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29.03.2007

Konvergenz im Alltag

Nach Jahren des Booms ist die IP-Telefonie in der Normalität angekommen. Für Händler und Systemhäuser bleibt die Integration der Sprachkommunikation in bestehende Netze dennoch eine Herausforderung.

Von Dr. Thomas Hafen

Konvergenz, Konvergenz und noch mal Konvergenz - das sind die Hauptthemen der CeBIT 2006, 2007 und - glaubt man dem Branchenverband Bitkom - auch 2008. Zwar versteht jeder Anbieter unter dem Begriff etwas anderes, in einem sind sich die meisten jedoch einig: Telefonieren über IP ist ein integraler Bestandteil konvergenter Systeme - und längst zur Normalität geworden.

Das spiegelt sich auch in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen wider: Nach einer Umfrage, die das Marktforschungsunternehmen Berlecon Research im vergangenen Jahr im Auftrag von Damovo und Nortel durchgeführt hatte, nutzten bereits 34 Prozent der befragten deutschen Unternehmen VoIP, weitere 29 Prozent planten den Einsatz.

Als entscheidende Gründe für den Umstieg gaben die Umfrageteilnehmer neben geringeren Kosten die Ablösung von Altanlagen an: Als "sehr wichtig" oder "wichtig" bezeichneten 54 Prozent der Befragten diesen Aspekt. Aber auch die bessere Integration der Telefonie in andere Anwendungen spielt eine bedeutsame Rolle. Sie war für 51 Prozent der Umfrageteilnehmer "sehr wichtig" oder "wichtig". Wie nicht anders zu erwarten, setzen die meisten Unternehmen VoIP-Systeme in Form von TK-Anlagen ein. Bei 23 Prozent der Befragten sind solche, auch IP-PBX genannten, Geräte bereits im Einsatz, bei weiteren 26 Prozent war eine Anschaffung geplant.

Die Hersteller von TK-Anlagen ließen die CeBIT 2007 denn auch nicht verstreichen, ohne neue Modelle vorzustellen. Dabei hat sich der Trend zur SIP-basierten TK-Anlage weiter verstärkt. Das Session Initiation Protocol konnte sich als Standard gegenüber H.323 oder proprietären Protokollen durchsetzen. Diese werden zwar weiter angeboten, doch keines der neuen Modelle kommt ohne SIP-Unterstützung aus. Das ist nur folgerichtig: Für knapp zwei Drittel der von Berlecon befragten Unternehmen ist die Nutzung von Standards bei VoIP-Telefonielösungen "sehr wichtig" oder "wichtig".

Neue IP-TK-Anlagen auf der CeBIT

Im geschlossenen Händlerbereich von Panasonic konnten sich Reseller beispielsweise die IP-TK-Anlagen der "KX-TDE"-Serie ansehen. Die Systeme "TDE100" und "TDE200" bieten neben elf konventionellen Schnittstellen bis zu 32 IP-Kanäle für H.323- oder SIP-Trunking.

Im Grundausbau können maximal 64 proprietäre IP-Telefone oder 128 SIP-Telefone angeschlossen werden. Systeme der "KX-TDA"-Serie lassen sich außerdem durch den Austausch der CPU (MPR)-Baugruppe in ein IP-TK-System verwandeln. Sowohl die TDE-Systeme als auch die CPU-Baugruppe werden ab Mitte 2007 verfügbar sein.

Die IP-PBX-Telefonanlage "SMCPBX10" von SMC Networks basiert auf SIP und bietet neben einer VoIP-Schnittstelle Faxserver und Anrufbeantworter. Funktionen wie Konferenzschaltungen und automatische Sprachvermittlung (Auto-Attendant) sind ebenfalls integriert. An den vier LAN-Ports der IP-PBX können PCs, WLAN-Access-Points oder SIP-Geräte angeschlossen werden.

Ein wahrer Tausendsassa ist der "TK-HomeServer" von Agfeo. Das Gerät vereint TK-Anlage, ADSL2+-Modem, Firewall, Datenserver und Schaltzentrale für die Haustechnik. Der Home-Server verfügt über zwei ISDN-Anschlüsse (S0) und kann vier analoge Endgeräte (Telefon oder Fax) und zwei digitale Systemtelefone versorgen. Ein ISDN-Anschluss ist außerdem schaltbar und lässt sich auch für die interne Kommunikation verwenden, sodass zwei Ports für Systemtelefone zur Verfügung stehen. Daten lassen sich über den Home-Server auch austauschen - allerdings nur über FTP. Das Gerät verfügt dazu über einen Slot für CF-Speicherkarten. Wer mag, kann auch seine Webpräsenz auf der Speicherkarte hinterlegen und über den TK-Server im Internet veröffentlichen.

Auch bei Auerswald ist das IP-Zeitalter angebrochen. Das Unternehmen hatte lange auf traditionelle TK-Anlagentechnik gesetzt, bietet aber seit 2006 mit dem CommanderBasic.2 ein Gerät mit immerhin zwei VoIP-Kanälen an. Nun hat das Unternehmen zwei VoIP-fähige Kompaktanlagen vorgestellt. Die "Compact 5010 VoIP" ist mit einem ISDN-Amt-Port, einem internen ISDN-Port, zwei VoIP-Kanälen und sechs analogen Nebenstellen ausgestattet. Sie kann mit Modulen für zwei weitere VoIP-Kanäle oder einer TFE-Schnittstelle für Türsprechsysteme erweitert werden. Die "Compact 5020 VoIP" bietet zehn analoge Nebenstellen. Sie lässt sich um vier Module erweitern.

Für Auerswald-Marketingleiter Heinz Ludwig ist der späte Markteintritt kein Nachteil: "Wer vor zwei Jahren eine IP-TK-Anlage oder ein IP-Telefon gekauft hat, muss heute häufig schon wieder neue Geräte anschaffen." Vor allem in der Hauptzielgruppe des Herstellers - kleine Geschäftskunden mit 10 bis 15 Nebenstellen - sieht Ludwig noch Nachholbedarf: "Es wird noch einige Zeit dauern, bis das Thema VoIP in der Fläche akzeptiert wird."

Mittler zwischen den Welten

Kunden, die ihre traditionelle TK-Anlage behalten, aber dennoch IP-Telefonie betreiben wollen, sind mit einem VoIP-Gateway gut bedient. Hier ist die Auswahl riesig. So können beispielsweise kleine und mittlere Unternehmen über das "VoIP-Gateway 5188" von AVM die Vorteile der Internettelefonie nutzen. Bis zu acht parallele Gespräche sind möglich.

Nur durch die Bandbreite begrenzt wird die Zahl gleichzeitig möglicher Anrufe bei der "IP Brick GT". Das Gerät kann aber auch direkt als SIP-Proxy und -Registrar für interne VoIP-Endgeräte arbeiten. Die Appliance ist in Deutschland exklusiv über den Distributor Networx in Köln erhältlich (www.ipbrick.de).

Für Großunternehmen ist das "3000 IP Media Gateway" von Dialogic gedacht. Es erlaubt die Anbindung von Exchange-Server-2007-Umgebungen an ISDN-Anschlüsse oder QSIG-kompatible TK-Anlagen.

Endgeräte: SIP oder proprietär?

Bei der externen Kommunikation über IP ist das Protokoll-Rennen gelaufen, der Sieger heißt SIP. Etwas anders sieht es bei den Endgeräten aus. Nutzer einer TK-Anlage sind es gewohnt, über ihre Systemtelefone eine Vielzahl von Leistungsmerkmalen nutzen zu können. Der SIP-Standard selbst kann aber nur wenige der aus der klassischen Telefonie bekannten Dienste abbilden. Obwohl Erweiterungen wie SIP for Business (SIP-B) Abhilfe schaffen können, setzen viele Endgerätehersteller noch auf proprietäre Systemtelefone. So bietet beispielsweise Panasonic mit der neuen KX-NT3xx-Serie ebenso proprietäre IP-Telefone wie Funkwerk Enterprise Communications mit den Geräten "Elmeg S-290" und "S-400".

Andere Anbieter wie Snom setzen dagegen voll auf SIP. Mit Erweiterung wie SIPS (SIP secure), SRTP (Secure Real Time Protocol) und TLS (Transport Layer Security) ermöglicht das Unternehmen nach eigenen Angaben eine sichere Telefonie an allen Anlagen, die auf offenen Standards beruhen. Flaggschiff ist das zur CeBIT vorgestellte "Snom 370", das mit einem großen Schwenkdisplay und einem integrierten Browser aufwartet. Dank XML-Unterstützung kann der Systemintegrator oder Nutzer eigene Anwendungen für das Gerät entwickeln.

Ebenfalls SIP-basiert sind die neuen Endgeräte von SMC, Neben zwei kabelgebundenen Telefonen hat der Hersteller zur CeBIT ein WLAN-SIP-Handy vorgestellt, das für drahtlose Netze nach den Standards 802.11b und g geeignet ist.

Software statt PBX

Snom setzt bei seiner Strategie vor allem auf Technologiepartner, die Telefonielösungen auf Basis der Open-Source-Software Asterisk anbieten. Das Programm ist unter Linux und Mac OS X lauffähig, Windows-Portierungen gibt es ebenfalls. Obwohl Standard-PC-Hardware für den Betrieb ausreicht, ist eine Implementierung nicht trivial. Für Händler und Systemhäuser bietet Asterisk deshalb gute Möglichkeiten, Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.

Ebenfalls rein softwarebasiert ist "SwyxWare" von Swyx. Mit Version 6, die im vergangenen Jahr auf den Markt kam, hatte der Hersteller die Lösung umgestrickt und setzt nun auf einen modularen Aufbau. Prompt gab es Ärger mit Partnern und Kunden, die sich mit diversen Fehlern herumschlagen mussten. Swyx hat nun eine Qualitätsoffensive gestartet und setzt auf eine intensivere Kommunikation mit den Partnern. "Wir haben nicht genügend auf Schulung geachtet", gibt Channel-Marketing-Chef Harald Bender zu. Das werde sich nun ändern.

Das Systemhaus als Provider

Schadensbegrenzung und Qualitätssicherung halten Swyx aber nicht davon ab, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zur CeBIT hat der Anbieter eine mandantenfähige Version der SwyxWare vorgestellt. Sie soll gehostete IP-Telefonie-Services - so genannte IP-Centrex-Dienste - leichter realisierbar machen. Net Cologne und QSC bieten laut Bender PBX-Dienste auf Swyx-Basis bereits an, hätten aber je Kunde mindestens einen dedizierten Server im Einsatz. Mit der aktuellen Version ist dies nicht mehr nötig. Der Hersteller sieht auch für Systemhäuser die Möglichkeit, relativ leicht in den IP-Centrex-Markt einzusteigen.

Noch einfacher macht es der Distributor Partners in Europe mit seiner XSip-Plattform. Über das von Telefónica betriebene VoIP-Portal können Wiederverkäufer seit September 2006 TK-Services anbieten und so selbst zum Provider werden. Bis Dezember 2006 konnte der Disti bereits 80 Partner für sein Modell gewinnen.

Zur CeBIT bietet außerdem Arcor den "Central Phone" genannten Service, der zwischen 10 und 20 Euro pro Teilnehmer kosten soll. Er richtet sich vor allem an kleinere Mittelständler mit maximal 150 Nebenstellen.

Die große Integration

Seit Microsoft seinen Eintritt in das Voice-over-IP-Geschäft angekündigt hat, dürfte allen klar sein: Die Integration der Sprachkommunikation als eine Anwendung unter vielen in ein Unified-Commnications-System ist nur noch eine Frage der Zeit. Der "Office Communication Server 2007" (OCS) des Softwareherstellers, der bereits in einer Beta-Version vorliegt, vereint E-Mail, Instant Messaging, Präsenzmanagement, Sprache und Video auf einem Server. Nach Ansicht der ersten Beta-Tester, zu denen beispielsweise der Carrier Global Crossing gehören, kann OCS allerdings derzeit eine PBX nicht ersetzen, sondern höchstens ergänzen.