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05.05.2009

UPDATE: Krise beschert Gildemeister unerwartet starken Ordereinbruch

(NEU: Einzelheiten, Analystenaussagen, Aktienkurs)

(NEU: Einzelheiten, Analystenaussagen, Aktienkurs)

Von Christine Benders-Rüger

DOW JONES NEWSWIRES

BIELEFELD (Dow Jones)--Die weltweite Wirtschaftskrise und die Investitionszurückhaltung der Kunden bremst das Geschäft des Maschinenbauers Gildemeister stärker aus als erwartet. Der Auftragseingang in den ersten drei Monaten brach nach Angaben des Bielefelder MDAX-Konzerns vom Dienstag um 60% auf 237 Mio EUR ein und lässt auch für die nächste Zeit deutlich schrumpfende Umsätze erwarten. Analysten hatten den Rückgang der Bestellungen lediglich auf 248 Mio EUR geschätzt.

In der Sparte Solartechnik standen nach dem Auftaktquartal nur noch Aufträge für 28 (Vorjahr: 112,8) Mio EUR in den Büchern. Die Ertragslage der Gildemeister AG erfüllte allerdings unter anderem dank Einsparungen und einer geringeren Steuerquote die Erwartungen. Die Aktie gewinnt bis 11.40 Uhr um 2,7% auf 8,30 EUR.

Der Auftragseingang brach im In- und Ausland gleichermaßen ein: Die Bestellungen aus dem Inland verringerten sich um 62% auf 90,3 Mio EUR und die Aufträge aus dem Ausland um 59% auf 146,5 Mio EUR. Die Traditions-Hausaustellungen in Pfronten und Bielefeld hätten zwar großes Interesse bei den Kunden gefunden, doch die Ordertätigkeit sei gering gewesen, hieß es von den Bielefeldern weiter. Auch die internationale Frühjahrsmessen seien verhalten verlaufen.

Per Ende März betrug der Auftragsbestand im Konzern 636,5 Mio EUR und lag damit 33% unter dem Wert des Vorjahres. Auf die Sparte Solartechnik entfielen davon 42,9 Mio EUR bzw 7%. Trotz schwachen Neuaufträge sei Gildemeister aber in der Lage gewesen, die Gewinnerwartungen zu erfüllen, sagte ein Analyst. Gildemeister berichtete ein EBITDA von 23 (33) Mio EUR, ein EBIT von 16 (26) Mio EUR und einen Nettogewinn von 6,5 (11) Mio EUR. Beobachter hatten ein EBITDA von 23 Mio EUR, ein EBIT von 17 Mio EUR und ein Nettoergebnis von 6,7 Mio EUR erwartet.

Der Konzernumsatz lag nach dem ersten Quartal mit 327,7 Mio EUR um 16% unter dem Wert des Vorjahres. Die Inlandsumsätze sanken um 21% und die Auslandsumsätze um 12%. Im wichtigsten Segment "Werkzeugmaschinen" brach der Umsatz wegen fehlender Aufträge um 19% auf 212,1 Mio EUR ein. Die Sparte umfasst bei Gildemeister das Neumaschinengeschäft mit den Geschäftsfeldern Drehen und Fräsen, Ultrasonic/Lasern sowie Electronics und Automation. Für das Geschäftsfeld "Services" meldete Gildemeister einen Umsatzrückgang von 12% auf 115,5 Mio EUR.

Mit geringeren Personal- und Materialkosten glich Gildemeister den Umsatzrückgang zum Teil aus. So wurde für Material nur noch 165,3 (256,7) Mio EUR ausgegeben, und die Personalkosten fielen auf 93 (96,7) Mio EUR. Bei einer etwas geringeren Steuerquote sankt der absolute Steueraufwand auf 3,7 (6,9) Mio EUR.

Für das laufende Geschäftsjahr hat Gildemeister die Erwartungen etwas präzisiert. Der Konzern rechnet mit einem Auftragseingang "deutlich" unter dem Vorjahr; infolgedessen dürfte die Umsatz- und Ergebnisentwicklung ebenfalls deutlich rückläufig verlaufen. Detaillierte Aussagen seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber nicht möglich. "Das Ausmaß der weltweiten Wirtschaftskrise, ihre Dauer und Auswirkungen auf Gildemeister sind derzeit für das Geschäftsjahr 2009 noch nicht mit hinreichender Sicherheit planbar", so der Konzern.

Das Werkzeugmaschinengeschäft werde 2009 rückläufig sein, und das Servicegeschäft dürfte schwächer verlaufen als noch zu Jahresbeginn erwartet. Für das Solargeschäft rechnet Gildemeister unter der Voraussetzung gesicherter Projektfinanzierungen mit einer positiven Entwicklung.

Werkzeugmaschinenhersteller sind nach Einschätzung von Beobachtern von der derzeitigen Krise besonders betroffen, da viele von ihnen stark von der Autoindustrie abhängen. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) und das britische Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics gehen in diesem Jahr von einer Abnahme des Weltverbrauchs (bei Werkzeugmaschinen) um 29% auf 37 Mrd USD aus.

Gildemeister hat schon vor Monaten angekündigt, wegen der trüben Aussichten auf die Kostenbremse treten zu wollen. So sollen unter anderem über einen Stellenabbau 60 Mio EUR in diesem Jahr gespart werden. Im ersten Quartal verringerte sich die Belegschaft um 139 auf 6.312 Mitarbeiter. Darüber hinaus sei zum Ende des ersten Quartals die Anzahl der Leiharbeitnehmer konzernweit um 343 reduziert worden.

Neben diesen Maßnahmen sowie dem Abbau von Überstunden und dem Einsatz von Kurzarbeit will Gildemeister die Zahl der Beschäftigten zum Ende des ersten Halbjahres um weitere 170 Mitarbeiter senken.

Als Chance in der Wirtschaftskrise sieht Gildemeister die vor einigen Wochen angekündigte Kooperation mit dem japanischen Wettbewerber Mori Seiki. Gildemeister und Mori Seiki bündeln ihre Kräfte und gehen dazu eine Überkreuzbeteiligung von 5% ein. Neben der gemeinsamen Entwicklung von Maschinen arbeiten beide künftig bei Einkauf und Produktion zusammen. Gildemeister erhofft sich aus der Kooperation Synergien von rund 15 Mio EUR pro Jahr.

Ein Erfolg sei die wichtigste Werkzeugmaschinenmesse Anfang April in Asien, die CIMT in Beijing, mit 138 verkauften Maschinen und Aufträgen von 22,5 Mio EUR gewesen, so Gildemeister und fügte hinzu, insgesamt zeigte der chinesische Markt positive Tendenzen.

Webseite: http://www.gildemeister.com/ -Von Christine Benders-Rüger, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 108, unternehmen.de@dowjones.com DJG/cbr/rio Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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