Techniktrends

Google Docs und Co. knabbern am Office-Kuchen

Markus Strehlitz beschäftigt sich als freier Journalist mit allen Aspekten rund um das Thema Informationstechnologie sowie weiteren Technikthemen. Er schreibt sowohl für Fachzeitschriften wie COMPUTERWOCHE und Online-Medien als auch für Tageszeitungen oder Wissenschaftsmagazine. Vor seiner Selbständigkeit arbeitete er als Redakteur im Software-Ressort der Computer Zeitung.

Microsoft zeigt Zähne

Trotz dieser Fokussierung wird es für die Office-Konkurrenten nicht einfach, im Collaboration-Umfeld gegen Microsoft zu punkten. Mit der zeitgleichen Vorstellung und Verzahnung von Office 2010 und der neuen SharePoint-Version haben die Redmonder klar signalisiert, dass man den Produktkombi auch als Teil einer großen Bürolösung sieht, die Office- und Collaboration-Werkzeuge einschließt. Die ebenfalls enge Anbindung an den kürzlich eingeführten Lync-Server trägt ihr Übriges zu dieser Strategie bei.

Daneben positioniert Microsoft sein Office auch als Frontend für weitere Technologien. Geplant ist unter anderem, Excel als Client für Business-Intelligence-Funktionen von SQL Server zu verwenden. Zahlreiche Content-Management-Anbieter nutzen zudem Office als Arbeitsoberfläche für ihre Lösungen.

Web-basierende Office-Alternativen wie Google Docs sind von solchen Möglichkeiten noch meilenweit entfernt. Erschwerend kommt hinzu, dass Hersteller- und Community-Querelen zusätzliche Hürden aufbauen, wie das Beispiel Openoffice zeigt. Nach der Übernahme von Sun hatte Oracle Pläne geäußert, Openoffice als Client für die hauseigenen Business-Intelligence- und Content-Management-Techniken aufzubauen. Ob sich dieses Vorhaben jetzt noch umsetzen lässt, ist allerdings fraglich.

Mitglieder des Openoffice-Projekts haben sich mit Softwareanbietern wie Google in der Document Foundation zusammengefunden, um das quelloffene Bürosystem unter der Bezeichnung Libreoffice weiterzuentwickeln. Da Oracle seine Teilnahme an dieser Organisation bislang jedoch verweigert, fehlt dem Hersteller für seine weiteren Pläne mit Openoffice die Unterstützung der Entwicklergemeinde. Immerhin: Mit IBM und Novell gibt es noch zwei weitere große Anbieter, welche die Möglichkeiten von Openoffice in ihren eigenen Varianten ausbauen.

Das größte Problem für Web-basierende Office-Alternativen dürfte sich jedoch aus dem Umstand ergeben, dass Microsoft inzwischen bei seinen Online-Diensten selbst Gas gibt. Die Business Productivity Online Suite (BPOS) - eine Online-Suite aus Exchange, SharePoint, Office Communications und Office Live Meeting - läuft bereits recht erfolgreich. Unter der Bezeichnung Office 365 folgt im kommenden Jahr eine Online-Lösung, die auf den 2010er-Versionen von Office, SharePoint, Exchange und Lync basiert. Unternehmen können die Services bereits ab fünf Euro pro Monat und Anwender nutzen.

Laut Gartner soll das neue Angebot mehr Funktionen sowie bessere Administrationsmöglichkeiten bieten und stabiler als die bisherigen Web-Offerten Microsofts laufen. Axel Oppermann, Senior Advisor bei der Experton Group, kritisiert jedoch, dass Office 365 noch kein reines Cloud-Angebot sei. Wer etwa die Variante Office Professional Plus nutzen möchte, benötige noch eine Installation auf dem Client.

Wenn Kunden trotzdem neben den Redmonder Büroprodukten auch andere Office-Lösungen einsetzen möchten, sollten Sie als Reseller darauf achten, dass ein dualer Betrieb möglichst wenig Aufwand verursacht. IBMs Frontend-Spezialist Andreas Pleschek empfiehlt für solche Fälle, ein älteres Microsoft-Format als Standardformat im Unternehmen festzulegen. So sei sichergestellt, dass sowohl MS Office als auch das Alternativprogramm die Dokumente lesen können. Forrester-Analystin Mc Leish rät außerdem dazu, die bereits bestehenden Dokumente in ihren ursprünglichen Formaten zu belassen oder nach PDF zu konvertieren.

Der Beitrag stammt von unserer Schwesterpublikation Computerwoche.

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