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07.03.2014 - 

Softlayer und IaaS

IBM setzt konsequent auf die Open Cloud

René Büst ist Technology Analyst & Advisor mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
IBM baut auf Open-Source, um den Weg zu den Enterprise-Workloads und Entwicklern zu ebnen. Eine weitere wichtige Rolle wird Softlayer einnehmen. Das ist schlüssig, weil der Bare-Metal-Ansatz des übernommenen Providers eine logische Ergänzung des IBM Portfolios darstellt.

IBM blickt auf eine lange Open-Source Historie zurück. Bereits die Attraktivität von Linux hat IBM in der Unternehmens-IT vorangetrieben. So ist es kaum verwunderlich, dass diese Strategie ebenfalls auf die Cloud übertragen wird. Nachdem mit Todd Moore bereits eine strategisch wichtige Position innerhalb des Boards of Directors in der OpenStack Foundation (Cloud IaaS) besetzt wurde, gehört IBM ebenfalls zu den Gründern der Cloud Foundry Foundation (PaaS) zu denen auch EMC, Hewlett-Packard, Rackspace, SAP und VMware zählen.

Open-Source im IBM Cloud-Stack

Das Engagement in zwei der wichtigsten Open-Cloud-Communities zeigt die Bedeutung von Open Source für IBM und spiegelt sich auch in den Architekturkonzepten wieder. Dabei sieht IBM das Thema Open Source ganz klar als Mittel zum Zweck, um auf dieser Basis eigene kommerzielle Produkte anzubieten. OpenStack dient als die Infrastrukturbasis für viele bereits bestehende Produkte und Lösungen und wird in Zukunft als grundlegende Basis unter das gesamte IBM Cloud Portfolio ausgerollt. Für IBM ist es daher essentiell wichtig einen aktiven Einfluss auf die Ausrichtung von OpenStack zu nehmen. Hierzu beteiligt sich das Unternehmen ebenfalls aktiv an der Weiterentwicklung des Open-Source Projekts.

BlueMix: IBMs Polyglot Platform-as-a-Service

Überblick über die Open-Source-Lösungen im IBM-Stack.
Überblick über die Open-Source-Lösungen im IBM-Stack.
Foto: Crisp Research

IBM setzt gezielt auf Open-Source Software wie OpenStack und Cloud Foundry, um kommerzielle Angebote am Markt zu platzieren.

Unter dem Codenamen BlueMix hat IBM offiziell den Betastatus seines eigenen Platform-as-a-Service (PaaS) angekündigt. BlueMix gilt bei IBM als zentrale Komponente seiner Cloud-Strategie und basiert auf Cloud Foundry. Nach Angaben von Todd Moore werden beide Lösungen etwa alle zwei Monate miteinander abgeglichen um BlueMix auf einen aktuellen Cloud Foundry Versionsstand zu bringen, beziehungsweise um Cloud Foundry mit möglichen Erweiterungen aus dem BlueMix System zu verbessern.

BlueMix ist als offener Polyglot PaaS designed und unterstützt derzeit die Programmiersprachen Java, Node.js und Ruby. Neben Integration und Mobile Services sowie DevOps zur Continuous Integration bietet der BlueMix Catalogue weitere Services die für die Entwicklung eigener Applikationen auf BlueMix genutzt werden können. Darunter CloudCode, DataCache, ElasticMQ, JazzHub, MongoDB, MySQL und RabbitMQ.

Als Infrastruktur-Basis von Cloud Foundry dient OpenStack (IBM Smart Cloud Orchestrator, IBM Platform Computing).

Softlayer: IBMs Infrastructure-as-a-Service Waffe aus dem Untergrund

Softlayer war medial bisher eher ein unbeschriebenes Blatt. Erst durch die Akquisition von IBM stieg der IaaS-Anbieter aus dem Untergrund hervor indem er von IBM selbst konsequent als potentieller Amazon-Web-Services-Konkurrent (AWS) vermarktet wird. Softlayer muss sich keinesfalls verstecken. Was die wenigsten wissen: bekannte Web- und Mobile-Angebote wie WhatsApp, Tumblr, Dropbox, EA, MachineZone, fitbit und Yelp nutzen die Softlayer Infrastruktur. Zu Unternehmenskunden gehören u.a. Samsung, Citrix und Repsol. Hinzu kommt, dass von den 40 Rechenzentren die IBM bis 2015 geöffnet haben wird, stammen immerhin 13 Einrichtungen aus der Akquisition von Softlayer.

Softlayer setzt innerhalb seiner Infrastruktur auf ein hybrides Modell. Neben virtuellen Servern können Kunden sogenannte Bare Metal Server (dedizierte physikalische Hosts) anmieten. Eine Variante die IBM während der Pulse 2014 mit vielen Vorträgen prominent vermarktet hat und mit Performance Tests gegen Rivalen wie die Amazon Web Services schießt, die bekanntlich nur eine virtuelle Infrastruktur anbieten. Nach Angaben von Softlayer werden die Bare Metal und die virtuellen Server mittels derselben API (1.600 Stück), demselben Portal und eigenem internen Managementsystem provisioniert. Zudem sei Softlayer in der Lage, Bare Metal Server zu 100 Prozent automatisiert innerhalb von zwei bis vier Stunden bereitzustellen. Softlayer selbst unterstützt OpenStack derzeit nur als Installation auf den Bare Metal Servern. Das bedeutet, dass die technologische Infrastruktur unterhalb von Softlayer bisher nicht durch OpenStack ausgetauscht wurde. Allerdings unterstützt Softlayer, nach eigenen Angaben, die komplette OpenStack API, wodurch Softlayer als Deployment- und Managementwerkzeug für OpenStack dienen kann.

Der Bare-Metal-Ansatz ist vor allem für die Kunden interessant, die Performance benötigen, ihre Applikationen kennen und über stabile Workloads verfügen. Um kurzfristig Lastspitzen abzufangen, können diese dann auf virtuelle Server zurückgreifen, die innerhalb kürzester Zeit aus der Softlayer-Cloud bereitgestellt werden. Denn eines muss an dieser Stelle klar und deutlich gesagt werden: Der Bare-Metal-Ansatz von IBM Softlayer hat mit einem Cloud-Model nichts zu tun.

Für eine interessante Neuigkeit sorgte IBM mit der Akquisition von Cloudant, einem Database-as-a-Service Anbieter, der in das Softlayer Portfolio integriert wird. Das spannende an diesem Zukauf ist allerdings weniger die technische Seite, sondern vielmehr die Historie von Cloudant. Im Jahr 2009 als Startup auf der Cloud-Infrastruktur der Amazon Web Services (AWS) gestartet, wechselte Cloudant auf Grund von Performance-Probleme mit dem XEN Hypervisor der AWS Cloud auf die Bare Metal Infrastruktur von Softlayer. Nach Angaben von Cloudant CTO Adam Kocoloskiist es für Cloudant nicht notwendig, Server innerhalb von Sekunden hochzufahren. Die Performance ist für den Service entscheidender. Daher ist Bare Metal der bessere Ansatz ist.

IBM bietet gute Voraussetzungen für Enterprise-Workloads

IBM richtet sich mit seiner Cloud-Strategie vorwiegend an Unternehmenskunden und Entwickler in Unternehmen. IBM setzt dabei auf einen selbst gewählten "Dynamic Cloud" Slogan, der die off-Premise und die on-Premise Welt bedienen und verbinden soll. Ob IBM mit seinem BlueMix PaaS zu spät dran ist, wird sich zeigen. Es ist nicht zwangsläufig entscheidend, als erster am Markt zu sein und das beste Produkt zu haben, sondern seine bestehenden und potentiellen Kunden davon zu überzeugen, einen Mehrwert zu bieten. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Anbieter dies schaffen würde. Und IBM hat hierzu definitiv die finanzielle Ausdauer, das technische Know-how und die Wahrnehmung und Verbreitung in seiner Kernzielgruppe.

Der Vertrieb wurde im Software-Umfeld bereits auf eine Cloud-First-Strategie (Software-as-a-Service) eingeschworen, was nach Aussagen von IBM für den einen oder anderen Vertriebsmitarbeiter eine Umstellung sein wird, nicht mehr harte Lizenzen sondern Abonnements zu verkaufen. Aber die Zielrichtung ist klar und deutlich vorgegeben.

Cloud Foundry als auch OpenStack sind für IBM die grundlegende Basis für die Zukunft und die Cloud Strategie. Hierzu wird OpenStack stetig als Infrastrukturbasis unter das komplette Portfolio ausgerollt. Gleichzeitig geht Crisp Research davon aus, dass Softlayer kontinuierlich in das IBM Cloud Portfolio integriert wird und auch hier OpenStack in Zukunft die Infrastrukturbasis bildet. Noch in diesem Jahr plant IBM weltweit 40 Rechenzentren in 15 Ländern online zu haben, um darüber seine Cloud Services bereitzustellen. In 2015 soll in die aufstrebenden und durchaus lukrativen Märkte im Mittleren Osten und Afrika expandiert werden.

Bare Metal ist die Realität der Hybrid Cloud

Die Bare-Metal-Story von IBM Softlayer führt zu der Frage, ob der Cloud Markt und Initiativen wie das Open Compute Project die Preise für Hardware so in den Keller getrieben haben, dass es sich für die Anbieter als auch Anwender lohnt, selbst Server bei einem Nutzungsgrad von nur 30 Prozent anzuschaffen und zu betreiben. Die Nahtoderfahrung von HP zeigt wie bedrohlich die aktuelle Marktsituation für Hardwareproduzenten ist. Das musste auch bereits IBM selbst am eigenen Leib erfahren und hat sein x86-Servergeschäft an Lenovo verkauft.

Für diejenige die ihre konstanten Workloads kennen und Performance für die Applikationen benötigen, kann Softlayers Bare-Metal-Modell durchaus interessant sein. Insbesondere dann, wenn nur kurzzeitige Lastspitzen abgefangen werden müssen, was in dem Fall dann per virtuelle Server von Softlayer geschehen kann, um die Infrastruktur nach oben atmen zu lassen.

IBM kennt die Enterprise Workloads seiner potentiellen Kundengruppen besser als jeder andere Cloud-Anbieter am Markt. Damit ist Softlayer in der Lage, zielgerichtet die Bedürfnisse und Anforderungen zu erfüllen. Schlussendlich geht es darum einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, um den potentiellen Kunden eine große Vielfalt bieten zu können. Ansonsten wird man schnell zum Nischenanbieter und kann entweder nur Entwickler oder Unternehmenskunden bedienen. (jha)

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