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08.12.2014 - 

Mit drei Klicks zum Produkt

In Online-Shops muss es schnell gehen

Webseiten und Online-Shops sind das digitale Aushängeschild von Unternehmen. Aufbau und Technik werden ständig verbessert, damit die Käufer weiterklicken. Besonders in der Weihnachtszeit ist das wichtig.

Dicke Wollpullover, glitzernder Schmuck und die neueste Technik - was dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum landet, bestellen die Käufer immer häufiger im Internet. Denn der Online-Handel boomt weiter: Im Weihnachtsgeschäft erwartet der Handelsverband HDE in diesem November und Dezember rund 10 Milliarden Euro Umsatz im Netz. Insgesamt sind die Umsätze im Online-Handel seit 2010 um 82 Prozent gestiegen. Auch deshalb perfektionieren Unternehmen ständig ihre Webseiten und Online-Shops.

Immer übersichtlicher, immer simpler sollen die Shopping-Wege im Internet sein. "Voll gepackte Seiten mit viel Werbung sind sehr abgedroschen und empfinden wir in unserem Kulturkreis als nicht so schön", sagt der Wirtschaftspsychologe Meinald Thielsch von der Universität Münster. Eine Webseite muss in kürzester Zeit überzeugen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge erfassen und bewerten Nutzer die Schönheit einer Seite innerhalb einer halben Sekunde und entscheiden dann über "Bleiben" oder "Flüchten".

Amazon.de Bestellfristen zu Weihnachten 2014
Amazon.de Bestellfristen zu Weihnachten 2014
Foto: Amazon.de

Hinter dem Aufbau der Seiten steckt oft ein ausgeklügeltes Webdesign-Konzept. Bei Online-Marktplätzen wie Amazon, Zalando und Ebay sticht zum Beispiel ein großes Suchfeld ins Auge, um schnell zu den gewünschten Produkten zu finden.

Für den Präsidentn des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner (BDG), Christian Büning, steht vor allem die einfache Handhabung im Vordergrund. "Wichtig ist die sogenannte Klicktiefe. Maximal drei Klicks sollte man brauchen, um ein Produkt zu finden und drei bis vier Klicks dann, um es zu kaufen", sagt Büning. Bei Amazon klappe das gut, bei Bahn.de sei es komplizierter und kleinteiliger, bemängelt er. Wer die Heimfahrt zu Weihnachten online bucht, muss sich Zeit nehmen. Bei der Bahn entgegnet man: "Wir optimieren ständig." Da man sich unter anderem vor dem Missbrauch der Fahrkarten schützen müsse, brauche es mehrere Schritte, sagt ein Bahnsprecher.

Bei dem weltgrößten Online-Händler Amazon hält man sich bedeckt, wie viel in die optische und technische Perfektionierung der Webseite investiert wird. Die Mitarbeiter entwickelten Technologien, "die das Leben von Käufern, Verkäufern und Entwicklern auf der ganzen Welt erleichtern", heißt es auf der Webseite lediglich.

Die ständigen Verbesserungen bei Online-Auftritt wirken sich auch auf die Webdesigner aus. "Die Ansprüche an unseren Berufsstand sind deutlich gestiegen", sagt Designer Büning. Die Nutzer würden immer verwöhnter und verschwänden schnell, wenn eine Seite nicht gleich zu verstehen sei. "Eigentlich müssten Designer auch über Programmierung, Zielgruppenanalysen und die Psychologie der Nutzer Bescheid wissen - das können aber nur fachübergreifende Teams leisten", sagt Wissenschaftler Thielsch.

Dass Design gefragt ist, zeigen auch die Umsatzzahlen der Branche. Laut einer Erhebung des Bundeswirtschaftsministeriums steigerte der Grafik- und Kommunikationsdesign-Markt seinen Umsatz von 495 Millionen in 2009 auf 803 Millionen in 2012. Wie viel davon im Webbereich erzielt wurde, ist nicht separat ausgewiesen.

Doch zahlreiche Handelsunternehmen sind nicht dabei, ihren Online-Shop zu optimieren - viele haben nicht einmal einen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Handelsverbands HDE verkaufen 70 Prozent der befragten deutschen Händler gar nicht online. "Natürlich sehen wir da eine Gefahr", sagt HDE-Sprecher Stefan Hertel.

Von den 1200 Befragten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sind 24 Prozent mit einem eigenem Internetshop online unterwegs. Zwölf Prozent verkaufen zusätzlich oder allein auf Marktplätzen wie Ebay und Amazon. Ob sich ein Online-Standbein lohne, hänge sicherlich von Sortiment, Standort und Kundenkreis der Händler ab, sagt Verbandssprecher Hertel. Schließlich sei es eine erhebliche Investition. Doch der HDE empfiehlt, "sich zumindest mit dem Aufbau eines Online-Standbeins zu beschäftigen." (dpa/tc)

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