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28.11.2008

UPDATE3: ThyssenKrupp erwartet Gewinneinbruch nur im Gj 2008/09

(NEU: Weitere Details, Marktreaktionen)

Von Andreas Heitker

DOW JONES NEWSWIRES

ESSEN (Dow Jones)--Der Konjunktureinbruch und die Finanzkrise werden das Geschäft des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp AG in den kommenden Jahren beeinträchtigen. Der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz prognostizierte für das laufende Geschäftsjahr einen deutlich sinkenden Umsatz und Gewinn. Allerdings hofft er bereits 2009/10 wieder auf eine positive Entwicklung. Die Langfristziele lässt ThyssenKrupp zwar grundsätzlich unberührt - sie werden aber wohl erst später als eigentlich geplant erreicht.

"Wir können uns dem gegenwärtigen konjunkturellen Abschwung nicht entziehen, sind aber gut vorbereitet und solide finanziert", betonte Schulz am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz. Der hohe Auftragsbestand im Projektgeschäft, der hohe Dienstleistungsanteil sowie der Zuschnitt der Produkte böten Stabilität und machten den ThyssenKrupp im Vergleich zu anderen Unternehmen "krisenfester". Auch mache die Konglomeratsstruktur den Konzern unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen.

Die derzeitige Situation bezeichnete aber auch Schulz als "herausfordernd". ThyssenKrupp werde alle wesentlichen Investitionen zwar umsetzen, werde aber Projekte in einer Größenordnung von 500 Mio EUR zeitlich strecken. Hiervon seien eine Vielzahl kleinerer Projekte betroffen. Produktionsstillstände, Kurzarbeit oder Personalanpassungen wollte der Vorstandsvorsitzende nicht grundsätzlich ausschließen. Standortschließungen oder Entlassungen seien zurzeit aber nicht geplant.

Im Stahlgeschäft kann sich der Konzern über den Zukauf von Brammen an die Nachfrage anpassen, wie Schulz weiter erläuterte. So könne ThyssenKrupp auch darauf verzichten, die Fixkosten-intensiven Hochöfen und Stahlwerke herunterzufahren. Für das laufende Geschäftsjahr stellte Schulz aber einen Rückgang des Stahlverbrauchs in Aussicht. Es gebe im Steel-Geschäft ein "erhebliches Preis- und Mengenrisiko". Dieses werde aber über die sinkenden Rohstoffkosten begrenzt.

Finanzvorstand Ulrich Middelmann verwies am Rande der Bilanzvorlage darauf, dass die sinkenden Stahlpreise auch wegen des hohen Anteils an Jahreskontrakten zurzeit nur ein begrenztes Problem darstellten. 60% bis 65% ihrer Stahlproduktion verkaufe ThyssenKrupp nämlich über Jahresverträge, die noch bis zum 30. Juni 2009 liefen. Schulz betonte, es gebe keinen Grund, die Jahreskontrakte in der jetzigen Situation neu zu verhandeln.

Eine konkrete Prognose für das am 1. Oktober gestartete Geschäftsjahr wollte der Vorstandsvorsitzende nicht abgeben. Er verwies aber darauf, dass der wirtschaftliche Einbruch in der Auto-, Maschinenbau- und Bauindustrie auch bei ThyssenKrupp Spuren hinterlassen werde. Das Unternehmen gehe für 2008/09 von einem deutlichen konjunkturbedingten Umsatzrückgang aus, dessen Ausmaß zurzeit noch nicht abgeschätzt werden könne, sagte der Vorstandschef. Dies werde sich im Ergebnis entsprechend niederschlagen.

Schulz verwies auf der Bilanzpressekonferenz auf die "solide finanzielle Ausstattung" des Konzerns mit liquiden Mitteln von 2,8 Mrd EUR und fest zugesagten, ungenutzten Kreditlinien von 4,6 Mrd EUR. Er bestätigte zugleich auch ein neues Sparprogramm, dass die jährliche Kostenbasis um mehr als 1 Mrd EUR senken soll. Eine Kostensenkung um 1 Mrd EUR werde nicht ausreichen, um die Finanzziele des Konzerns zu erreichen.

Finanzchef Middelmann ergänzte, das Kostenprogramm werde bereits im laufenden Geschäftsjahr "voll ergebniswirksam". Angesichts der Finanzkrise wolle der Konzern außerdem das Net Working Capital um 1,5 Mrd EUR abbauen und müsse die bereits geplanten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung deutlich schneller umsetzen als eigentlich geplant.

ThyssenKrupp bekräftigte grundsätzlich ihre mittel- bis langfristigen Zielgrößen, nach denen ein Vorsteuerergebnis vor Sondereffekten von 4 Mrd bis 5 Mrd EUR sowie ein Umsatz von 60 Mrd bis 65 Mrd EUR erzielt werden soll. Diese Ziele können nach Einschätzung des Vorstands frühestens 2013 erreicht werden. Bisher hatte der Konzern bis 2012 einen Umsatz von 65 Mrd EUR und ein Vorsteuerergebnis von 4,5 Mrd bis 5 Mrd EUR in Aussicht gestellt. Schulz unterstrich, es könne zwar zu zeitlichen Verschiebungen kommen. Der langfristige Unternehmenserfolg bleibe davon aber unberührt.

Im dem im September abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 hatte ThyssenKrupp noch einmal wie erwartet starke Zahlen verbucht. Der Vorsteuergewinn vor Sondereffekten - die zentrale Gewinnsteuergröße im Konzern - summierte sich auf 3,5 Mrd EUR. Angekündigt hatte ThyssenKrupp zuletzt lediglich "über 3,2 Mrd EUR". Die von Dow Jones Newswires befragten Analysten waren im Schnitt von 3,445 Mrd EUR ausgegangen.

Einschließlich der Sondereffekte - vor allem der Anlaufverluste für die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA - ging das Vorsteuerergebnis allerdings wie erwartet auf 3,128 (Vorjahr: 3,330) Mrd EUR zurück. Unter dem Strich stieg der der Nettogewinn dennoch wegen einer geringeren Steuerquote auf 2,28 (Vorjahr 2,19) Mrd EUR und das Ergebnis je Aktie auf 4,59 (4,30) EUR. Die Dividende soll unverändert bei 1,30 EUR je Aktie bleiben.

Beim Umsatz traf der Stahlkonzern die Erwartung mit 53,4 Mrd EUR punktgenau. Im Vorjahr beliefen sich die Einnahmen auf 51,7 Mrd EUR. Auch der Auftragseingang legte zu: ThyssenKrupp verbuchte für 55,2 Mrd EUR neue Order nach 54,6 Mrd EUR im Geschäftsjahr 2006/07.

Noch in diesem Geschäftsjahr will ThyssenKrupp nach Angaben von Middelmann ihre drei noch ausstehenden Desinvestitionen abschließen. Bis Mitte 2009 sollen im Automotive-Bereich das Nockenwellengeschäft verkauft werden sowie der Bereich Industrial Services. Außerdem will der Konzern im Services-Geschäft einen strategischen Minderheitsaktionär für den Bereich "Special Products" gewinnen, der 40% der Anteile übernimmt.

Für alle drei Vorhaben stünden trotz der Finanzkrise "hochinteressierte Käufer aus der Industrie und aus dem Private-Equity-Bereich" bereit, sagte Middelmann. ThyssenKrupp erwarte aus den Verkäufen Desinvestitionserlöse von über 1 Mrd EUR. Dieses Geld stehe dann auch für Akquisitionen bereit, sagte der Finanzvorstand. Es sei aber zu erwarten, dass diese Zukäufe nicht im Stahlbereich stattfinden, sondern eher in den Segmenten Technologies oder Elevator.

An der Börse verbuchte die ThyssenKrupp-Aktie am Freitag anfänglich deutliche Kursgewinne - die allerdings bis zum frühen Nachmittag in Folge von Gewinnmitnahmen wieder größtenteils abgegeben wurden. Gegen 14.34 Uhr notierte die Aktie bei einem schwächeren Gesamtmarkt 0,1% höher bei 15,55 EUR.

"Die Zahlen sind besser als die Lage", kommentiert Rochus Brauneiser, Analyst bei Kepler Capital Markets. Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hieß es, das Geschäftsjahr 2007/08 sei erwartungsgemäß erfolgreich abgeschlossen worden. Als besonders positiv schätzen die Analysten die Nettofinanzverschuldung ein, mit der ThyssenKrupp ins neue Jahr startet. Bei Sal. Oppenheim hieß es, man sei überrascht, dass der Konzern - anders als der Wettbewerber Arcelor Mittal - angesichts der schlechten Prognosen nicht die geplanten Wachstumsinvestitionen in Frage stelle.

Webseite: http://www.thyssenkrupp.de - Von Andreas Heitker, Dow Jones Newswires, +49 (0)211 13872 14, andreas.heitker@dowjones.com DJG/hei/kla

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