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08.08.2008

UPDATE3: freenet gewinnt auf HV Machtkampf gegen Großaktionäre

(NEU: Abstimmungsergebnis) Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Abstimmungsergebnis) Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES

HAMBURG (Dow Jones)--Die freenet AG hat auf der Hauptversammlung nach zähem Ringen den Machtkampf gegen ihre Großaktionäre gewonnen. Nach stundenlangen Diskussionen lehnte das Aktionärstreffen am späten Freitagabend sowohl den Antrag der MSP Holding auf Abberufung des gesamten Aufsichtsrates ab als auch die Forderung nach einem Vertrauensentzug gegenüber dem Vorstand.

Damit schaffte es freenet, die Anleger vom Kurswechsel hin zu einem Mobilfunkanbieter zu überzeugen. Bereits am späten Nachmittag kristallisierte sich nach Einschätzung von Sitzungsteilnehmern heraus, dass die Aktionäre dem freenet-Management wohl das Vertrauen aussprechen werden und somit freenet im Machtkampf mit den Hauptanteilseignern United Internet und Drillisch die Nase vorne haben könnte.

Aktionärsschützer sowie Kleinanleger schienen dem zuletzt in die Kritik geratenen freenet-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Spoerr im Laufe des Tages beizustehen. Auch die Private-Equity-Gesellschaft Permira, die seit der Debitel-Übernahme mit einer Beteiligung von rund 25% zu den freenet-Großaktionären gehört, stand offenbar auf der Seite Spoerrs.

Den großen Gegenblock bildete die MSP Holding um United Internet und Drillisch, die gerichtlich eine Erweiterung der Tagesordnung der Hauptversammlung erstritt und den Aktionären somit überhaupt erst die Möglichkeit gab, über den Entzug des Vertrauens gegenüber dem amtierenden freenet-Vorstand sowie über die Abwahl der Aufsichtsratsmitglieder abzustimmen. Gemeinsam halten United Internet und Drillisch über die MSP Holding rund 26% an freenet und sind damit größter Anteilseigner des Hamburger Unternehmens.

Nach Einschätzung von Branchenkennern war der Finanzinvestor Hermes das "Zünglein an der Waage" im Machtkampf zwischen freenet, United Internet und Drillisch. Hermes ist mit über 5% an freenet beteiligt. In der Fragerunde der Aktionäre forderte Stephan Howaldt von der britischen Private-Equity-Gesellschaft, dass sich das freenet-Management mehr auf das operative Geschäft konzentrieren müsse.

In der jüngeren Vergangenheit hätten sich sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat mehr mit aktienrechtlichen Themen auseinanderzusetzen gehabt als mit der Geschäftsentwicklung. Einen direkten Hinweis darauf, ob Hermes für oder gegen Vorstand und Aufsichtsrat stimmen wird, lieferte der Vertreter des Finanzinvestors zwar nicht. Zahlreiche Teilnehmer der Hauptversammlung deuteten die Aussagen von Howaldt aber als Bekenntnis zum amtierenden Management.

Branchenkenner hatten bereits im Vorfeld der Hauptversammlung einen Machtkampf zwischen freenet sowie Drillisch und United Internet erwartet. Die Voraussetzungen dafür hatte das Registergericht Kiel in der vergangenen Woche geschaffen: Dort konnte sich die MSP Holding mit ihrem Antrag durchsetzen, die Tagesordnung für die Hauptversammlung um mehrere Punkte zu erweitern. Dieser Richterspruch gab der MSP Holding erst die Möglichkeit, die freenet-Aktionäre über den Entzug des Vertrauens gegenüber dem amtierenden freenet-Vorstand sowie über die Abwahl der Aufsichtsratsmitglieder abstimmen zu lassen.

Hintergrund des Streits ist die Übernahme von Debitel durch freenet, die die Ziele der freenet-Hauptaktionäre torpediert hatte. United Internet und Drillisch hatten sich selbst um eine freenet-Übernahme bemüht. United Internet war vor allem am DSL-Geschäft von freenet interessiert, Drillisch am Mobilfunkgeschäft. Deshalb planten beide Unternehmen eine Aufspaltung des im TecDAX notierten Unternehmens.

Ende April verständigte sich die freenet-Führung dann aber gegen den Widerstand ihrer Hauptanteilseigner mit Debitel auf eine Übernahme. Diese hatte freenet rund 1,65 Mrd EUR gekostet. Dabei übernahm freenet rund 1,1 Mrd EUR Schulden des Wettbewerbers. Mit der Akquisition verfolgt freenet das Ziel, den Geschäftsfokus auf den Mobilfunkbereich zu legen.

Im Mittelpunkt der kontroversen Diskussionen auf der Hauptversammlung stand vor allem diese Transaktion, durch die das Unternehmen seine Operationen auf den Mobilfunkbereich fokussieren will. Spoerr räumte auf der Hauptversammlung zwar ein, dass der Mobilfunkmarkt von einem "hohen Wettbewerbsgrad" und gleichzeitig "hoher Marktsättigung" gekennzeichnet sei. Aus der Debitel-Übernahme hätte sich aber "erhebliches" Synergiepotenzial ergeben, da es sich um eine "In-Market-Konsolidierung" gehandelt habe, sagte Spoerr, ohne eine genaue Erwartung für mögliche Einspareffekte zu beziffern.

Nach Aussage von Spoerr wird freenet mittelfristig in der Lage sein, die Erosion des durchschnittlichen Erlöses pro Nutzer im Mobilfunksegment zu stoppen. Langfristig sei sogar eine neuerliche Steigerung dieses Wertes zu erwarten. Der durchschnittliche Erlös pro Nutzer ("Average Revenue per User"/ARPU) gilt für Telekomunternehmen als wichtiger Maßstab für die Profitabilität. Während freenet 2006 noch einen ARPU von 27,02 EUR erwirtschaftete, lag dieser Wert 2007 um 9% niedriger bei nur noch 24,64 EUR.

Robert Weber, der die Interessen des freenet-Großaktionärs Drillisch vertrat, ging auf der Hauptversammlung hart mit dem freenet-Management ins Gericht und kritisierte das "fehlende strategische Konzept". Zudem stellte Weber die Frage nach der Professionalität des Vorgehens des Managements. Er forderte einen "klaren Schnitt" und plädierte für die Abwahl von Vorstand und Aufsichtsrat.

Erst dann würde sich die Chance für einen echten Neuanfang bieten, so Weber. Der Rechtsanwalt bestritt indirekt Vorwürfe von Kleinanlegern, wonach Drillisch und United Internet den freenet-Vorstand und -Aufsichtsrat nur abwählen lassen wollen, um den Weg für eine Zerschlagung des Unternehmens zu schaffen: "Unser Interesse ist ein steigender Aktienkurs - nicht mehr und nicht weniger".

Spoerr erwiderte, dass freenet vor allem eines brauche, um die Aktienentwicklung zu stabilisieren: Ruhe. Um für diese im Umfeld des Unternehmens zu sorgen, seien auch die großen Anteilseigner verantwortlich, so der Manager.

Die MSP Holding kritisierte, dass freenet einen "viel zu hohen Preis" für die Debitel-Übernahme bezahlt habe. Zudem sagte ein Vertreter des Joint Venture von United Internet und Drillisch, dass eine Entscheidung über die Debitel-Transaktion nicht über die Köpfe der Anteilseigner hinweg hätte entschieden werden dürfen.

Auch Nachfragen - vor allem zum Thema Debitel - wurden auf der Hauptversammlung nach Aussagen eines MSP-Sprechers nicht ausreichend beantwortet. Im Sitzungssaal mehrten sich daher die Stimmen, die nach einer Wiedereröffnung der Fragerunde verlangten. Dies wiederum nährte Spekulationen, dass die freenet-Gegner die Hauptversammlung über Mitternacht ausdehnen könnten. Da die Sitzung im Vorfeld aber nur für einen Tag angesetzt worden war, wären in diesem Fall die Beschlüsse nichtig gewesen.

Die freenet-Gegner sahen im Tagesverlauf ihre Chancen zum Sturz des Managements aber schwinden. MSP-Vorstandsvorsitzender Paschalis Choulidis sagte, er habe Zweifel daran, dass eine Mehrheit für die Abwahl von Spoerr gefunden werden könne.

Die Aktionärsschützer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kündigten an, sich zwar bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat enthalten zu wollen. Doch soll der durch die MSP gerichtlich erstrittene Antrag auf Abberufung des Aufsichtsrates und Vertrauensentzug des Vorstandes abgelehnt werden. SdK-Sprecher Thilo Freiherr von Kap-Herr sagte, die Aktionärsschützer wollten dem amtierenden Management "die letzte Möglichkeit geben", die Entwicklung des Unternehmens - und damit auch des freenet-Aktienkurses - voranzutreiben.

Auch Steffen Kraus von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) stärkte dem freenet-Vorstand und -Aufsichtsrat den Rücken. Zwar kritisierte er die Konditionen des Debitel-Kaufs als "ungünstig", sagte aber dem Management die Unterstützung der Schutzgemeinschaft zu. Zudem forderte Kraus, dass sich die zerstrittenen Parteien annähern sollten.

Das Interesse der freenet-Aktionäre an der Hauptversammlung war groß: Zur entscheidenden Abstimmung über Wohl und Wehe der Verwaltung des Unternehmens waren 76,51% des Grundkapitals der freenet AG im Sitzungssaal vertreten.

Webseite: http://www.freenet.de - Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires; +49 - (0)69 297 25 102; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/ros

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