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02.02.2006

Große Defizite in der Personalplanung

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Mittelständler machen in ihrer Personalarbeit gute Fortschritte. Ressourcenplanung und Web-Auftritt weisen allerdings gravierende Mängel auf.

Zum dritten Mal ermittelte Christian Scholz, Personal-Management-Experte und Betriebswirtschaftsprofessor an der Universität Saarbrücken, das mittelständische Unternehmen mit der besten Personalarbeit. 36 Mittelständler wurden in der vergleichenden Studie auf ihre Aktivitäten in Sachen Personal-Management geprüft (siehe Kasten "Best Pers Award 2005"). Die Betriebe wurden unter anderem nach den Kriterien Personalbeschaffung, Kommunikation, Vergütung, Vision und Strategie, Personalentwicklung, -führung und -einsatz sowie Work-Life-Balance bewertet.

Hier lesen Sie ...

  • was erfolgreiche Mittelständler in puncto Personalarbeit auszeichnet;

  • wo eine Vergleichsstudie der Universität Saarbrücken Schwächen sieht;

  • welche Unternehmen einen Preis gewonnen haben.

Der Saarbrücker Wissenschaftler beobachtet eine Professionalisierung der Personalarbeit. So haben sich beispielsweise die Werte in der Kategorie Strategie und Vision gegenüber den Vorjahren deutlich verbessert. In der Personalentwicklung haben die Kleinen von den Konzernen gelernt und greifen praktisch auf alle gängigen Lernmethoden und Inhalte zurück. Alle Befragten (Vorjahr 90 Prozent) bieten für ihre Manager Kurse zu den Themen Kommunikation, Führungsverhalten und Leistungsbeurteilung an. 85 Prozent haben Konfliktlösungstechniken und Teambildungsseminare im Programm. Ebenfalls zu den Standards gehören Trainings in Projekt- und Zeit-Management, in Fremdsprachen und in Qualitäts-Management. Am seltensten bucht der Mittelstand interkulturelles Training, Schulungen zur individuellen Stressbewältigung sowie Fitnessprogramme.

Computerisierung im Mittelstand: Kleine Firmen verstärken den Einsatz von Systemen zur Fehlzeitenkontrolle und zur Arbeitszeitverwaltung.
Computerisierung im Mittelstand: Kleine Firmen verstärken den Einsatz von Systemen zur Fehlzeitenkontrolle und zur Arbeitszeitverwaltung.

Was den Computereinsatz im Personalwesen angeht, haben die meisten Kleinen die wichtigsten Prozesse automatisiert. So geben 94 Prozent der Teilnehmer an, dass ihre Lohn- und Sozialverwaltung IT-gestützt läuft, über 80 Prozent betreiben die Fehlzeitenkontrolle und die Arbeitszeitverwaltung am Computer. Es fällt auf, so Scholz, dass im Vergleich zum Vorjahr in die elektronische Kontrolle der Fehlzeiten kräftig investiert wurde. Verbesserungsfähig seien Funktionen wie elektronische Personalakte, Personaleinsatzplanung und Leistungsbeurteilung. Auch Skill-Datenbanken und elektronisches Wissens-Management sind noch die große Ausnahme.

Das Thema Personalbeschaffung hat im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren. Verständlich, da die Firmen weniger Mitarbeiter einstellen. Nach wie vor suchen sie, wenn sie denn Personal benötigen, vor allem über die eigene Homepage oder hören sich nach Empfehlungen um. Der noch nie berauschende Auftritt im Netz habe sich allerdings gegenüber den Vorjahren weiter verschlechtert, so Scholz. "Eigentlich sollten die Unternehmen wissen, dass gute Mitarbeiter vor allem im Internet auf Jobsuche sind." Für unzureichend hält der Professor besonders die Benutzerfreundlichkeit vieler bewerberbezogenen Online-Auftritte. Lediglich elf Prozent der teilnehmenden Firmen bekommen die Note "sehr gut".

Christian Scholz, Universität Saarbrücken: „Firmen sollten wissen, dass gute Mitarbeiter im Web Ausschau nach einem neuen Job halten.“
Christian Scholz, Universität Saarbrücken: „Firmen sollten wissen, dass gute Mitarbeiter im Web Ausschau nach einem neuen Job halten.“

In puncto Kommunikation läuft in den mittelständischen Betrieben eine ganze Menge. Wie auch im Vorjahr gaben knapp über 80 Prozent der Befragten an, dass bei ihnen regelmäßige Besprechungen mit allen Mitarbeitern und persönliche Gespräche mit Führungskräften stattfinden. Abgenommen hat dagegen die elektronische Kommunikation, also E-Mail-Anbindung und Einrichtung eines Intranets. Etwa die Hälfte der Befragten (Vorjahr 65 Prozent) verweisen darauf. "Vor einigen Jahren hieß es noch, dass jeder Mitarbeiter eine E-Mail-Adresse benötigt und ein Intranet Plicht ist", so der Professor. Mittlerweile erhalte nicht mehr jeder Mitarbeiter Mail- und Internet-Anschluss.

In der Vergütungspolitik agiert der Mittelstand konservativ. Alle Befragten gewähren in irgendeiner Form eine zusätzliche Altersvorsorge, immerhin 80 Prozent agieren mit einer leistungsorientierten Vergütung, und drei Viertel zahlen die geleisteten Überstunden. Absolut out sind der Kindergeld-, der Baugeldzuschuss und Belegschaftsaktien. Abgenommen hat der Anteil der variablen Entlohnung. Das hängt laut Scholz mit der wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen zusammen. Ist die Lage schwierig, wird die variable Komponente abgebaut.

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