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15.12.2015 - 

Informatiker 2015

Arbeiten wie ein Beamter, verdienen wie ein Manager

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Deutsche Junginformatiker möchten nach wie vor am liebsten bei Google arbeiten. Auf den Plätzen folgen SAP, BMW und Audi. Wie eine Umfrage unter 6600 IT-Studenten außerdem zeigte, werden ein üppiges Gehalt, attraktive Aufgaben und eine intakte Unternehmenskultur erwartet.

Selbstbewusst, anspruchsvoll und gelassen blicken angehende Informatiker ihrem Berufseinstieg entgegen. Ihr Traumarbeitgeber ist wie in den Vorjahren Google. Die Kalifornier bauten mit knapp 28 Prozent der Nennungen ihren Vorsprung auf die zweitplatzierte SAP AG weiter aus: Das Walldorfer Softwarehaus nannten 9,8 Prozent der Befragten als ihre erste Wahl. Dichtauf folgen mit 8,8 Prozent die BMW Group, der Ingolstädter Autobauer Audi landete nur knapp dahinter.

Interessant wird es bei den Aufsteigern. ZF Friedrichshafen erzielte seine beste Platzierung als IT-Arbeitgeber. Unter Maschinenbauingenieuren zählt das Traditionsunternehmen vom Bodensee schon länger zu den begehrten Adressen. Inzwischen zieht es auch Informatiker dorthin. Mit Kuka aus Augsburg konnte sich ein weiterer Maschinenbauer verbessern, von Platz 78 auf 53. Mit seinen Industrierobotern verknüpfen viele das Thema Industrie 4.0, und der Konzern bringt sich als IT-Arbeitgeber bei den Absolventen immer besser ins Gespräch. Samsung schaffte es als Neueinsteiger gleich auf Platz 20.

Überbewertete Bewertungsportale

Doch all diese Aufstiege reichen nicht, um Platzhirsch Google vom Podest zu schubsen. Der kometenhafte Aufstieg begann 2007 mit dem zweiten Platz, ein Jahr später schaffte es Google auf den ersten Platz und baut seither seine Spitzenposition kontinuierlich aus. Für Arbeitgeber lohnt sich ein Blick in das Zahlenwerk der Meinungsforscher, denn Trendence fragte nach, worauf Absolventen bei der Jobwahl achten. Und da schlägt die Stunde von Arbeitgebern, die mit den Themen Unternehmenskultur und Arbeitsbedingungen punkten.

Attraktive Arbeitsaufgaben, Wertschätzung der Mitarbeiter, guter Führungsstil sowie persönliche Entwicklung zählen zu den wichtigsten Auswahlkriterien der Absolventen. "Zwei Drittel würden einen Job ausschlagen, wenn die Unternehmenskultur des Arbeitgebers nicht zu ihnen passt", erläutert Jörn Klick von Trendence in Berlin. Immerhin würden genauso viele Interessenten Abstriche beim Gehalt hinnehmen, wenn die Aufgaben herausfordernd sind und die Unternehmenskultur zu ­ihnen passt.

Jörn Klick von Trendence weiß, was sich die Absolventen wünschen: "Zwei Drittel würden einen Job ausschlagen, wenn die Unternehmenskultur des Arbeitgebers nicht zu ihnen passt"
Jörn Klick von Trendence weiß, was sich die Absolventen wünschen: "Zwei Drittel würden einen Job ausschlagen, wenn die Unternehmenskultur des Arbeitgebers nicht zu ihnen passt"
Foto: Trendence

Dem für Außenstehende schwer einschätzbaren Konstrukt "Unternehmenskultur" messen angehende Informatiker einen hohen Stellenwert bei. Doch wie beurteilen sie, ob ihnen die Arbeitsatmosphäre gefällt und der persönliche Umgang mit den Mitarbeitern respektvoll ist? "Viele sammeln Erfahrungen über Praktika, sprechen mit Mitarbeitern auf Messen und erkundigen sich bei Freunden und Familienangehörigen", erklärt Klick. Auch die Website des Unternehmens, Karriereportale und Social-­Media-Kanäle offerieren Einblicke, besonders glaubwürdig bleiben aber die eigenen Erfahrungen und die Informationen aus dem persönlichen Umfeld. Den Einfluss von Bewertungsplattformen schätzt Klick dagegen als zu vernachlässigende Größe ein.

Nach wie vor verlassen zu wenige Informatiker die Hochschulen, Unternehmen klagen, dass sie hohe Gehälter zahlen müssen, um überhaupt Nachwuchskräfte zu finden. Natürlich kennen die Absolventen dieses Missverhältnis. Viele finden ohne große Anstrengung einen Job, Gehaltsunterschiede zwischen Bachelor- und Master-Absolventen gibt es kaum. Auch die Studie unterscheidet nicht zwischen den Studienabschlüssen.

Berufsanfänger gehen davon aus, dass sie bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41 Stunden 46.200 Euro im Jahr verdienen. Die sogenannten High Potentials, die zu den besten 25 Prozent eines Jahrgangs zählen, ein Auslandsstudium oder Auslandspraktika mitbringen sowie Berufserfahrung im Inland gesammelt haben und sich darüber hinaus sozial engagieren, zeigen sich ehrgeiziger. Sie wären bereit, eine 43-Stunden-Woche auf sich zu nehmen, erwarten allerdings 51.000 Euro am Jahresende.

Angehende Informatiker erwarten ein Einstiegsgehalt von 46.200 Euro.
Angehende Informatiker erwarten ein Einstiegsgehalt von 46.200 Euro.
Foto: racorn - shutterstock.com

Auch Bachelors sind sehr selbstbewusst

Jörn Klick überraschen diese Zahlen keineswegs, denn der Trend zu mehr Freizeit und ­höheren Gehaltsforderungen zeigt sich schon länger: "Junge Arbeitnehmer wollen weniger arbeiten und mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen." Entsprechende Gehaltsforderungen kommen auch von angehenden Bachelor-Absolventen. Ob die künftigen Arbeitgeber wirklich so tief in die Tasche greifen wollen und ob sie sich ihre bisherige Gehaltsstruktur durcheinanderwirbeln lassen, das sieht in jeder Firma anders aus. Doch vielen Unternehmen bleibt wenig Spielraum, wenn sie junge Fachkräfte suchen.

Siemens ist bei Frauen beliebter

Microsoft rangierte in den Vorjahren in der Gunst der Absolventen weit vorne auf Platz vier, in diesem Jahr stuften die IT-Absolventen das Unternehmen auf Rang sieben zurück. "Das ist durchaus gewollt, denn Microsoft hat seinen Recruiting-Schwerpunkt verlagert und sucht verstärkt Wirtschaftswissenschaftler für den Vertrieb, und das sehr erfolgreich", weiß Klick.

Auch renommierte Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft (Platz 12) und die Max-Planck-Gesellschaft (Rang 32) verlo­ren in der Gunst der Bewerber. Beunruhigend finden das die Forschungsinstitute keineswegs, denn für die Grundlagenforschung bewerben sich nach wie vor genügend Informatiker. ­Beliebter war das Fraunhofer-Institut bei den High Potentials. Auch in der Wertschätzung dieser Gruppe liegt zwar Google mit knapp 31 Prozent uneinholbar vorne, doch die Fraun­hofer-Gesellschaft schafft es hier auf Rang sieben.

Frauen und Männer präferieren keineswegs die gleichen Arbeitgeber. Streben die Männer zu Google, SAP, Audi, Blizzard Entertainment, BMW und Microsoft, so bevorzugen ihre Kommilitoninnen zwar ebenfalls Google, doch nur mit knapp halb so vielen Stimmen, darauf folgen BMW, SAP und Siemens.

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Professional

Ich arbeite seit 15 Jahren in der IT als Softwareentwickler und habe schon vorher zweimal kurz im öffentlichen Dienst gearbeitet. Die Überschrift des Artikels bildet nicht im geringsten meine Situation ab. Die genannten Einstiegsgehälter gelten wohl für Städte wie München, Stuttgart oder Berlin. Auch die berufliche Situation war in den Jahren nicht leicht, gekennzeichnet durch Druck, Stress, hohe Verantwortung und Frustration. Und das ganze als ehemaliger Leistungsträger bei einer großen Firma. Wenn mir jemand eine Stelle anbieten kann, wo die genannten Vorstellungen erfüllt werden, dann nur los damit

Alex

Wenn ich sehe, was manche "Alte" in einigen Firmen bei 35 Stundenwoche, 40 Tage Urlaub, oft nur 10% Motivation/Einsatz plus Überstunden zum doppelten Tarif verdienen - ist es oft das 3-5 fache eines "Jungeren" bei 40 Stundenwochen, 30 Tage Urlaub und 150% Einsatz (das heißt Überstunden werden verlangt, aber verfallen ersatzlos). Viele "Ältere" konnten sich mit ihren "Gehältern" nach paar Jahren Luxushäuser in bester Gegend leisten, die Jungeren aber nach 10-15 Jahren noch gar nichts, dann wundert es niemanden, daß es eines Tages genauso kommt.

Landei

Finde ich korrekt. Man nennt das freie Marktwirtschaft. Nachdem Deutschland inzwischen das Land mit den geringsten Geburtenraten weltweit ist, und die Zuwanderer auch nicht alle einen Doktortitel haben, wird sich das Gehalt nach dem Markt richten. Ich denke wenn mein Sohn in 15 Jahren fertig mit dem Studium ist, wird er das doppelte verdienen. Gut so. Die "Alten" haben genau dieses Ergebnis selber zu verantworten.

hirnwuehler

Arbeiten wie ein Beamter, (aber gleich) verdienen (wollen) wie ein Manager!
Diese Aussage ist bezeichnend für diese 'neue' Generation.
Sie wissen viel, aber sie wissen noch nicht was sie nicht wissen.
Es reicht nicht aus seine Rechte zu kennen und bei den Pflichten diese nur zu seinen Nutzen auszulegen.
Schaffen ist eben Arbeit!!!

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