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04.02.2016 - 

Informant rudert zurück

Plant Amazon.com bis zu 400 klassische Buchläden?

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Dass ausgerechnet der erfolgreiche Online-Buchhändler Amazon.com selbst eine ganze Kette von klassischen Buchläden plant, klingt zunächst verwirrend, dann aber logisch. Inzwischen hat der Informant seine diesbezügliche Aussage aber zurückgenommen.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass der Online-Gigant 300 bis 400 Buchläden eröffnen und damit ein weiteres Mal den Marktführer Barnes & Noble (650 Läden) und Books-A-Million (255 Läden) angreifen will. Ursprung dieser Informationen war Sandeep Mathrani, Chief Executive Officer des amerikanischen Shopping-Mall-Betreibers General Growth Properties Inc. , der dieses "Geheimnis" in einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalsbilanz seines Unternehmens ausgeplaudert hatte.

24 Stunden nachdem die Meldung weltweit Schlagzeilen machte und unter anderem auch die Aktie der Buchhandelskette Barnes & Noble auf Talfahrt schickte, ruderte Mathrani teilweise zurück. Die Äußerung habe in keinerlei Weise Amazons Pläne repräsentieren sollen, hieß es in einem knappen Statement von General Growth.

Amazon-Chef Jeff Bezos ist experimentierfreudig: Mit den im Online-Business gesammelten Daten will er den Verkauf im Ladengeschäft revolutionieren.
Amazon-Chef Jeff Bezos ist experimentierfreudig: Mit den im Online-Business gesammelten Daten will er den Verkauf im Ladengeschäft revolutionieren.
Foto: Amazon.com

Immerhin: Derzeit hat Amazon einen großen Buchladen in Seattle und einige permanente Kiosks in den Shopping-Malls der Westfield Corp., wo neben Büchern auch Gadgets, Kleidung und andere Produkte verkauft werden.

Ein schneller Einstieg dürfte schwierig werden

Sollt Amazon seine Pläne verwirklichen, würde das Unternehmen wohl einige Jahre brauchen, um die richtigen Orte und Immobilien zu finden, Leasing-Verträge abzuschließen und Personal anzuheuern. (Siehe auch: Wie der lokale Buchhandel gegen Amazon & Co. kämpft). Anschließend könnte Amazon durchaus einen gewissen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem klassischen Buchhandel vorweisen: die reichhaltigen Daten, die das Unternehmen jahrelang in seinem Online-Business gesammelt hat. So kann der Konzern für die Bestückung seines Ladens in Seattle ständig analysieren, welches Feedback Online-Leser zu Büchern gegeben haben, und ob sich die Abverkäufe für Bestseller im Steig- oder Sinkflug befinden.

In Seattle verlangt Amazon Preise, die mit denen im Online-Handel identisch sind. Außerdem erhalten die Kunden zu einigen Büchern die Leserurteile von Online-Kunden angezeigt und können sich an den von Amazon.com bekannten Bewertungssternchen orientieren. Darüber hinaus gibt es - wie mittlerweile auch in anderen Buchhandlungen - Ecken, in denen die Mitarbeiter des Geschäfts ihre eigenen Favoriten präsentieren.

Lieferzeiten sollen verkürzt werden

Amazon arbeitet zurzeit an verschiedenen Stellen daran, die Lieferzeiten für Güter zu verkürzen. In 20 Städten werden bereits Lieferungen innerhalb von einer Stunde versprochen, außerdem gibt es "Same-day Drop-offs" in bestimmten Läden und Märkten. An ersten amerikanischen Universitäten wurden Abholstationen eingerichtet, wo Studenten ihre Bücher mitnehmen und Kontakt zu Amazon-Mitarbeitern aufnehmen können.

Auch wenn Mathranis Aussagen völlig aus der Luft gegriffen sind, bedeutet dies keine vollständige Entwarnung für den klassischen Buchhandel. Wie der General-Growth-CEO auf der Bilanzkonferenz ausführte, sind auch andere Online-Shop-Betreiber dabei, erste Brick-and-Mortar-Geschäfte zu betreiben. Als Beispiel nannte er die Modeseite Bonobos, die Kosmetikseite Birchbox und den Brillenanbieter Warby Parker.

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