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17.07.2007

UPDATE: ProSiebenSat.1 verteidigt geplanten Stellenabbau

(NEU: Details, Analysten- und Händlerstimmen, Schlusskurs)

(NEU: Details, Analysten- und Händlerstimmen, Schlusskurs)

Von Archibald Preuschat

Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die ProSiebenSat.1 Media AG hat die geplante Streichung von 200 Arbeitsplätzen gegen teils harsche Kritik verteidigt. Vorstandsvorsitzender Guillaume de Posch bestätigte am Dienstag vor den Aktionären in München, dass in Deutschland 180 Jobs und 20 weitere in der Amsterdamer Hauptverwaltung der übernommenen SBS Broadcasting wegfallen sollen. Politiker und Vertreter der Landesmedienanstalten kritisierten die Einschnitte bei der Sendergruppe in Deutschland, Analysten gehen sie nicht weiter genug.

Mehrheitseigner der ProSiebenSat.1 Media AG sind die Finanzinvestoren Permira und KKR. Sie hatten auch die Mehrheit bei SBS Broadcasting. Durch die Übernahme der pan-europäischen Senderkette durch ProSiebenSat.1 vor einigen Wochen waren die Finanzinvestoren bei SBS Broadcasting ausgestiegen. ProSiebenSat.1 lässt sich den Zukauf 3,3 Mrd EUR kosten. Das macht die Transaktion zu einer der größten in der europäischen Medienbranche.

ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzender de Posch nutzte das öffentliche Interesse an der Hauptversammlung, die Finanzinvestoren vor Angriffen aus der Politik zu verteidigen. Der geplante Stellenabbau bei der ProSiebenSat.1 Media AG sei nicht auf Druck der Mehrheitsaktionäre Permira und KKR zustande gekommen, sagte der Manager. "Die Entscheidung über sämtliche Maßnahmen ist alleine vom Management der Gruppe getroffen worden", sagte de Posch.

100 Stellen sollen am Standort Berlin wegfallen, 80 in München. Von den betroffenen Mitarbeitern haben 80 befristete Verträge, so de Posch.

Auch betroffen ist Sat.1, der Sender der Gruppe der seit einigen Monaten unter zurückgehenden Marktanteilen leidet. Hier stellte der Fernsehkonzern einige Nachrichten-Formate mit sofortiger Wirkung ein, Ende August sollen auch die Nacht-Nachrichten wegfallen.

Auf diese Programmeinschnitte reagierten Vertreter von Landesmedienanstalten mit Kritik. "Es kann nicht sein, dass das Programm baden geht, um die Renditeziele der Eigentümer zu erreichen", sagte Manfred Helmes, der Direktor der Landesanstalt für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wenn Sat.1 die Anforderungen an ein Vollprogramm nicht mehr erfüllt, müssen wir über die Konsequenzen nachdenken", hatte Helmes angekündigt. So könnte beispielsweise die bislang vorrangige Einspeisung des Programms ins Kabelfernsehen wegfallen, sagte er der Zeitung.

ProSiebenSat.1 sieht indes keine Konsequenzen. "Es hat sich bei den eingestellten Formaten aber nicht um Nachrichten im eigentlichen Sinne sondern um Boulevard-Magazine, also Infotainment gehandelt", so Kristina Faßler, Sprecherin des Senders Sat.1. Es sei keine Sekunde daran gedacht worden, die Hauptnachrichten am Abend einzustellen, fügte die Sat.1-Sprecherin hinzu.

Auch das Morgenmagazin des Senders, in dem Kurznachrichten ausgestrahlt werden, stehe nicht zur Disposition. "Entscheidend für die Einstufung als Vollprogramm ist, dass Nachrichten ausgestrahlt werden und das tun wir", sagte Faßler. Letztlich werden die Programmkosten von Sat.1 in diesem Jahr sogar höher ausfallen als 2006, so de Posch.

Kritik kam indes quer durch alle Parteien. "Das ist letztlich ein verheerendes Signal für den Medienstandort Deutschland", sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder im Gespräch mit "Spiegel online". "Die Streichung von Informationssendungen bei der Sendergruppe ProSiebenSat.1 ist ein Rückschlag für die Nachrichtenvielfalt in Deutschland und stellt die Sendelizenz für ProSieben und Sat.1 als Vollprogramme in Frage", erklärte die medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Grietje Bettin.

Analysten gingen die Sparpläne der nunmehr europäischen Senderkette nicht weit genug. Nach Meinung der UniCredit (HVB) sind sie nur ein kleiner Schritt, dem einschneidendere Maßnahmen folgen müssten, um die Kostenziele zu erreichen. Die Senderkette bezifferte die Synergien auf 80 Mio bis 90 Mio pro Jahr. Ab 2010 sollen sie vollständig gehoben sein.

12 bis 18 Monate wird de Posch zufolge die Integration von SBS Broadcasting in Anspruch nehmen. Nach dieser Zeit denkt ProSiebenSat.1 auch wieder an Zukäufe. Ohne Berücksichtigung der Akquisition von SBS Broadcasting will ProSiebenSat.1 auch im laufenden Jahr Umsatz und Ergebnis steigern.

"Wir gehen von einem Marktwachstum von 2% bis 3% aus und wollen schneller wachsen als der Markt, wobei uns auch die Diversifikation hilft", sagte Finanzvorstand Lothar Lanz und fügte hinzu: "Wenn alles so kommt, erwarten wir auch ein höheres Ergebnis als im Vorjahr", sagte Lanz. 2006 hatte ProSiebenSat.1 rund 2 Mrd EUR umgesetzt und einen Konzernüberschuss von 241 Mio EUR erzielt.

Der WM-Effekt aus dem Vorjahr wird im abgelaufenen zweiten Quartal indes nicht zu Umsatzsteigerungen führen. Lanz sieht einen Rückgang der Werbeumsätze im "einstelligen" Prozentbereich. Zahlreiche Unternehmen hatten im Vorjahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft geworben und das Ereignis im Juni und Juli gemieden.

Das Papier des MDAX-Wertes schloss an der Börse bei 28,99 EUR, ein Minus von 1,4%.

Webseite: http://www.prosiebensat1.com

-Von Archibald Preuschat, Dow Jones Newswires, +49 (0) 211 138 72 18,

archibald.preuschat@dowjones.com

DJG/apr/jhe

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