Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

UPDATE: Minenkonzerne setzen kürzere Verträge für Eisenerz durch

30.03.2010

(NEU: Zusammenfassung, Hintergrund, Analyst, Aktienkurse)

Von Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die großen Minenbetreiber setzen die angekündigte kurzfristigere Vertragsgestaltung für den Stahlgrundstoff Eisenerz in die Tat um. Dabei sind nach Informationen vertrauter Personen Preissteigerungen von 90% vereinbart worden. Dies droht nun auch den deutschen Stahlkonzernen wie ThyssenKrupp oder Salzgitter, die sich bislang noch heftig dagegen wehren, meint BHF-Analyst Hermann Reith. Deren Aktien geben am Dienstag nach.

Der australische Rohstoffkonzern BHP Billiton hat eigenen Angaben zufolge bei Kunden in Asien die Forderung durchgesetzt, Preise für Eisenerzlieferungen mit nur einer kurzen Laufzeit festzusetzen. Zugleich berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass der brasilianische Vale-Konzern mit der japanischen Nippon Steel und der südkoreanischen Posco Quartalsverträge für Eisenerz mit einer 90-prozentigen Preissteigerung vereinbart habe.

Zusammen mit dem britischen Bergbaukonzern Rio Tinto haben BHP und Vale einen weltweiten Marktanteil bei Eisenerz von rund 70%. Die Unternehmen haben zuletzt verstärkt dafür geworben, die Praxis einjähriger Lieferverträge für den Rohstoff zugunsten kurzfristigerer Kontrakte aufzugeben. Sie bevorzugen eine Orientierung an den Spotmarktpreisen, welche sich binnen Jahresfrist verdoppelt haben.

Ein Vertreter von Vale erklärte in Peking das System der richtungsweisenden Jahresverträge für "vorüber". Jahrelang vereinbarten die Eisenerzförderer mit ausgewählten Kunden einen Preis für ein Jahr, an dem sich die anderen Stahlhersteller dann orientierten.

Analyst Reith stellte im Gespräch mit Dow Jones Newswires infrage, ob dieses System nun noch Bestand hat. "Die Minenkonzerne haben keinen Preis bekanntgegeben. Das wirft die Frage auf, ob das Benchmark-System noch intakt ist", sagte er. Sowohl BHP als auch Vale verweigerten Auskünfte zu den Vertragsinhalten. "Wir haben entschieden, dass das Benchmark-System vorbei ist, also gibt es keinen Grund, die Vereinbarungen öffentlich zu machen", sagte Vale-Manager Pedro Gutemberg.

Reith hält ein Aufkommen bilateraler Verträge für möglich. "Dann wäre das Chaos perfekt", sagt er hinsichtlich der dann eintretenden Unwägbarkeiten. Die europäischen und insbesondere die deutschen Stahlhersteller haben sich, als sich die Änderungen abzeichneten, vehement dagegen ausgesprochen.

Erst Anfang dieses Monats hatte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, vor Preissteigerungen und kürzeren Vertragslaufzeiten gewarnt. "Es erfüllt uns mit großer Sorge", hatte er mit Verweis auf höhere Kostenbelastungen und eine fragilere Kalkulationsbasis gesagt.

Analyst Reith hält diese Betrachtungsweise für zu einseitig. Er weist darauf hin, dass bei dem durch die Stahlnachfrage getriebenen Aufbau der Erzläger durch die Stahlhersteller die Spotmarktpreise auch wieder sinken dürften - was dann zu niedrigeren Quartalspreisen führen würde.

Auch die nun im Raum stehenden Preissteigerungen sieht Reith nicht unbedingt als Gefahr für die Stahlhersteller. Er rechnet damit, dass diese in vollem Umfang weitergegeben werden können und müssen, da die Stahlkonzerne momentan knapp über der Gewinnschwelle operierten.

Der Betriebsrat der ThyssenKrupp-Stahlsparte hat indes für Donnerstag zu einer Pressekonferenz eingeladen, in der es um die brisante Situation auf den Rohstoffmärkten gehen soll. Dabei soll zum Stopp der Rohstoffspekulation und zur Zukunftssicherung des Industriestandortes Europa sowie dem Erhalt von Arbeitsplätzen aufgerufen werden.

Sprecher von ThyssenKrupp und dem zweitgrößten deutschen Hersteller Salzgitter sagten am Dienstag, dass die Verhandlungen mit ihren Lieferanten andauerten und gingen nicht auf Details der Gespräche ein. In einem nahezu unveränderten Gesamtmarkt geben Salzgitter-Aktien bis 15.40 Uhr um 1,5% auf 68,22 EUR nach; ThyssenKrupp-Papiere verbilligen sich um 2,9% auf 25,30 EUR.

Webseiten: www.bhpbilliton.com www.riotinto.com www.vale.com www.salzgitter-ag.de www.thyssenkrupp.com -Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214; martin.rapp@dowjones.com (Dieser Artikel entstand unter Mitwirkung von Elisabeth Behrmann in Sydney, Jan Hromadko in Frankfurt am Main, Hiroyuki Kachi und Kazuhiro Shimamura in Tokio und Chuin-Wei Yap in Peking.) DJG/DJN/mmr/cbr Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

Copyright (c) 2010 Dow Jones & Company, Inc.