05.04.2013 - 

Wie E-Commerce den ITK-Handel verändert

Online-Revolution hat erst begonnen

Die Wachstumsraten in der Onlinehandels-Branche ziehen weiter an und auch die Elektronikversender legen weiter zu. Doch der E-Commerce-Boom ist nur ein Teil des digitalen Wandels, der auch Fachhändler, Hersteller und Distributoren radikal verändert.

Die Wachstumsraten in der Onlinehandels-Branche ziehen weiter an und auch die Elektronikversender legen weiter zu. Doch der E-Commerce-Boom ist nur ein Teil des digitalen Wandels, der auch Fachhändler, Hersteller und Distributoren radikal verändert.

Die Umsatzentwicklung im Versandhandel verdeutlicht das rasante E-Commerce-Wachstum
Die Umsatzentwicklung im Versandhandel verdeutlicht das rasante E-Commerce-Wachstum

Man kennt es vom ITK-Verband Bitkom: Leisetreterei ist nicht Sache der Branchenvertretungen. Vielmehr betrachten sie sich als Verstärker der Interessen ihrer Mitglieder und neigen dabei auch gerne einmal zu Übertreibungen. Umso mehr fällt es auf, wenn der Versandhandelsverband bvh seine Umsatzprognose für 2012 im Lauf des Jahres deutlich nach oben korrigiert. Ursprünglich war die Versandbranche, die 2011 knapp zwei Drittel ihrer Umsätze im E-Commerce erzielte, von einem Gesamtwachstum von 7,4 Prozent bzw. im Online-Bereich von 16,5 Prozent ausgegangen. Doch nachdem das E-Commerce-Wachstum 18 Prozent in Q1, 27 Prozent in Q2 und 31 Prozent in Q3 betrug, veröffentlichte der bvh eine korrigierte Jahresprognose: Der Verband erwartet nun ein Branchenwachstum von 11,8 Prozent sowie im Onlinehandel von 26,5 Prozent. Der deutsche E-Commerce dürfte damit auf einen Jahresumsatz von 27,5 Milliarden Euro wachsen und einen Anteil von 72 Prozent an den Versandhandelsumsätzen einnehmen.

„Der Markt entwickelt sich weitaus dynamischer als erwartet“, fasst der E-Commerce-Berater und Blogger („Exciting Commerce“) Jochen Krisch den Trend zusammen. „Ein jährliches Marktwachstum von 4 Milliarden Euro in nur einem Jahr wäre vor zwei bis drei Jahren noch undenkbar gewesen.“ Für den E-Commerce-Experten ist diese Beschleunigung allerdings nur der Beginn einer rasanten Wachstums-Story. Krisch geht davon aus, dass ab einem gewissen Marktvolumen prozess- und logistikseitig Skaleneffekte eintreten, die dem E-Commerce ein weiteres, noch sehr viel explosionsartigeres Wachstum erlauben. „Einen wesentlichen Schub wird der Onlinehandel bekommen, wenn die stationären Einkaufsmöglichkeiten im Hinblick auf Aspekte wie Auswahl, Zugang und Preis geringer werden und der Online-Einkauf noch nutzerorientierter und bequemer wird“, so der E-Commerce-Berater. „Ab 2015/16 kommt dann Mobile zum Tragen. Das wird die Dynamik nochmals erhöhen“, so Krisch, der sich überzeugt gibt, dass der Online-Handel noch vor 2020 die 100 Milliarden Euro-Marke erreichen wird.

E-Commerce-Berater Jochen Krisch: „Die Wachstumsdynamik wird sich noch weiter erhöhen“
E-Commerce-Berater Jochen Krisch: „Die Wachstumsdynamik wird sich noch weiter erhöhen“
Foto: Exciting Commerce

Alles nur Zukunftsmusik? Durchaus nicht, wenn man die Ergebnisse der renommierten „Allensbacher Computer- und Technik-Analyse“ (ACTA) zum Vergleich nimmt. Die seit 1997 jährlich erhobene Marktforschung zeigt, dass im E-Commerce noch große Potenziale stecken. So bevorzugen laut ACTA aktuell noch 52 Prozent der Bundesbürger den Einkauf im stationären Handel gegenüber der Bestellung im Internet. Zwar liegt dieser Anteil bei den unter 30-Jährigen nur bei 23 Prozent, doch zählen auch in dieser Altersgruppe erst 20 Prozent zum Typus des „begeisterten Online-Shoppers“. „Die Begeisterung wird steigen, wenn der Onlinehandel noch bequemer und nutzerorientierter wird und die Technik zunehmend in den Hintergrund rückt. Amazon und Apple weisen hier den Weg“, erklärt Krisch. Gelinge es erst einmal, auch die bisher weniger internetaffinen Konsumententypen zum Einkauf im Internet zu bewegen, würden sich kräftige Wachstumsimpulse ergeben. Doch bereits heute habe der E-Commerce für massive Veränderungen in der deutschen Handelswelt gesorgt.

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