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23.04.2008

UPDATE3: Qimonda-Abschreibung beschert Infineon Milliardenverlust

(NEU: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkursentwicklung)

(NEU: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkursentwicklung)

Von Alexander Becker

DOW JONES NEWSWIRES

NEUBIBERG (Dow Jones)--Bei der Infineon Technologies AG ist im zweiten Quartal 2007/08 infolge von Verlusten der Qimonda AG und einer Abschreibung auf die Speicherchiptochter ein Konzernverlust von rund 1,4 Mrd EUR angefallen. Das Kerngeschäft mit Logikchips entwickelte sich dabei jedoch im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Halbleiterhersteller warnte hier allerdings vor einem starken Gegenwind für das Geschäft durch einen anhaltend schwachen Dollar. Im Blickpunkt bleibt nach wie vor vor allem die Trennung von Qimonda.

Nach einem Zeitungsbericht verhandelt Infineon mit allen wichtigen Konkurrenten über einen Verkauf. In der Zwischenzeit haben allerdings bereits Qimonda-Wettbwerber Powerchip Semiconductor, Nanya, Elpida und Hynix erklärt, sich nicht in Übernahmeverhandlungen zu befinden.

Das Infineon-Management wollte sich auf Nachfrage nicht näher zu laufenden Verhandlungen äußern und wiederholte lediglich frühere Angaben, nach denen der Neubiberger DAX-Konzern verschiedene Alternativen evaluiere. Hier habe das Unternehmen seit der Hauptversammlung im Frühjahr zwar "Fortschritte gemacht", könne dazu aber nicht spezifischer werden, so Ziebart.

Dabei ist ein Verkauf an einen Finanzinvestor offenbar unwahrscheinlich. Bei Qimonda sei "ein klassischer Private-Equity-Deal sehr beschränkt". So seien Private-Equity-Investoren eher an stabilen Cash-Flows interessiert, die in der volatilen Speicherchipbranche nicht gegeben seien.

Infineon hatte zuvor mehrfach angekündigt, die Qimonda-Beteiligung bis spätestens zur Hauptversammlung 2009 unter 50% zu reduzieren. Dabei befinde sich das Unternehmen "im Plan", sagte Ziebart am Mittwoch. In den kommenden Quartalen könnte sich im Zusammenhang mit der Trennung ein weiterer Abschreibungsbedarf auf den Qimonda-Anteil ergeben.

Derzeit steht die Beteiligung mit 6,50 USD in den Büchern. In den kommenden Quartalen müsse entsprechend mit den Wirtschaftsprüfern festgestellt werden, ob es einen Neubewertungsbedarf gebe. Am Dienstag hatte die Qimonda-Aktie den Handel an der NYSE bei 3,56 USD beendet.

Im abgelaufenen zweiten Quartal bescherte die Neubilanzierung von Qimonda als nicht fortzuführendes Geschäft und die verbundene Abschreibung dem Mutterkonzern einen Milliardenverlust. Der Neubiberger Halbleiterhersteller verzeichnete bei einem Umsatz von 1,049 (Vorjahr 0,978) Mrd EUR einen Konzernverlust von 1,371 Mrd nach minus 11 Mio EUR im Vorjahr. Hier wirkte sich vor allem die Neubilanzierung der 77,5-prozentigen Tochter Qimonda aus.

Diese wird seit dem zweiten Quartal als "zum Verkauf stehende Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten" geführt und taucht entsprechend nur noch im Ergebnis des nicht fortgeführten Geschäfts und dem Infineon-Konzernergebnis auf. Das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten belief sich im zweiten Quartal auf minus 1,390 Mrd EUR. Dieses beinhaltet den Infineon-Anteil am Qimonda-Fehlbetrag von 482 Mio EUR sowie Abschreibungen von 1,004 Mrd EUR für die Wertberichtigung des Buchwerts der von Infineon an Qimonda gehaltenen Anteile.

Im Kerngeschäft mit Logikchips entwickelten sich Umsatz und Ergebnis im Berichtszeitraum im Rahmen der Analystenerwartungen. In der Sparte Automotive, Industrial & Multimarket (AIM) belief sich der Umsatz auf 741 Mio EUR und das EBIT auf 69 Mio EUR. Leicht besser als erwartet entwickelte sich der Bereich Communication Solutions (Com). Bei einem Umsatz von 302 (Vorjahr 238) Mio EUR erwirtschaftete Infineon hier ein EBIT von minus 29 (minus 53) Mio EUR.

"In unseren Segmenten haben wir hinsichtlich Umsatz und Infineon-EBIT im Vergleich zum Vorquartal beachtliche Fortschritte erzielt, und das trotz der sehr ungünstigen Entwicklung des US-Dollar-Euro-Wechselkurses", sagte Ziebart.

Die Dollarschwäche könnte sich auch auf die Ergebnisziele auswirken. Sollte sich der "drastische" Rückgang des US-Dollar gegenüber dem Euro im gesamten Geschäftsjahr 2008/09 bestätigen und auf dem Niveau von 1,60 einpendeln, "würde dies basierend auf gegenwärtigen Umsatzplanungen im Geschäftsjahr 2008/09 zu einem Rückgang des Infineon-EBIT von 120 Mio EUR führen". "Unter diesen Voraussetzungen wird es nicht möglich sein, eine EBIT-Marge von 10% zu erreichen".

Über die Absicherung von Wechselkursrisiken mit dem US-Dollar für das kommende Geschäftsjahr 2008/09 sei bislang noch keine Entscheidung getroffen worden, sagte der neue Finanzvorstand Marco Schröter während einer Telefonkonferenz zu den Zweitquartalszahlen. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres sei Infineon bei einem Euro-Kurs von 1,45 USD abgesichert.

Jeder Cent Wechselkursveränderung zu Ungunsten des Dollar koste das Unternehmen 8 Mio bis 10 Mio EUR EBIT über das Geschäftsjahr, sagte Ziebart. Auf welchem Wechselkursniveau die Erreichung dieses Ziel noch möglich sei, wollte Ziebart auf Nachfrage nicht konkret kommentieren.

Mit Veröffentlichung der Erstquartalszahlen hatte das Infineon-Management bereits gesagt, dass das Erreichen des Margenziels 2009 deutlich schwieriger geworden sei. Damals notierte der Euro bei rund 1,45 USD. Bei Ausgabe der ursprünglichen Prognose habe das Wechselkursverhältnis bei 1,25 USD gelegen, so Ziebart weiter.

Nach Einschätzung von Merrill Lynch (ML) ist die Tatsache, dass das Management das bisher gültige EBIT-Margen-Ziel von 10% für das Gesamtjahr aufgrund von Wechselkurseinflüssen zurückgenommen habe, keine Überraschung. Die Analysten sehen die nun vorgelegten Zweitquartalsergebnisse leicht über den Erwartungen. Der Ausblick für das dritte Geschäftsquartal liege im Rahmen der Prognosen, sagt ML-Analyst Jonathan Crossfield. Er empfiehlt Infineon als "Buy" mit einem Kursziel von 7,20 EUR.

Infineon mache klare Fortschritte im Bereich der operativen Leistung, stellt UniCredit mit Blick auf die Zweitquartalszahlen des Unternehmen fest. Positiv hervorzuheben sei, dass das Unternehmen zusätzliche Maßnahmen zur schnelleren Margensteigerung in einem schwierigen Währungsumfeld angekündigt hat. UniCredit hat Infineon mit "Hold" und einem Kursziel von 6,50 EUR bewertet.

Infineon hatte zuvor angekündigt, "das Tempo bei der Umsetzung der Maßnahmen, die wir zur Verbesserung unserer EBIT-Marge im gesamten Unternehmen eingeführt haben, erheblich beschleunigt" zu haben.

Infineon kündigte zudem an, verstärkt Wertschöpfung in Low-Cost-Länder und den US-Dollarraum verlagern zu wollen, um den Belastungen durch die Wechselkursentwicklungen zu begegnen. Derzeit hat Infineon nach eigenen Angaben rund ein Drittel seiner Kosten im Dollar-Raum, generiert aber etwa die Hälfte ihrer Umsätze dort. Ein stärkeres natürliches Hedging sei zwar wünschenswert, aber auch nicht leicht zu realsieren. Genaue Zielwerte für den Kostenanteil im US-Dollarraum machte Ziebart nicht.

Die Infineon-Aktie notierte am Mittag in einem unveränderten Gesamtmarkt 3,5% im Plus. Zuvor hatte die Aktie bereits knapp 6% im Plus notiert.

Webseite: http://www.infineon.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/brb

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