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19.07.2010

UPDATE: NSN kauft Großteil von Motorola-Sparte für 1,2 Mrd USD

(NEU: Aussagen des NSN-CEOs, Analyst, weitere Details)

(NEU: Aussagen des NSN-CEOs, Analyst, weitere Details)

Von Matthias Karpstein und Gustav Sandstrom DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Netzausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) kauft für 1,2 Mrd USD in bar einen Großteil der Ausrüstungssparte für drahtlose Netzwerke des US-Handyherstellers Motorola. Noch bis Jahresende werde das Closing der Übernahme erwartet, wie das Gemeinschaftsunternehmen von Nokia mit der Siemens AG sowie Motorola am Montag mitteilten. Auswirkungen auf das Geschäftsjahr 2010 erwartet NSN nicht.

Die Übernahme werde bei NSN zu einer höheren Profitabilität und einem stärkeren Cashflow führen, erklärte NSN-CEO Rajeev Suri. Das Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Handyproduzenten Nokia und des Münchner Technologiekonzerns Siemens will damit nach mehreren gescheiterten Versuchen sein Engagement auf dem US-Markt und in Japan ausweiten. Rund 7.500 Mitarbeiter werden im Zuge der Übernahme des Bereichs von Motorola zu NSN wechseln.

Der Netzwerkproduzent NSN übernimmt dabei nur einen Teil der Motorola-Sparte. Die so genannte "Push-to-talk"-Technologie unter dem Namen "iDEn" behält Motorola.

Durch die Übernahme der Motorola-Sparte könne NSN die dringend benötigten Skaleneffekte erzielen, lobte Analyst Sylvain Fabre vom Marktforscher Gartner den Deal. Der Markt für Telekommunikationsausrüster sei schon lange reif für eine Konsolidierung. Mit der Integration der Motorola-Sparte würde NSN seine derzeitige Position als Nummer zwei des weltweiten Infrastruktur-Geschäfts stärken. In Japan wäre NSN nach eigener Einschätzung größter ausländischer Ausrüster, in den USA käme NSN auf den dritten Platz.

NSN bemüht sich schon seit Längerem, mit Hilfe von Akquisitionen auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen versucht, zwei Geschäftsbereiche der insolventen Nortel Networks Corp zu übernehmen. Die Mobilfunksparte und die optische Netzwerksparte gingen letztlich aber an die schwedische Telefon AB LM Ericsson bzw die Ciena Corp.

Mit der Übernahme der Motorola-Sparte verschafft sich NSN nun Zugang zu amerikanischen Kunden wie den Telekommunikationskonzernen Verizon Wireless oder Sprint Nextel Corp, aber auch zu japanischen Unternehmen wie KDDI Corp.

Ein Siemens-Sprecher sagte, Siemens werde die NSN-Transaktion "positiv begleiten", sie habe aber keinerlei Cash-Wirkung für den DAX-Konzern. "Die Akquisition ist positiv für die weitere Entwicklung des NSN-Geschäfts. Wir erwarten signifikante Synergien, die den Wert des NSN-Geschäfts für Siemens als Anteilseigner steigern", erläuterte der Sprecher.

Die Finanzierung der Übernahme erfolge dabei ausschließlich durch NSN, betonte er. Die NSN-Eigner Siemens und Nokia würden zur Unterstützung allerdings ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 250 Mio EUR zum Zeitpunkt des Closings in Eigenkapital umwandeln. Weitere finanzielle Unterstützung oder Maßnahmen, die das Eigenkapital betreffen, seien von Siemens weder zugesagt noch beabsichtigt.

Vor drei Jahren hatte Siemens sein Netzwerkgeschäft mit dem von Nokia vereint, Freude machte das Gemeinschaftsunternehmen seither aber beiden Müttern kaum. Die Siemens-Bilanz belastete NSN immer wieder mit hohen Abschreibungen. Im Schlussquartal des vergangenen Geschäftsjahres wurde der Wert der NSN-Beteiligung in den Siemens-Büchern um 1,6 Mrd EUR gemindert. Im Auftaktquartal 2010 fuhr NSN einen operativen Verlust von 226 Mio EUR ein.

Zu ihrem Kerngeschäft zählen die Münchner das Joint Venture ohnehin nicht und Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher hatte bereits durchblicken lassen, dass er kein Interesse an der restlichen Hälfte von NSN hat, wenn im Jahr 2013 der Vertrag mit den Finnen ausläuft.

So schwierig wie die Verschmelzung von Nokia und Siemens zu NSN werde die Integration der Motorola-Sparte aber nicht werden, erwartet NSN-Vorstandsvorsitzender Suri. Die anstehende Integration käme bei weitem nicht an die NSN-Zusammenführung heran, erklärte er am Montag im Interview mit Dow Jones Newswires.

Das Wall Street Journal hatte zuvor mehrfach über die Übernahmepläne von NSN berichtet.

Für Motorola ist der Verkauf des Bereich ein wichtiger Schritt in der laufenden Restrukturierung. Der Konzern will sich im kommenden Jahr in zwei eigenständige und börsennotierte Unternehmen aufspalten. Mit dem Verkauf des Bereichs schaffe Motorola nun Werte, die gut von den verbleibenden Geschäftssparten verwendet werden könnten. Weitere Verkäufe von Unternehmensteilen werde es nun aber nicht mehr geben, sagte Co-CEO Greg Brown.

Webseiten: www.nokiasiemensnetworks.com www.motorola.com -Von Matthias Karpstein und Gustav Sandstrom, Dow Jones Newswires, +49 89 55214030, matthias.karpstein@dowjones.com DJG/mak/sha/jhe

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