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29.01.2014 - 

Zehn Tipps für Redner

So fesseln Sie Ihre Zuhörer

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Öde und langatmig - so erleben die Zuhörer oft (Fest-)Reden, die zu allen möglichen Anlässen gehalten werden. Ingo Vogel verrät Ihnen, wie Sie Fehler vermeiden und Ihr Publikum fesseln können.
Ein guter Redner nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise.
Ein guter Redner nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise.
Foto: violetkaipa - Fotolia.com

Bei Reden stellt man immer wieder fest: Nach zwei, drei Minuten erlahmt das Interesse der Zuhörer. Und sie fragen sich insgeheim: Wann wird endlich das Büffet eröffnet? Dabei blicken die Zuhörer der Rede oft durchaus gespannt entgegen - sofern sie nicht aus den Vorjahren bereits die langatmigen "Festansprachen" des Chefs oder Verbandsvorsitzenden kennen. Entsprechend leicht könnten Redner ihr Publikum begeistern. Hier zehn Tipps, wie Ihnen dies gelingt.

Tipp 1: Authentisch sein.

Der Erfolg einer Rede hängt vorwiegend davon ab, ob der Redner die Sympathie seiner Zuhörer ge-winnt. Wichtig sind auch ihr Aufbau und ihre dramaturgische Gestaltung. Der Inhalt der Rede hingegen hat auf ihre Bewertung einen eher geringen Einfluss. Vereinfacht könnte man sagen: Der Redner muss vor allem einen Draht zum Publikum finden und seine Inhalte gut verpacken. Was er sagt, ist zweitrangig.

Doch wie gewinnt ein Redner die Sympathie der Zuhörer? Vor allem dadurch, dass er authentisch wirkt. Die Rede sollte ihm also auf den Leib geschneidert sein. Wenig glaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert. Oder wenn sich ein Einzelkämpfer verbal mit den Anwesenden verbrüdert. Das ist und wirkt nicht authentisch. Also gehen die Zuhörer auf Distanz.

Tipp 2: Die Zuhörer auf eine "Gedankenreise" mitnehmen.

Ein Redner gleicht einem Reiseführer. Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise - zum Beispiel durch das vergangene Jahr. Also sollte er sich im Vorfeld überlegen: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, planen.

Eine Ansprache bei einer Weihnachtsfeier beispielsweise sollte anders als eine Neujahrsrede konzipiert sein. Denn bei einer Weihnachtsfeier steht das gemeinsame Feiern zentral, bei einem Neujahrsempfang hingegen sollen die Zuhörer oft schon auf die Herausforderungen im neuen Jahr eingestimmt werden. Also kann die Rede mehr Information enthalten. Zudem kann sie einen stärker appellativen Charakter haben.

Tipp 3: Vorab überlegen: Wer sitzt mir gegenüber?

Beim Planen der Rede sollte der Redner wissen: Wer sitzt mir gegenüber? Sind die Zuhörer vorwiegend Mitarbeiter, die den Chef nur selten sehen, sollte die Rede anders gestaltet sein, als wenn das Auditorium nur aus Führungskräften besteht, mit denen der Chef fast täglich konferiert. Ebenfalls wichtig ist: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Kennen sie sich gut oder sehen sie sich nur einmal jährlich? Gehören sie derselben Organisation an oder nicht? Denn wenn die Anwesenden Tag für Tag zusammenarbeiten, haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die der Redner sich beziehen kann. Sehen sie sich hingegen nur ein Mal im Jahr, muss er auf andere Elemente zurückgreifen, um ihr Ohr zu finden. Zum Beispiel die Entwicklung in der Branche, der alle angehören. Oder die gemeinsamen Erfahrungen mit der schlechten Zahlungsmoral der Kunden.

Kommunikation

Tipp 4: Mit den Zuhörern kommunizieren.

Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern - selbst wenn nur er spricht. Zum Beispiel mit den Augen, indem er häufig den Blickkontakt mit dem Auditorium sucht. Deshalb sollten Reden so frei wie möglich vorgetragen werden. Sprechen Sie das Publikum auch immer wieder persönlich an. Jedoch nicht indem Sie alle zwei bis drei Minuten die Floskel "Meine sehr verehrten Damen und Herren" ver-wenden, sondern indem Sie den Zuhörern zum Beispiel rhetorische Fragen stellen wie "Kennen Sie folgende Situation, ..." oder "Vielleicht geht es auch Ihnen so ..." Integrieren Sie zudem Beispiele aus der Erfahrungswelt der Zuhörer in Ihre Rede. Auch ein Schuss Humor und Selbstironie tut jeder Rede gut.

Tipp 5: In der Kürze liegt die Würze.

Je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Festrede zur Weihnachtsfeier sollte nicht länger als zehn, maximal fünfzehn Minuten dauern. Länger dauert auch die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin im Fernsehen nicht.

Eine Rede sollte höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht einer rosigen Zukunft entgegen. Und: Dass es unserem Betrieb so gut geht, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeiter.

Tipp 6: Die "Gedankenreise" planen.

Für das inhaltliche Planen Ihrer Rede können Sie die Mindmapping-Methode benutzen. Sie funktioniert wie folgt: Schreiben Sie in die Mitte eines Blatt Papiers das Thema oder den Anlass der Rede. Zum Beispiel: "Weihnachtsfeier" oder "Strategie 2014". Notieren Sie dann entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was Ihnen zum Thema einfällt. Zum Beispiel: "Ertragsentwicklung", "Dank an Mitarbeiter", "Neue Produkte". Notieren Sie anschließend entlang von Seitenarmen dieser Linien, alles, was Ihnen hierzu einfällt. So bekommen Sie schnell einen Überblick über die möglichen Inhalte der Rede. Und wenn Sie merken, es wird zu viel? Dann können Sie problemlos einige (Seiten-)Arme streichen.

Tipp 7: Knackig einsteigen, feurig enden.

Planen Sie besonders sorgfältig den Beginn und den Schluss Ihrer Rede. Wie aufmerksam das Publi-kum Ihnen zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Gute Einstiege sind Anekdoten - zuweilen auch ein Witz. Ein Beispiel: Ein Franzose, ein Deutscher und ein Engländer werden zum Tode verurteilt. Alle haben einen letzten Wunsch frei. Zuerst der Franzose: "Ich möchte noch einmal die Marseillaise hören." Dann der Deutsche: "Ich möchte eine Rede halten." Schließlich der Engländer: "Ich möchte erschossen werden, bevor der Deutsche mit seiner Rede beginnt."

Bauen Sie Ihre Rede dramaturgisch auf. Alles sollte auf ein großes Finale hinstreben, das dafür sorgt, dass Ihre Rede dem Publikum im Gedächtnis bleibt - ähnlich wie bei einem Feuerwerk.

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