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09.12.2008

UPDATE2: Prognosesenkung schickt Q-Cells-Aktie auf Talfahrt

(NEU: Aktienkurse, Analystenaussagen, Stellungnahmen anderer Solarunternehmen)

(NEU: Aktienkurse, Analystenaussagen, Stellungnahmen anderer Solarunternehmen)

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

BITTERFELD-WOLFEN (Dow Jones)--Die Finanzkrise scheint endgültig auch in der Solarbranche angekommen zu sein: Der Solarzellenhersteller Q-Cells hat aufgrund der Unsicherheiten sowie der schwächeren Marktnachfrage im Zusammenhang mit der Finanzkrise seine erst Mitte November angehobene Prognose für das laufende Jahr sowie den Umsatzausblick für 2009 gesenkt.

Die Nachricht sorgte am Markt für einen Kurseinbruch: Die Aktie des in Thalheim in Sachsen-Anhalt ansässigen Unternehmens verlor am Dienstag an der Frankfurter Börse in der Spitze mehr als 30%. Um 12.25 Uhr notieren Q-Cells noch mit 19% im Minus bei 22,05 EUR und sind mit Abstand schwächster Wert im TecDAX.

Obwohl sich die deutschen Solarkonzerne bemüht zeigten, durch Prognosebestätigungen Sorgen am Markt über den Zustand der Branche zu zerstreuen, verlieren im Sog der Gewinnwarnung von Q-Cells auch alle anderen Solarwerte an Wert: Conergy geben 7,2% auf 0,90 EUR nach, Phoenix Solar 2,9% auf 25,50 EUR und SMA Solar 14,08% auf 27,45 EUR. Außerdem verlieren Solarworld 6,5% auf 13,17 EUR, Solon 0,4% auf 13,74 EUR und Roth & Rau 6,6% auf 12,80 EUR.

Die Q-Cells SE begründete die gesenkten Prognosen mit den "Unsicherheiten sowie der schwächeren Marktnachfrage im Zusammenhang mit der Finanzkrise". Aufgrund dieser Faktoren haben nach Unternehmensangaben "eine Reihe von Kunden in den vergangenen Tagen die Abnahme vereinbarter Mengen in das nächste Jahr verschoben". Kurzfristig seien für diese Mengen keine anderen Abnehmer gefunden worden.

Das Unternehmen rechnet nun für 2008 mit einem Produktionsvolumen von rund 570 (bisher: 585) MWp. Der Konzernumsatz wird sich nach Unternehmensangaben auf etwa 1,225 (bisher: 1,35) Mrd EUR belaufen. Das Unternehmen erwartet nun außerdem ein operatives Ergebnis (EBIT) im Kerngeschäft von etwa 230 Mio EUR und ein Konzern-EBIT von rund 205 (bisher: 260) Mio EUR.

Inklusive des erwarteten Ergebnisbeitrags der Renewable Energy Corporation strebt Q-Cells einen Jahresüberschuss von etwa 185 (bisher: 215) Mio EUR an. Als Reaktion auf die "veränderten Marktgegebenheiten" will der Solarzellenhersteller die Weihnachtstage sowie den Jahreswechsel für Wartungsarbeiten und den Abbau von Überstunden nutzen.

Angesichts der schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten sowie der unsicheren Lage auf den Märkten erwartet Q-Cells auch zum Jahresbeginn 2009 eine schwache Nachfrage. Daher senkte das Unternehmen die Produktionsprognose für das Jahr 2009 auf 800 MWp bis 1 GWp (bisher: 1 GWp). Aufgrund des niedrigeren Produktionsvolumens rechnet Q-Cells auch mit einem niedrigeren Umsatz von 1,75 Mrd und 2,25 (bisher: 2,25) Mrd EUR. Dies würde allerdings immer noch einem Einnahmenanstieg um mindestens 40% entsprechen.

Aufgrund der "zunehmenden Attraktivität der Rendite" von Photovoltaik-Anwendungen, erwartet das Unternehmen spätestens ab dem zweiten Halbjahr 2009 eine steigende Marktnachfrage und daher mittelfristig weiterhin einen unverändert positiven Trend.

Erst am 13. November hatte Q-Cells seine mittelfristigen Ziele bis 2010 bestätigt und den Ausblick für das laufende Jahr sogar leicht erhöht. "Die weltweite Finanzkrise hat die Rahmenbedingungen ohne Zweifel nicht verbessert", hieß es im Neunmonatsbericht von Q-Cells. "Allerdings sehen wir derzeit keinerlei Anzeichen für ein Nachlassen der Nachfrage. Der limitierende Faktor für das Wachstum der Industrie dürfte auch im Jahr 2009 die Angebotsseite sein."

Im ersten Halbjahr 2009 seien wegen der Kapitalmarktkrise zwar vereinzelte Kundenprobleme zu erwarten, teilte das Unternehmen seinerzeit mit. Diese hätten aber wohl nur geringe Auswirkungen. Q-Cells profitiere in der derzeitigen Krise als Weltmarktführer in der Solarzellen-Fertigung von Größenvorteilen sowie dem breiten, weltweiten Kundenportfolio.

Im Handel werden die Kursverluste von Q-Cells am Berichtstag teilweise mit einem Glaubwürdigkeitsproblem begründet, da sich das Unternehmen erst jüngst zuversichtlich zur Geschäftsentwicklung geäußert hatte. Nach Einschätzung der LBBW hat das Q-Cells-Management in den vergangenen Tagen einen großen Teil des Vertrauens verspielt. Langfristig bleibt die LBBW jedoch optimistisch für die Branche und das Unternehmen.

Die Analysten der WGZ-Bank zeigten sich wenig überrascht von den Projektverschiebungen, hatten sie doch unlängst darauf hingewiesen, dass dies aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten bei Kunden wohl nicht ausbleiben werde. WestLB-Analyst Sebastian Zank zeigte sich mit Blick auf die gesenkte Prognose skeptisch, dass Q-Cells wegen des schwierigen Umfelds sowie der unsicheren Preis- und Umsatzentwicklung auch 2009 die hohe Profitabilität behaupten kann.

Nach neuesten Kalkulationen eines Analysten, der namentlich nicht genannt werden wollte, könnte der Gewinn je Aktie von Q-Cells im kommenden Jahr rund 20% unter das Niveau des Jahres absacken.

Andere deutsche Solarkonzerne bestätigten nach Bekanntwerden der Gewinn- und Umsatzwarnung von Q-Cells ihre Zielwerte, um Sorgen über den Zustand der Branche zu zerstreuen. Der Q-Cells-Zulieferer Roth & Rau beispielsweise hält trotz der Prognosensenkung des Solarzellenherstellers an seinen Zielen für 2008 fest und rechnet weiter mit einem Umsatz von mindestens 250 Mio EUR und einer EBIT-Marge von mindestens 10%.

Anka Leiner, Sprecherin der Phoenix Solar AG, sagte: "Wir liegen im Plan; es gibt keinen Anlass, unsere Prognose zu senken". Phoenix Solar hatte die im Jahresverlauf angehobene Prognose zuletzt am 13. November bestätigt und erwartet für 2008 weiterhin einen Umsatz von 380 Mio EUR sowie ein EBIT von mindestens 33 Mio EUR. Das Unternehmen ist nach Aussage der Sprecherin aktuell kein Kunde von Q-Cells. Zu spüren bekommt der Solar-Systemanbieter die Finanzkrise nicht direkt, sondern über die Kunden. Vor allem das Segment Kraftwerkbau sei betroffen, wo es aufgrund der Krise am Finanzmarkt teilweise zu längeren Projektentwicklungszeiten komme, so Leiner.

Auch die Bonner Solarworld AG hat ihre Prognose bestätigt. Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der Solaranlagenbauers, sagte am Dienstag, dass Solarworld weiterhin ein Umsatz- und bereinigtes EBIT-Wachstum von mehr als 25% bis 30% erreichen wolle. Für 2009 fühle sich Solarworld mit einer Zielspanne von 25% bis 30% "sehr wohl", so der Manager.

Als einer der ersten führenden deutschen Solarkonzerne hatte die Solon AG Mitte November mit Verweis auf die eingetrübten Branchenaussichten ihre Prognosen für 2008 und 2009 zurückgenommen.

Webseite: http://www.q-cells.de - Von Nico Schmidt; Dow Jones Newswires; + 49 - (0)69 297 25 111; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/kla

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