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29.11.2007 - 

Schlankere Strukturen und kleinerer Vorstand

Siemens wird nach Schmiergeldskandal radikal umgebaut

Siemens zieht mit einem radikalen Konzernumbau und einer neuen Führungsmannschaft die Lehren aus dem Schmiergeldskandal. Der Aufsichtsrat von Deutschlands größtem Elektrokonzern gab am Mittwoch grünes Licht für schlankere Konzernstrukturen, eine Verkleinerung des Vorstands und mehr direkte Verantwortung für die Führungskräfte.

"Nach einem Jahr umfassender Veränderungen sind mit der künftigen Führungsmannschaft und der neuen Organisationsstruktur die Fundamente für ein nächstes erfolgreiches Kapitel in der 160-jährigen Firmengeschichte gelegt", sagte der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme am Mittwoch in München.

Der frühere Pharma-Manager Peter Löscher stellt Siemens ganz neu auf.
Der frühere Pharma-Manager Peter Löscher stellt Siemens ganz neu auf.
Foto: Siemens

Künftig ruht das Unternehmen auf den drei Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik. Zuletzt hatte der Traditionskonzern noch acht operative Bereiche. "Durch die neue fokussierte Unternehmensstruktur werden wir unsere Ertragskraft und Transparenz weiter steigern", sagte Vorstandschef Peter Löscher. Der Vorstand wird von elf auf acht Mitglieder verkleinert. Dabei scheiden fünf teils langjährige Zentralvorstände aus.

Die IG Metall stellte sich hinter den radikalen Umbau. Das Unternehmen bleibe als "weltweit führender, integrierter Konzern mit allen wesentlichen Bereichen erhalten", sagte IG-Metall-Chef und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber. "Siemens wird nicht zerschlagen oder durch Finanzinvestoren ausgeschlachtet werden." Vor diesem Hintergrund fänden der Umbau und die Personalentscheidungen die Zustimmung der IG Metall.

Der Siemens-Konzern wird seit rund einem Jahr vom größten Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaft erschüttert. Rund 1,3 Milliarden Euro sind in den vergangenen Jahren in dunklen Kanälen verschwunden und vermutlich zum größten Teil im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Im Zuge des Skandals mussten bereits Vorstandschef Klaus Kleinfeld und der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer ihren Hut nehmen.

Als Konsequenz aus der Affäre und um besser mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können, werden nun die Strukturen deutlich verschlankt. Der Konzern steht künftig nur noch auf den Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik. Darunter gibt es 15 Divisionen. Die drei Kern-Sparten werden von jeweils einem Chef geführt, der auch im Zentralvorstand sitzt. Das größte Arbeitsgebiet Industrie verantwortet künftig Heinrich Hiesinger. Der 47-Jährige war zuletzt im obersten Führungsgremium für die Gebäudetechniksparte SBT zuständig und sollte eigentlich Personalvorstand werden. Diesen Posten übernimmt nun Siegfried Russwurm (44), bisher Bereichsvorstand in der Siemens-Medizintechnik.

Die Medizintechnik-Sparte wird weiterhin von Vorstandsmitglied Erich Reinhardt (61) geführt. Das dritte verbliebene Arbeitsgebiet - die Energiesparte - verantwortet künftig Wolfgang Dehen. Die Berufung des 53-Jährigen in den Vorstand gilt als Überraschung. Er hatte zuletzt den Autozulieferer VDO geführt, der im Sommer an Conti verkauft wurde. Bei allen Kandidaten wurde in den vergangenen Wochen intensiv überprüft, ob sie in den Schmiergeldskandal verwickelt sein könnten. Die Chefs der 15 Divisionen sollen noch im Dezember benannt werden.

Im Gegenzug müssen langjährige Vorstandsmitglieder ihren Posten abgeben. So scheidet Rudi Lamprecht aus dem Vorstand aus. Der 59-Jährige hatte einst das Handygeschäft geführt und war zuletzt unter anderem noch für die Betreuung der Siemens-Gemeinschaftsunternehmen zuständig. Den Vorstand verlassen zum Jahreswechsel auch Eduardo Montes (56), Uriel Sharef (63), Klaus Wucherer (63) und Jürgen Radomski (66). Radomskis Vertrag läuft ohnehin aus, die übrigen vier sollen vorerst beratend für den Konzern tätig sein. (dpa/tc)

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