Conergy nicht.

Im abgelaufenen Jahr war ein Verlust von 307 Mio EUR angefallen, dafür sorgten mit 54 Mio EUR aber auch mittlerweile abgestoßene Geschäftsbereiche. Im fortgeführten Geschäft weitete sich das Minus auf 254 Mio nach 213 Mio EUR im Jahr 2007 aus.

Die Unternehmensführung wies auf die hohen Sondereffekte hin, die das Ergebnis verzerrten. So werde der Zinsaufwand von 71 Mio EUR durch die Ablösung eines teuren Brückendarlehens wohl nur noch bei einem Drittel dieser Summe liegen, sagte Spiekerkötter. Auch die 30 Mio EUR negativer Wechselkurseffekte sollen 2009 bei weitem nicht in diesem Umfang anfallen. Wie auch der Restrukturierungsaufwand von 82 Mio EUR, die 2009 so nicht zu erwarten seien, prognostizierte der Finanzvorstand.

Beim Umbau des Unternehmens seien enorme Fortschritte gemacht worden, sagte Ammer. Conergy hat den kompletten Vorstand ausgetauscht und setzt auf der zweiten Führungsebene 30 neue Leute "mit Erfahrung" ein. Aus 13 Ländern hat sich das Unternehmen mittlerweile wieder zurückgezogen, Randbereiche wie Windenergie und Thermie wurden abgestoßen. Nun arbeiten nur noch knapp 1.800 Personen bei Conergy, das sind 40% weniger als zu Spitzenzeiten. Damit ist Conergy "auf dem Weg zu einem angemessenen Personalbestand", wie es im Geschäftsbericht heißt. Ammer wollte weiteren Personalabbau nicht ausschließen.

2009 werde ein schwieriges Jahr, auch für die gesamte Branche, sagte Ammer. "Wir können froh sein, wenn wir das Niveau von 2008 halten", konkretisierte er die Aussichten des Sektors. 2010 sollte sich der Markt nach Einschätzung des Unternehmens aber wieder beleben.

Für Conergy jedoch wird auch 2010 voraussichtlich ein schwieriges Jahr. Dann läuft Ende Juli eine Kreditlinie von 450 Mio EUR aus. Die Nettoverschuldung von Conergy zu Anfang dieses Jahres lag bei rund 290 Mio EUR. Die flüssigen Mittel zum gleichen Zeitpunkt betrugen rund 28 Mio EUR. Das operative Geschäft sorgte in den fortgeführten Bereichen von Conergy 2008 für einen Abfluss von Barmitteln in Höhe von 132 Mio EUR.

Webseite: http://www.conergy.de -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 29725 104; martin.rapp@dowjones.com DJG/mmr/roa Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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