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UPDATE3: Telekom kann Personalumbau vorantreiben

20.06.2007
(NEU: Zustimmung der Tarifkommission)

(NEU: Zustimmung der Tarifkommission)

Von Stefan Paul Mechnig

Dow Jones Newswires

BAD NEUENAHR (Dow Jones)--Die Deutsche Telekom AG kann ihren Personalumbau vorantreiben, um im Inland wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Unter dem Druck eines über fünfwöchigen Streiks vereinbarten der Konzern und ver.di in der Nacht zu Mittwoch einen Kompromiss zur Ausgliederung von rund 50.000 Beschäftigten. Sie müssen in Tochterfirmen länger arbeiten und verdienen weniger. Die Gehaltssenkung fällt aber geringer aus als von der Telekom gefordert. Gleichwohl sieht das unter Konkurrenz- und Kostendruck stehende Unternehmen sein Sparziel erreicht.

Der Einigung, die nach einwöchigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr erzielt wurde, stimmte später auch die Große Tarifkommission von ver.di mit überwältigender Mehrheit zu. Ende kommender Woche sind nun die Beschäftigten aufgerufen, in einer Urabstimmung über den Kompromiss und das Ende der Streiks zu befinden. Diese werden in der Zwischenzeit weiter zurückgefahren. Es war mit bis zu 15.000 Teilnehmern täglich der größte Arbeitskampf in der Geschichte des früheren Staatsbetriebs.

Der neue Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger und ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder sprachen von einem Kompromiss, bei dem es weder Sieger noch Verlierer gebe. Die Gewerkschaft wertete es als Haupterfolg, dass die Einkommen der Call-Center-Agenten und Techniker in den drei geplanten T-Service-Gesellschaften zwar tariflich um 6,5% sinken, aber de facto durch einen komplexen Mechanismus stabil blieben. Auf der anderen Seite sei die Zustimmung zur Verlängerung der Wochenarbeitszeit um vier auf 38 Stunden ohne Lohnausgleich ein großes Zugeständnis, sagte Schröder.

Die Telekom sieht sich nun in der Lage, im angespannten Inlandsmarkt mit wettbewerbsfähigeren Kostenstrukturen zu agieren und die Servicekultur zu verbessern. Der Konzern leidet unter massiven Kundenverlusten im traditionellen Festnetz und deutlichen Umsatz- und Gewinneinbußen im Deutschlandgeschäft. Sattelberger sagte, die Maßnahmen trügen dazu bei, das Wachstum zu fördern. Mit den Einsparungen liege man voll im Zielkorridor von 500 Mio bis 900 Mio EUR. In verhandlungsnahen Kreisen hieß es, die Telekom werde ab 2010 zwischen 650 Mio und 750 Mio EUR pro Jahr sparen können.

Konkret wurde in Bad Neuenahr ferner vereinbart, dass die Telekom für dreieinhalb Jahre Ausgleichzahlungen leistet, um die 6,5-prozentige Gehaltssenkung abzufedern. Anfangs soll die Lücke vollständig und am Ende noch zu einem Drittel geschlossen werden.

Ursprünglich hatte die Telekom eine Einkommensverringerung um 12% verlangt; zuletzt hatte sie 9% weniger gefordert. Schröder sagte, die Einkommen blieben langfristig stabil. Dazu sollten auch die künftigen Einkommenserhöhungen beitragen, die ver.di ab 2009 erzielen wolle. Sollten keine entsprechenden Abschlüsse von mindestens 2,1% erreicht werden, schieße wiederum die Telekom Mittek en. Hierzu stehe ein Fonds von 18 Mio EUR zur Verfügung.

Die flexiblen Gehaltsbestandteile der T-Service-Leute sollen von 7% auf bis zu 15% ausgeweitet werden. Das hängt von den Gewinnzielen des Konzerns, Qualitätsparametern im Service und individuellen Vereinbarungen ab. Eine halbe Stunde pro Woche können die Beschäftigen zur Weiterbildung nutzen. Ihnen sollen außerdem mehr Karrierechancen eröffnet werden. Neue Mitarbeiter sollen erheblich weniger verdienen - die Gehälter sinken um rund ein Drittel auf 21.000 bis 23.000 EUR. Auf der anderen Seite sollen über 4.000 Auszubildende übernommen werden.

Samstagsarbeit soll in den Call-Centern und Technikbereichen zur Regel werden. Dies alles helfe, dass weniger Arbeit an Fremdfirmen vergeben werden müsse, unterstrich Sattelberger. Im Gegenzug will die Telekom bis Ende 2010 auf einen Verkauf der neuen Gesellschaften verzichten. Außerdem stimmte sie einem verlängerten Kündigungsschutz bis Ende 2012 zu.

Analysten beurteilten den Kompromiss für die Telekom positiv. Heike Pauls von der Commerzbank sprach von einem "sehr guten Ausgang". Sie hob hervor, dass der Konzern offenbar die Hälfte seines Einsparziels erreicht habe. Ihr Kollege Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg sieht in der Lösung das Maximum dessen, was für die Telekom angesichts der starken Gewerkschaftsposition erreichbar gewesen sei. An der Börse verzeichnete die T-Aktie einen Zuwachs von bis zu 2% auf gut 14 EUR.

Webseiten: http://www.telekom3.de/

http://www.verdi.de/

-Von Stefan Paul Mechnig, Dow Jones Newswires, +49 (0)211 - 13 87 213,

TMT.de@dowjones.com

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